Mönchengladbach: Rekord: Acht wollen Gladbachs Stimmen

Mönchengladbach: Rekord: Acht wollen Gladbachs Stimmen

So viele Mönchengladbacher Direktkandidaten für die Bundestagswahl wie dieses Mal gab es noch nie. Das liegt an einem Spaßmacher und einem 72-jährigen Newcomer. Echte Spannung dürfte dennoch nicht aufkommen. Es gibt einen klaren Favoriten.

Mönchengladbach soll Stadtstaat werden und als kleinstes Bundesland der Republik Geld aus dem Länderfinanzausgleich bekommen. Aus Mönchengladbach wird Bad Mönchengladbach. Die S 8 geht als "Super 8" von Gladbach bis Warschau. Im Ernst? Natürlich nicht. Denn das Mönchengladbacher Wahlprogramm von "Die Partei" ist eine Mischung aus post-pubertierendem Politgebrabbel und gekonnter Satire. Wählen kann man die Spaßpartei trotzdem. Mit Ephraim Becks haben sie sogar einen eigenen Kandidaten für den Mönchengladbacher Wahlkreis. Der Kreiswahlausschuss hat ihn in seiner Sitzung am Mittwoch zur Wahl zugelassen, weil er allen nötigen formalen Kriterien genügt. Wie ernst jemand Demokratie nimmt, hat ein Wahlausschuss nicht zu bewerten.

Und noch eine Partei stellt sich den Gladbachern zum ersten Mal vor: Die Alternative für Deutschland (AfD) hat den 72-jährigen Korschenbroicher Rentner Dr. Hermann Behrendt aufgestellt. Der promovierte Jurist schrieb ein Buch mit dem Titel "Die mandative Demokratie: Eine Realutopie". Bleiben sechs weitere Parteien. Die standen schon bei der letzten Bundestagswahl 2009 mit eigenen Direktkandidaten auf dem Wahlzettel — und fünf der sechs Kandidaten sind dieselben.

Die SPD probiert nun nach Hildegard Wester (2002 und 2005) und Hermann-Josef Krichel-Mäurer (2009) den dritten Aspiranten aus, um den CDU-Kandidaten Dr. Günter Krings (44) zu schlagen. Dass Gülistan Yüksel, Vorsitzende des Integrationsrats, mehr Erststimmen als Krings bekommt, werden auch glühendste Verfechter der Sozialdemokratie nicht ernstlich erwarten. Krings gewann 2005 mit neun Prozent und vor vier Jahren mit fast 18 Prozentpunkten Vorsprung. Er ist als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion seit NRW-Ministerpräsident Franz Meyers der Mönchengladbacher Politiker mit dem meisten Einfluss in Land und Bund. In Berlin glauben nicht nur Parteifreunde, sondern auch Mitglieder anderer Fraktionen, dass Krings noch weitere Karriereschritte machen wird.

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Gülistan Yüksel (51) hat sich mit ihren Verdiensten um die Integration zwar großen Respekt erworben und wurde dafür auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Doch Yüksel, die Vorsitzende des Integrationsrats und Ratsmitglied ist, ist selbst für Parteikollegen politisch ein eher unbeschriebenes Blatt. Dass sie deutlich mehr Stimmen holt als die Bundespartei an Zweitstimmen, ist nicht zu erwarten.

Der Rest der etablierten Parteien tritt mit bekanntem Personal an. Hans Joachim Stockschläger (54) hatte seit den 80er Jahren schon verschiedene Ämter in der FDP-Kommunalpolitik. Seit 1993 ist er Geschäftsführer der FDP-Ratsfraktion und des Kreisverbands. Zudem arbeitet er als Dozent in der Erwachsenenbildung. Eines seiner Themen dabei ist der Kampf gegen Rechtsextremismus. Der Gymnasiallehrer und Fachbuchautor Dr. Gerd Brenner (64) ist erneut der Kandidat der Grünen. Ihm hatte einst seine Hebamme prophezeit, er werde Politiker — weil er zehn Minuten vor Schließung der Wahllokale bei der allerersten Bundestagswahl zur Welt kam. Brenner war einer der treibenden Kräfte des Bürgerentscheids gegen die großen Mülltonnen. Bernhard Clasen (55), Übersetzer und Dolmetscher für Russisch, hat von der Schüler-Union der CSU über die Grünen bis inzwischen zur Linken einen politisch denkbar weiten Weg zurückgelegt. Seine Schwerpunkte sind Friedenspolitik und der Kampf für die Menschenrechte. Ratsherr Manfred Frentzen tritt erneut für die NPD an.

Die Frequenz der Wahlplakate nimmt zu. Nach dem Frühstart von FDP und Grünen legen CDU und SPD nun nach. Die Wahlbenachrichtigungen werden erst Ende August verschickt. Briefwahlunterlagen kann man allerdings schon jetzt beantragen, nämlich beim Fachbereich Bürgerservice, Bereich Wahlen, Fax 02161/25-8152, Zimmer 155, Rathaus Rheydt beantragt werden. Versandt werden die Unterlagen aber erst Ende August. 1250 Wahlhelfer sind gefunden, 250 weitere noch vonnöten. Interessenten können sich unter wahlen@moenchengladbach.de melden.

(RP)
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