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Rheydter Filiale: Mönchengladbach will das Karstadt-Aus abwenden

Rheydter Filiale : Mönchengladbach will das Karstadt-Aus abwenden

Trotz der am Dienstag vom Karstadt-Aufsichtsrat beschlossenen Schließung könnte die Rheydter Filiale in veränderter Form fortbestehen. Die EWMG verhandelt darüber, das Haus zu kaufen und reduzierte Flächen an den Konzern zu vermieten.

Dass die Entscheidung zur Schließung der Rheydter Karstadt-Filiale früher oder später fallen würde, war ein offenes Geheimnis: Das Haus war in den letzten Jahren auf sämtlichen "roten Listen" mit gefährdeten Standorten ganz oben aufgeführt. Dienstagmittag war es nun so weit: Der Aufsichtsrat in Essen nannte unter den fünf bis spätestens Ende Juni 2016 zu schließenden Filialen auch die in Rheydt.

Das Unternehmen begründete die Schließungen unter anderem mit einer seit Jahren negativen Umsatz- und Ergebnisentwicklung der Standorte. "Mit großem Bedauern" nahm die Stadt die Mitteilung zur Kenntnis - aber nicht mit Überraschung.

Denn sie hat bereits eine Alternative im Blick - und ihre Hausaufgaben dafür offenbar gemacht. Über ihre Tochter EWMG (Entwicklungsgesellschaft) seien in den letzten Wochen bereits intensive Gespräche mit der Karstadt-Führung über eine Fortführung des Geschäfts auf reduzierter Fläche geführt worden, hieß es - "da die Probleme in jüngster Vergangenheit erkennbar wurden".

"Das von uns gemeinsam mit der Karstadt-Führung angedachte Alternativszenario könnte so aussehen, dass die EWMG die Immobilie vom derzeitigen Eigentümer erwirbt und mit Karstadt einen Mietvertrag über eine reduzierte Fläche abschließt", sagt EWMG-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schückhaus. "Wirtschaftlich wird dies aber nur tragfähig sein, wenn es gelingt, auch für das Untergeschoss entsprechende Mieter zu bekommen, die für die notwendige Frequenz am Standort sorgen. Hier laufen bereits seit einiger Zeit Gespräche mit potenziellen Mietern", so Schückhaus.

Bislang habe man einen Discounter als Ankermieter für das Untergeschoss finden können - sowie Interessenten für kleinere Flächen. "Es muss aber noch ein Nutzer für die zweite Großfläche von rund 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche zuzüglich Nebenflächen gefunden werden", sagt Schückhaus. Die Gespräche mit den potenziellen Verhandlungsparteien sollten innerhalb der nächsten drei Monate beendet sein: "Dann dürfte Klarheit darüber herrschen, ob sich dieses Szenario realisieren lässt." Die "sehr konstruktiven Gespräche" mit Karstadt ließen aber durchaus Hoffnung zu. Noch stünden alle Überlegungen jedoch unter Gremienvorbehalt, es müssen also noch die notwendigen politischen Grundsatzbeschlüsse gefasst werden.

Die dürften jedoch Formsache sein. Die Ratsmehrheit aus CDU und SPD äußerte sich gestern optimistisch, was den Stand der Verhandlungen angeht. "Unsere Verhandlungsposition ist optimal. Das ist bei allen Gesprächen sehr deutlich geworden", sagte CDU-Fraktionschef Dr. Hans Peter Schlegelmilch. "Diese Mönchengladbacher Lösung würde relative Sicherheit schaffen, schädlichen Leerstand verhindern und Arbeitsplätze erhalten", fügte sein SPD-Pendant Felix Heinrichs hinzu. "Wir werden den Aufbruch in Rheydt jetzt mit aller Energie weiter tragen", sagte die bau- und planungspolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion, Annette Bonin. Bezirksvorsteherin Barbara Gersmann (SPD) warnte, dass das finale Aus von Karstadt "ein herber Rückschlag für diese positive Aufbruchsstimmung" wäre.

"Karstadt zählt zu den Frequenzbringern in der Rheydter City. Dort haben wir in den vergangenen Jahren mit EU-, Bundes- und Landesmitteln mehr als 24 Millionen Euro für städtebauliche Maßnahmen investiert, nicht zuletzt auch in den komplett umgebauten Marktplatz", sagte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. "Probleme bei Karstadt können demnach in ihrer Ursache nicht im Standort begründet sein, der durch die Umsetzung des Innenstadtkonzeptes und das Projekt 'Soziale Stadt Rheydt' spürbar aufgewertet wurde."

Bereits 2004, 2006, 2008 und dann mehrfach seit 2009 war über eine Schließung spekuliert worden, die nun für 30. Juni 2016 angekündigt wurde. Laut Handelsblatt werden davon 97 Mitarbeiter betroffen sein. Zuletzt war die Filiale noch für viel Geld saniert und konzeptionell umstrukturiert worden, zudem hieß es immer, sie schreibe schwarze Zahlen. Doch nun nannte Karstadt als einen Grund für die bevorstehenden Schließungen in Rheydt, Recklinghausen, Bottrop, Dessau und Neumünster den "Wettbewerbsdruck durch teils innerstädtische Einkaufscenter", im Fall Mönchengladbach also das Minto.

Dr. Christoph Hartleb, Vorsitzender des Rheydter City-Managements, hofft, dass der von der EWMG genannte Discounter kein Billiganbieter für Kleidung ist. "Das fände ich auf dem Marktplatz nicht besonders gut", sagte er. Einen Lebensmitteldiscounter kann er sich aber gut vorstellen. "In der Innenstadt haben wir ja bisher nur Rewe auf der Marktstraße."

Ende 2010 hatte der Rat die Bemühungen des Karstadt-Insolvenzverwalters Berggruen zur Sanierung des Konzerns unterstützt, indem auf die fiktiven Gewerbesteuereinnahmen auf den Sanierungsgewinn verzichtet wurde. Damit signalisierten Verwaltung und Politik ihr Interesse, den Standort Rheydt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten.

(RP)