Mönchengladbach: Reme-Gelände könnte Wohngebiet werden

Mönchengladbach : Reme-Gelände könnte Wohngebiet werden

Bezirksvorsteher Krichel-Mäurer und EWMG-Geschäftsführer Schückhaus halten eine gewerbliche Nutzung nicht mehr für zeitgemäß. Ein modernes Wohnquartier am S-Bahnhof könnte entstehen. Erst müssen aber noch Altlasten beseitigt werden.

Büttgen macht es vor, Düsseldorf-Derendorf erst recht: Wohnen an einem S-Bahn-Haltepunkt kann durchaus attraktiv sein. Nur in Gladbach wollte das bisher nicht so recht gelingen. Nun jedoch dringt eine Idee in den politischen Raum, die durchaus Charme hat: Das ehemalige Reme-Gelände unweit des S-Bahnhofs Lürrip soll zu einem Wohngebiet werden. "Die Stimmung in der Lürriper Bevölkerung läuft darauf hinaus, dass die bisherige Ausweisung als Gewerbegebiet nicht mehr zeitgemäß ist", sagt Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer, der selbst ein Verfechter der Idee ist.

Das neue Düsseldorfer Wohnviertel Le Flair (li.) liegt entlang einer Bahnstrecke und genau zwischen den S-Bahnhöfen Zoo und Derendorf. Foto: Detlef Ilgner

Auch Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft EWMG, die das seit 1992 brachliegende ehemalige Militärgelände verwaltet, kann sich dafür erwärmen: "Wenn man ehrlich ist, braucht man Gewerbe hier so sehr wie einen Knoten am Bein — Wohnbebauung wäre die deutlich sinnvollere Lösung." Allenfalls im Bereich der alten Panzerhalle und punktuell an wenigen weiteren Stellen des riesigen Areals sei citynahes Gewerbe in Form von Handwerk noch denkbar. Es sei allerdings Sache der Politik, die entsprechenden baurechtlichen Änderungen auf den Weg zu bringen.

Krichel-Mäurer hat bereits beim Planungsamt vorgefühlt: "Ich gehe davon aus, dass das Thema jetzt in Kürze angestoßen wird." Er zählt die Vorzüge des Geländes auf, dank derer es gelingen könnte, an der Bahnstrecke in einem "Wohnquartier am Gladbach" einen Einkommensmittelstand zu etablieren — wie in den Kleinstädten des Rhein-Kreises, die an der S-Bahn-Linie liegen. "Drei Kindergärten sind fußläufig erreichbar, die City Ost ist es, es gibt in der Nähe Grund- und weiterführende Schulen." Gelänge es, einen städtebaulichen Rahmenplan zu erstellen, in dem auch die Renaturierung des Bungtbachs und ein eventuelles Aufhübschen des an dieser Stelle überirdisch fließenden Gladbachs vorkämen, wäre ein Wohngebiet auf dem Reme-Gelände eine "runde Sache". Und: "Schallschutztechnisch ist hochwertiges Wohnen an einer S-Bahn-Strecke schon kein Problem mehr."

Bevor auf dem Areal irgendetwas passieren kann, muss es freilich von Altlasten befreit werden. Bei langwierigen Untersuchungen waren auf dem ehemaligen Gelände der britischen Rheinarmee Gefährdungspotenziale für Boden und Grundwasser durch chlorierte Kohlenwasserstoffe festgestellt worden. Mit 1,347 Millionen Euro wird die Bezirksregierung die Sanierung von Erdboden und Grundwasser fördern — in den Jahren 2014 bis 2017. EWMG-Geschäftsführer Schückhaus ist sich jedoch sicher, dass das auch schneller geht. "Die Stellen sind bekannt. Für die Sanierung braucht man doch keine drei Jahre."

Hermann-Josef Krichel-Mäurer ist sich sicher, dass ein Wohngebiet an der S-Bahn, "das nicht nur aus Einfamilienhäusern bestehen müsste", dazu beitragen könnte, eine ganz neue Klientel nach Gladbach (zurück) zu holen: diejenige nämlich, die mit der S-Bahn nach Neuss oder Düsseldorf pendelt - und gerne attraktiv und direkt an einem S-Bahnhof wohnt.

(RP)
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