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Mönchengladbach: Rheydts Marktplatz wird zur Marke

Mönchengladbach : Rheydts Marktplatz wird zur Marke

Die Sanierung der Tiefgarage unter dem Rheydter Marktplatz soll sieben Millionen Euro kosten. Diese Summe ist nicht in der Investition von 23 Millionen Euro für das Innenstadtkonzept hinterlegt. Das heißt: Die Stadt muss finanzieren. Dies weckt Begehrlichkeiten. Für eine Bücherei?

Die Tiefgarage unter dem Rheydter Marktplatz ist derzeit oft Thema, wenn Ampel-Politiker über den Haushalt beraten. Aber nicht so, wie sich das viele Rheydter wünschen. Denn sie wissen: Das Innenstadtkonzept, rund 23 Millionen Euro teuer, steht und fällt mit der Neugestaltung des Rheydter Marktplatzes. Unter dem aber ist die Tiefgarage mit ihren rund 200 Stellplätzen. Ohne dass diese grundsaniert werden, ist das Konzept nur halbherzig. Dummerweise kostet diese Renovierung rund sieben Millionen Euro — und die sind im Gegensatz zur Gesamtinvestition, bei der das Land 80 Prozent übernimmt, von der Stadt alleine zu tragen.

Prof. Kunibert Wachten, Stadtplaner Jürgen Beckmann und Wettbewerbsjuror Prof. Dr. Franz Pesch mit dem Modell. Foto: Rick

Marktplatz: oberste Priorität

Seitdem diese Summe im Haushaltsentwurf des Kämmerers steht und gleichzeitig der Wunsch nach einer neuen Zentralbibliothek bei Grünen und FDP übermächtig wird, wird hin und her gerechnet. Tendenz: weg von der Tiefgarage, hin zur Bücherei. Gleichzeitig betonen Karl Sasserath, Süd-Bezirksvorsteher und grüner Fraktionschef und der Technische Beigeordnete Andreas Wurff, wie wichtig es ist, dass Mitte des Jahres der Umbau des Rheydter Marktplatzes beginnt und dies oberste Priorität hat.

Es wäre auch ein mittleres Erdbeben, wenn dieser in irgendeiner Form gefährdet wäre. Denn der Marktplatz gilt als Marke und steht für die zukünftige Entwicklung Rheydts. Als in Alt-Gladbach der Bau eines innerstädtischen Einkaufscenters — erst ECE, dann Mfi — geplant wurde, war der Aufschrei in Gladbachs Süden groß. Vor allem die Rheydter sahen ihre Felle davonschwimmen — der Leerstand, der zeitweise dramatische Formen annahm, schien eindeutiger Beleg für den Niedergang zu sein. Seitdem wird geplant, wobei Mönchengladbach Neuland auf städtischem Terrain betrat: Die Bürger wurden einbezogen, und das in einer Größenordnung, die bemerkenswert war. 15 Monate lang untersuchten Raumplaner des Dortmunder Büros Scheuvens und Wachten 2007 und 2008 Rheydt: Sie bezogen mitten auf dem Marktplatz ein Ladenlokal und luden die Bürger ein, Ideen mitzuteilen. Das machten Hunderte. Es gab Workshops und Beschlüsse: Die Pavillons verschwinden, der Marktplatz wird etwas größer, und sogar ein Gebäude war zwischen evangelischer Hauptkirche und Rathaus geplant. Das verschwand wieder. Politiker und Bürger fanden keinen Gefallen daran. Das Berliner Planungsbüro "Planorama" gewann den Wettbewerb zur Marktplatz-Gestaltung.

Und: Wer bezahlt?

Der eigentliche Knackpunkt: Wer sollte das alles bezahlen? Die Stadt? Undenkbar. Professor Kunibert Wachten sah große Chancen in einem Bund-Länderprogramm zur Stadterneuerung. Als Gladbach bei den Finanziers anklopfte, war die Tür schon zu. Jetzt kommt das Geld aus dem Programm "Soziale Stadt", das der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Schroeren als "Krücke" bezeichnet. Es funktioniert in etwa so: Es gibt nur Geld für Rheydt, wenn gleichzeitig eine ganze Reihe sozialer Projekte initiiert wird. Dieser Prozess ist derzeit in vollem Gange.

(RP)