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Mönchengladbach: Rock am Ring: Magnet für eine ganze Region

Mönchengladbach : Rock am Ring: Magnet für eine ganze Region

Konzertveranstalter Marek Lieberberg schwärmt vom JHQ als neuen Festivalstandort - und will das Projekt mit Micki Hilgers realisieren.

1985 hatte Konzertveranstalter Marek Lieberberg die Vision von einem mehrtägigen Open-Air-Festival. Es wurde zum größten Musikevent Deutschlands. Seit 29 Jahren pilgerten tausende Menschen an Pfingsten in die Eifel zum Nürburgring -bis jetzt. 2015 könnte es mit der 30. Auflage nach Mönchengladbach kommen: "Rock am Ring", die Mutter aller Festivals.

Wenn Marek Lieberberg, Veranstalter der Kultveranstaltung, von Mönchengladbach - und hier speziell vom ehemaligen Militärgelände JHQ - erzählt, gerät er ins Schwärmen: "Ich bin überwältigt von der Schönheit. Das ist der beste Festivalplatz von ganz Europa, und ich habe weiß Gott schon viele Plätze gesehen." Lieberberg lässt keinen Zweifel: Nachdem in Nürburg die Verträge für "Rock am Ring" gekündigt wurden, hat für ihn Mönchengladbach bei der neuen Standortwahl die oberste Priorität.

Oberbürgermeister Norbert Bude hat bereits zweimal selbst mit Marek Lieberberg verhandelt. "Wir werden uns schon in Kürze ein drittes Mal treffen", sagte Bude gestern der Rheinischen Post. Bei diesem Treffen wird es auch darum gehen, welche Flächen Lieberberg für die Umsetzung des Konzepts braucht. Schon jetzt ist die Stadt dabei zu prüfen, ob Verkehr, Natur- oder Lärmschutz möglicherweise gegen das große Festival im JHQ sprechen. Die Stadt geht davon aus, dass sich Erstaufnahmestelle für Asylbewerber, "Rock am Ring" und der Vier-Jahreszeiten-Freizeitpark der Saudis auf dem 420 Hektar großen Gelände nicht in die Quere kommen. Doch auch das muss noch einmal genauer betrachtet werden. Fest steht, dass durch den Vorstoß Lieberbergs nun plötzlich mehr Eile bei der grundsätzlichen Entscheidung, was im JHQ passieren soll, vonnöten ist. Bisher war man von einer Entscheidung im Herbst ausgegangen. Nun spricht Bude davon, dass der Rat spätestens bis zum Ende der Sommerferien entscheiden muss, ob man "Rock im Ring" in der Stadt haben will. Die Stadt würde sowohl wirtschaftlich als auch vom Image her profitieren, glaubt Bude, der von einer "tollen Option" spricht.

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Das zeigen auch die Erfahrungen in Rheinland-Pfalz. Entsprechend geschockt reagierten dort Hoteliers und Gaststättenbetreiber, als das Zerwürfnis zwischen Lieberberg und dem neuen Eigentümer bekannt wurde. Rock am Ring sei drei Jahrzehnte lang Imagewerbung für die gesamte Region gewesen, sagt Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Rheinland-Pfalz - und das ganzjährig: "Dadurch war die Eifel nicht nur für autoaffine Gäste ein Magnet, sondern hat auch ein anderes Klientel angelockt."

Und natürlich sei das Festival ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor: "Trotz der vielen Camper waren die Hotels voll, trotz der vielen Selbstverpfleger waren die Festivaltage die umsatzstärksten für die Gastronomie." Gastronomie, Hotels und Gasthöfe seien in dieser Zeit vollständig ausgelastet. "Wir bedauern daher die Entwicklung", sagt Gereon Haumann.

Die Schilderungen dürften bei Lokalpolitikern Anlass zum Träumen sein. Am Ende, sagt Norbert Bude, gäben bei der Prüfung zur Machbarkeit allerdings weniger Emotionen als harte Fakten den Ausschlag. Ob die 500 oder sogar mehr Asylbewerber tatsächlich eine erste Anlaufstelle im JHQ finden, ist beispielsweise weiter unklar. Zum Freizeitpark hat es bereits mehrere Verhandlungsrunden gegeben. Dabei sind bereits einige potenzielle Hindernisse aus dem Weg geräumt worden. Laut Insidern ist nach wie vor schwer abschätzbar, wie groß die Chancen auf eine Realisierung sind.

"Manchmal steckt der Teufel im Detail", sagt Michael Hilgers von der Hockeypark-GmbH. Seine Gesellschaft soll für die Lieberberg-Konzertagentur organisatorische Aufgaben vor Ort übernehmen, wenn "Rock am Ring in Mönchengladbach" wahr würde. Hilgers und Lieberberg hatten gestern eine lange Telefonkonferenz, hatten davor schon viel gemailt. Auch für Michael Hilgers hat der Festivalstandort JHQ viele Vorteile: Lage, Anbindung, Zufahrten - alles sei sehr gut, viel besser als in Nürburg, sagt er.

Doch letztlich geht es auch für den Besitzer der Immobilie, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ums Geld. "Unsere Aufgabe ist es, im Sinne des Steuerzahlers, das Grundstück bestmöglich zu vermarkten", sagt ein Sprecher. Allerdings, räumt er ein, könnte eine Lösung auch die Zusammenarbeit mit Marek Lieberberg sein. Kontakte habe es bereits gegeben, so der Sprecher: "Und auch die Stadt hat bereits ihr Einverständnis signalisiert." Nun käme es darauf an, alle notwendigen Genehmigungen zu erbringen. Sollte dies klappen, wäre es durchaus möglich, einen Teil des Geländes an Lieberberg zu verpachten.

Ein Knackpunkt in den Verhandlungen könnten unterschiedliche Vorstellungen sein. Denn während Lieberberg einen ähnlich langen Zeitraum wie am Nürburgring für das Festival anpeilen dürfte, spricht die Bundesanstalt momentan noch von einer "Zwischennutzung". Ob daraus eine dauerhafte Lösung werden könnte, hängt auch von Entscheidungen der Stadt ab. "Bei ihr liegt die Planungshoheit", sagt der Sprecher, der betont: "Es gibt noch keine andere Lösung."

Den Konzertveranstalter schrecken diese Hürden nicht. Für ihn ist der Standort optimal. "Mönchengladbach passt einfach", findet Lieberberg. Und: "Es ist eine weltoffene Stadt, hat einen großartigen Fußballverein und ist außerdem noch musikaffin." Wichtig für ihn sei auch, dass die Menschen hinter dem Festival stehen. Dafür wolle man viel tun. "Wir sind bekannt dafür, dass wir Verträge einhalten. Wir haben eine makellose Organisation, und wir verlassen unsere Festivalgelände in dem Zustand, in dem wir es vorgefunden haben", sagt Lieberberg, der zusammen mit Sohn André arbeitet.

Hier geht es zur Infostrecke: 24 Fakten zu "Rock am Ring"

(RP)