Rock am Ring: Interview mit Marek Lieberberg

Interview mit Marek Lieberberg: "In Gladbach gibt es eine unglaubliche Unterstützung"

Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg erklärt, warum ihm die Entscheidung, ob "Rock am Ring" in Mönchengladbach oder Mendig sein wird, so schwer fällt. Er sagt, was noch geregelt werden muss, was er der Stadt anbietet und wie es jetzt weitergeht.

Herr Lieberberg, am Mittwoch tauchten im Internet Meldungen auf, "Rock am Ring" gehe nach Mendig. Stimmt das?

Marek Lieberberg Nein, und deswegen haben wir das auch sofort dementiert. Die Wahrheit ist: Es ist nichts entschieden. Und es ist eine sehr schwere Entscheidung, die jetzt bald gefällt werden muss. Ich bin nach wie vor hin- und hergerissen zwischen den beiden Optionen Mönchengladbach und Mendig.

Was macht die Entscheidung für Sie so schwer?

Lieberberg Beide Standorte haben Vor- und Nachteile, die wir abwägen müssen. In Mönchengladbach gibt es derzeit noch viele offene Fragen, aber unglaubliche Unterstützung, und das von allen Seiten. Mendig steht parat. Aber es ist natürlich verglichen mit Mönchengladbach eine sehr kleine Gemeinde in einer strukturschwachen Region. Eines ist mir wichtig klarzustellen: Bei dieser Entscheidung stehen finanzielle Fragen überhaupt nicht im Vordergrund. Es geht nicht darum, wer mehr bietet. Ich möchte dieses Festival weiterführen und scheue mich nicht davor, Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Als ich mir im Hockeypark das Gladbach T-Shirt übergezogen habe, war ich der festen Überzeugung, wir bekommen das gemeinsam hin. Dann sind Dinge passiert, die weder wir noch die Stadt Mönchengladbach zu verantworten haben.

Sie meinen die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben?

Lieberberg Was ich da erlebt habe, ist unglaublich, und zwar auf höchster Ebene. Wir haben zusammengesessen, alle Fragen erörtert. Dann fährt mein Anwalt nach Münster, um den Vertrag abzuschließen, und plötzlich heißt es: Wir sind noch gar nicht so weit. Am Ende wird ein Letter of Intent unterzeichnet und etwa eine Woche später zurückgezogen. Das alles ist vollkommen unfassbar. Ich habe mich bisher in der Öffentlichkeit sehr zurückgehalten in dieser Frage. Aber jetzt ist es an der Zeit, Ross und Reiter zu nennen. Die Bima hat eine komplette Rolle rückwärts gemacht, und zwar ohne, dass sich an den Grundlagen irgendetwas geändert hätte. Dass wir jetzt leider wieder von vorne beginnen und über die grundsätzlichen Fragen diskutieren müssen, hat einzig und allein die Bima zu verantworten. Nicht wir und auch nicht die Stadt. Was Herr Schlegelmilch, was Herr Heinrichs, was Herr Reiners da geleistet haben, ist großartig.

Har dieser Einsatz noch Chancen, zum Erfolg zu führen?

Lieberberg Was ich auf gar keinen Fall will, ist, die Stadt Mönchengladbach unter Druck zu setzen. So wichtig ist unser Festival nun auch wieder nicht. Ich möchte nicht, dass die Stadt in der Kürze der Zeit Dinge tut, die sie später bereut. Darum biete ich an, dass wir den Zeitkorridor verlängern und im Spätsommer 2015 ein Festival im JHQ organisieren.

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Das wäre aber nicht das Festival "Rock am Ring", sondern eine kleinere Variante?

Lieberberg Rock am Ring wird wie angekündigt am ersten Juni-Wochenende stattfinden. Wir würden ein ganz neues Festival "Rock im JHQ" kreieren. Das mag zunächst nicht ganz die Dimensionen von "Rock am Ring" erreichen. Aber der Unterschied wäre nicht sehr groß.

Hat denn Mönchengladbach trotz dieses Angebots weiter reelle Chancen auf "Rock am Ring"?

Lieberberg Wie gesagt: Es ist nichts entschieden. Doch wie reell die Chancen sind, liegt nicht in unseren Händen. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nur konstatieren: Wir haben keinen Mietvertrag. Und weil wir den nicht haben, können wir auch die Verträge mit den Landwirten nicht abschließen, deren Flächen wir brauchen. Die wollen zu Recht von uns wissen, ob sie aussäen sollen oder nicht. Ich habe viel gelernt in den vergangenen Wochen, auch über die Beschaffenheit von Böden am Niederrhein. Ich werde langsam zum Experten für Agrarfragen. Solange wir keinen Mietvertrag haben, können wir auch nicht die anderen Anträge stellen, die vonnöten sind. Es wäre also noch ein ziemliches Themenpaket zu klären, und das leider unter immensem Zeitdruck.

Wie lange können Sie noch warten?

Lieberberg Wir haben unsere Entscheidung ja schon nach hinten verschoben, weil sie uns so schwer fällt. Der Druck, auch die Bands anzukündigen, wird immer größer. Wir müssen jetzt schnell entscheiden. Ich kann Ihnen versichern: Wir machen uns das nicht leicht. Gerade heute haben wir die ganze Situation mit allen Vor- und Nachteilen noch einmal gründlich analysiert. Während wir hier telefonieren, sitzt Micki Hilgers neben mir, der nach Frankfurt gekommen ist, um uns den aktuellen Stand aus Mönchengladbacher Sicht darzustellen. Wir überlegen uns sehr gut, bevor wir endgültig entscheiden. Noch wissen wir nicht, wie das ausgeht.

RALF JÜNGERMANN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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