Mönchengladbach: Rheydter läuft durch die Wüste

Mönchengladbach: Rheydter läuft durch die Wüste

Das Schlangenbiss-Set liegt bereits im Rucksack, der Flug ist gebucht: Der Rheydter Apotheker Oliver Dienst (41) startet Anfang April beim Marathon des Sables. Diese Veranstaltung ist nur für Extremsportler. In sieben Tagen laufen die Teilnehmer 250 Kilometer durch die Sahara.

250 Kilometer an sieben Tagen durch die Wüste Sahara: Über Dünen und Geröll. Bei bis zu 50 Grad in der prallen Sonne. Kleidung und Verpflegung in einem Rucksack auf dem Rücken. Das ist der Marathon des Sables, der bei Extremsportlern als einer der härtesten Läufe der Welt gilt.

Der Rheydter Oliver Dienst (41) stellt sich Anfang April dieser Herausforderung. Er ist einer von 34 Deutschen unter den knapp 900 Ausdauersportlern, die an den Start gehen. "Das ist körperlich das Härteste, was ich bisher je in meinem Leben gemacht habe", sagt der Apotheker, der sich in den vergangenen Monaten gewissenhaft auf diesen besonderen Marathon vorbereitet hat. Die klassische Distanz von 42,195 Kilometer ist er im Übrigen das erste Mal 2005 gelaufen – als Mitglied im RP-Marathonteam.

Damals kam Dienst in Düsseldorf nach 4:30 Stunden ins Ziel, das für ihn der Anfang in eine neue Karriere als Sportler war. Der Marathon war schnell nur noch eine Episode, ein Teil seiner Trainingsvorbereitung als Triathlet. Die Krönung im Ausdauersport musste es sein, und dann die mit der extremsten Belastung: Der Ironman mit 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer auf dem Rad und abschließend einem Marathonlauf. Zweimal hat sich der 41-Jährige bislang auf diese Mammutdistanz gewagt. Dann reizte eine neue sportliche Herausforderung. "Und da habe ich vom Marathon des Sables gelesen und war sogleich fasziniert", sagt er. Es ist eine Extrem-Tour – für Körper und Geist.

Nicht nur Energieriegel

Die Auftaktetappe nach einer strapaziösen Anreise ist für die Teilnehmer aus 40 Ländern lediglich ein Aufwärmprogramm mit 25 Kilometern. Dann folgen zweimal 35 Kilometer, eine Zweitage-Tour von fast 90 Kilometern, dann die Marathondistanz und zum Schluss – so quasi zum Auslaufen – verhältnismäßig mickrige 20 Kilometer. Wenn Dienst diese letzte Etappe erreicht, hat sich sein Marschgepäck, das er täglich im Rucksack mitschleppt, von knapp 13 Kilo auf ein Minimum verringert, weil die Nahrungsportionen verzehrt sind.

Nur Wasser für unterwegs stellt der Veranstalter, alles andere müssen die Extremsportler selbst dabei haben: Das Equipment reicht vom Schlangenbiss-Set bis zur Not-Leuchtrakete. Diensts Schlafsack – in der Wüste nähert sich die Temperatur nachts der Null-Grad-Marke – wiegt nur 790 Gramm. Damit die Teilnehmer gestärkt in die einzelnen Etappen gehen, müssen sie dem Veranstalter Nahrungsportionen nachweisen, die mindestens 2000 Kalorien haben. Allein mit den bei Ausdauersportlern beliebten Energieriegeln kommt Dienst da nicht weit: "Ich koche mir in einem Spezialtopf Pasta Bolognese und einen besonderen Reistopf."

Ehefrau Steffi und die Kinder Carla und Paul tragen die sportlichen Ambitionen ihres Vaters mit, der sich mit einem knochenharten Trainingsprogramm mit bis zu 20 Stunden in der Woche auf die Wüstentour vorbereitet hat. Auf dem Rheydter Müllberg übte er den Dünen-Lauf, der Schnee simulierte den Sand. Nach dem Marathon des Sables beginnt gleich die Vorbereitung auf das nächste Extrem: das Race across America – 4800 Kilometer durch die USA. Allerdings auf dem Rad und als Vier-Mann-Team. Und so nebenbei gibt's auch noch zwei Ironman-Wettbewerbe in Frankfurt und Florida.

(RP)