Mönchengladbach - mit Video: Ritter belagern Schloss Rheydt

Mönchengladbach - mit Video : Ritter belagern Schloss Rheydt

So groß war das Ritterfest noch nie: 14 Mittelaltergruppen verwandelten am Wochenende die Wiese vor Schloss Rheydt in eine Zeltstadt mit Turnierarena, 87 Händler säumten die Schlosswege. Etwa 11.000 Besucher kamen.

Auf der Turnierwiese vor Schloss Rheydt gab es am Sonntag eine wahre Schlacht. Lanzen splitterten und zerbarsten, Pferde bäumten sich auf, Edelmänner in glänzenden Rüstungen gingen mit Schwertern aufeinander los. Hunderte Schaulustige hatten sich um den Kampfplatz geschart, Kinder starrten gebannt auf das Geschehen, Eltern hielten alles haargenau mit der Videokamera fest. Ein historisches Stück Mittelalter-Show war es, das sie da filmten: Zum ersten Mal hatte der Veranstalter des Ritterfestes, die Marketing Gesellschaft Mönchengladbach (MGMG), die Stunt-Reitgruppe Compania Ferrata engagiert und ein bildgewaltiges Ritterturnier austragen lassen.

Doch auch in den Innenhöfen und den Wallanlagen von Schloss Rheydt gab es für die Besucher viel Mittelalterliches zu sehen: Schmiede, Schuster, Kerzenzieher und Gewandschneider boten ihre Waren feil, Spielleute machten Musik, Gaukler spien Feuer. Eifrige Schankwirte gaben Met und Kirschbier aus, die Spanferkel drehten sich an den Spießen, für ein paar Silberlinge gab es rustikale Speisen.

"Wir haben diesmal 87 Aussteller und 14 Lager", sagte Organisator Elmar Eßer von der MGMG. Seit fünf Jahren richtet die MGMG das Mittelalterspektakel aus, "das jetzt ist das größte von allen", sagte Eßer. Im Laufe der Jahre habe es sich immer weiter entwickelt, jetzt habe die MGMG ihre anfängliche Zielsetzung endlich erreicht. Dass dieses Ritterfest "das größte von allen" ist, trifft jedoch wohl nicht auf die Besucherzahl zu: "Da haben wir in der Vergangenheit mit Sicherheit schon mehr gehabt", sagte Eßer.

Wer nicht im mittelalterlichen Gewand über die vom Regen aufgeweichten Schlosswege schlenderte, trug meist Windjacke, feste Schuhe und lange Hosen um sich vor Nässe zu schützen. Bei Sonnenschein wäre es sicher noch voller, vermutete Elmar Esser. "Aber ich denke, dass wir trotzdem 10.000 bis 11.000 Leute erreicht haben. Das war auch unsere Zielrichtung."

Das Ritterfest begann am Freitagabend mit einem Ritterturnier, Live-Musik von A la Via und Schabernack des Narrenkai. Am Samstag und Sonntag kamen Schwertkämpfe und historische Tanzeinlagen dazu, Tamino der Gaukler zeigte sein Können, im Kinderdorf öffnete das Puppentheater. Vor dem beleuchteten Herrenhaus nahmen die Gruppen A la Via, Fabula Aetatis und Corvus Corax ihr Publikum am Samstagabend mit auf eine musikalische Zeitreise. Die Gäste gingen danach Heim - die Akteure und Händler zogen sich in ihre Lager zurück.

Auch Hannelore Kanthak, ihr Mann Hans-Gerd und Bärbel Wellmann aus Xanten verbrachten die Nächte im Zelt. Sie verkauften selbst genähte Gewänder, "das ist für uns ein bezahltes Hobby", erzählte Hannelore Kanthak. An Mittelalterfesten gefällt ihr, "dass man in andere Rollen schlüpfen kann". Der Bettrather Mike Hoppenkamps ist ebenfalls Mittelalter-Fan. Seit wenigen Monaten spielt er Dudelsack, das Instrument hatte der 19-jährige Fest-Besucher dabei. "Mein Ziel ist, irgendwann auf der Bühne zu stehen", sagte er. Wahrsagerin Uleea machte ihm Mut: "Das klappt schon. In drei Jahren bist du richtig gut, wart?s mal ab", prophezeite sie.

(RP)