Stadt hat sich verrechnet: Rheydter Stadtkasseportal - Aufstellung ist zu teuer

Stadt hat sich verrechnet : Rheydter Stadtkasseportal - Aufstellung ist zu teuer

Fast 300.000 Euro kostet es, das Stadtkassenportal wieder vor den Eingang des Rheydter Rathauses zu stellen. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass die Stadt das mehr als 100 Jahre alte Bauwerk einmottet. Jetzt werden Geldgeber gesucht.

Die Hoffnung hielt einige Wochen. Jetzt steht fest: Es ist ungewisser denn je, ob das mehr als 100 Jahre alte Stadtkassenportal jemals wieder in Rheydt stehen wird. Als die Gutachter am Dienstag ihr Ergebnis vorstellten, fiel den Stadtplanern die Kinnlade runter. Auf fast 300 000 Euro summieren sich die Kosten, wenn es am Eingang G der Stadtverwaltung aufgebaut würde. Nur alleine das Gründungsbauwerk, auf den das Portal gestellt wird, verschlingt fast 150 000 Euro.

Die Stadtsparkasse hat zwar 120 000 Euro zugesichert, aber die Lücke zu den Gesamtkosten ist riesig. "Wir sind bereit, ein für dieses Jahr in Rheydt vorgesehenes Projekt zu verschieben, damit der Kämmerer Spielraum hat. Aber dann muss sich die Verwaltungsspitze positionieren, ob sie da mitzieht", sagt Joachim Roeske für die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Süd.

Pikant am Ergebnis des Gutachters: Er ermittelte für den Aufbau des Portals offenbar andere Kosten als die Stadt. Denn als diese prüfte, ob das Bauwerk vor die Rheydter Geschäftsstelle der Sparkasse aufgestellt werden kann, ging sie noch von Kosten von rund 70 000 Euro aus — ohne Gründung. Dies würde bedeuten: Die Stadt hätte mit ihrer Kostenschätzung kräftig daneben gelegen und wird in Erklärungsnot kommen. Zumal ihr immer wieder unterstellt wird, dass sie den Wiederaufbau des Portals nicht will, weil es nach Meinung der Planer nicht in das Gesamtbild des neugestalteten Marktplatzes passt. Es störe die Sichtachse, hieß es.

Mit ihrer Einstellung lagen die städtischen Planer aber schon einmal falsch. Denn als nach dem Brunnen auch das Stadtkassenportal vom Platz verschwand und vermutlich auf Nimmerwiedersehen auf dem städtischen Bauhof eingemottet werden sollte, regte sich der Bürgerprotest. Der Rheydter Peter Hoeveler kämpfte nicht nur wortreich für das Bauwerk, er ließ auch Postkarten drucken, mit denen Bürger ihren Widerstand ausdrücken konnten. Und das geschah so oft, dass die Politiker noch einmal intensiv nachdachten und die Einmottungsaktion verhinderten. Seitdem läuft die Suche nach einem neuen Standort.

Zunächst sollte es vor die Stadtsparkasse selbst gestellt werden: Das Geldinstitut erinnerte sich daran, dass das Portal zu ihrer Geschichte gehört. Nach einem Ortstermin mit Vertretern des Vorstands und der Gremien der Sparkasse war dann klar: Weder vor der Sparkasse noch an der Fassade lässt sich das Portal aufstellen. Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) erklärte damals, im Haushalt sei für einen anderen Standort kein Geld vorgesehen. Die Politiker müssten dann sagen, wo gestrichen werden soll. Auf die Situation heute bezogen, heißt das: Man ist wieder am Anfang.

Die Finanzierung über einen Zuschuss der Stadtsparkasse funktioniert nur dann, wenn ein Verein für die Aufstellung des Portals verantwortlich zeichnet. Denn aus rechtlichen und steuerlichen Gründen muss er sich bereiterklären, dies zweckgebunden umzusetzen. Andernfalls wäre es auf eine verdeckte Gewinnausschüttung der Sparkasse herausgelaufen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Chronik der Bauarbeiten am Rheydter Markt

(RP)