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Interview: Porträt Markus Heinrich (tenor): Reifer Rollenwechsel in "My Fair Lady"

Interview: Porträt Markus Heinrich (tenor) : Reifer Rollenwechsel in "My Fair Lady"

In seiner 20. Spielzeit singt der Tenor Markus Heinrich am Gemeinschaftstheater. Nach 16 Jahren ist er zum zweiten Mal in dem Musical "My Fair Lady" besetzt. Der RP-Oscar-Preisträger 2014 spielte 1998 den jungen Freddy, nun den Professor Higgins.

Es ist jetzt 19 Jahre her, dass Markus Heinrich zum ersten Mal auf den Bühnen des Theaters Krefeld und Mönchengladbach sang. Dabei war und ist dem Spieltenor mit viel Buffo-Talent immer die mimische Darstellung, das Rollenspiel sehr wichtig. Seit 1995/96 ist er hier im Engagement, in allen Sparten des Musiktheaters: Oper, Operette, Musical. Wobei, wie der 47-jährige, in Warstein geborene Musiker gesteht, die Operette sein Favoritenfach ist. Zuletzt haben ihn die Theaterbesucher als Gustl im "Land des Lächelns" erlebt: charmant, smart und geschmeidig. In vielen Rollen erscheint Markus Heinrich auf unnachahmliche Art humorgeladen, wobei dies nie aufgesetzt wirkt.

Markus Heinrich (hier mit Gabriela Kuhn) in zwei Szenen der Inszenierung "My Fair Lady", wo er den Phonetik-Professor Henry Higgins singt und spielt. 1998/99 war er noch als junger Freddy in dem Musical besetzt. Foto: Matthias Stutte

Markus Heinrich weiß um seine Stärken auf der Bühne, von wo aus er viele Fans im Publikum ausmachen kann. "Das komische Fach liegt mir eben", sagt er lakonisch. Gern erinnert Heinrich sich an sein Bühnendebüt als Pedrillo in Mozarts "Entführung", damals noch in der Intendanz Wolfgang Groppers. Das war 1995 in Mönchengladbach.

Markus Heinrich (hier mit Gabriela Kuhn) in zwei Szenen der Inszenierung "My Fair Lady", wo er den Phonetik-Professor Henry Higgins singt und spielt. 1998/99 war er noch als junger Freddy in dem Musical besetzt. Foto: Matthias Stutte

Zum Singen fand der junge Markus, der zunächst das Geigenspiel erlernt hatte, mit 16 Jahren, als er mit seinem Vater ein Schulkonzert mit Rossinis "Stabat Mater" in einer Kirche besuchte. "Im Chor sangen meine Klassenkameraden, und ich war nicht dabei. Das wurmte mich und so entstand bei mir der Wunsch, auch zu singen", erinnert sich Heinrich. Er nahm privat Gesangsunterricht bei der Frau seines Musiklehrers, Anita Richartz-Freitag, gewann 1988, mit 21, den Förderpreis des Verbandes Deutscher Musikerzieher. Und dann ging es zum Studium an der Musikhochschule Frankfurt.

In den 19 zurückliegenden Spielzeiten am Gemeinschaftstheater hat der Tenor "etwa 120 Rollen" in knapp 80 Produktionen gezählt, in denen er besetzt war. "Die hohe Zahl erklärt sich daraus, dass ich in manchen Produktionen mehrere Rollen zu spielen hatte", erklärt der Familienvater (eine Tochter). In "Candide" etwa hatte er neun Rollen, in der aktuellen Studio-Inszenierung "I Love You" sogar 13. Besonders viel habe ihm neben dem Pedrillo und dem Toni (in "West Side Story") der Einsatz bei "The Comedian Harmonists" und "My Fair Lady" gegeben. Bei dem Musical nach Shaws "Pygmalion" hat Heinrich sogar eine altersbedingte Entwicklung vollzogen. "In einer Inszenierung in den 1990er-Jahren - der Regisseur hieß Peter Hathazy - war ich der junge Freddy, der sich in Eliza verliebt." In der jetzt laufenden Neuinszenierung von Roland Hüve dagegen spielt der Künstler den skurrilen Phonetikprofessor Higgins, der durch Sprechausbildung das Blumenmädchen in eine feine Dame der Gesellschaft verwandeln möchte. Was schief geht.

Dass die Zuschauer herzhaft über diesen verquast-spleenigen Professor lachen können, ist vor allem das Verdienst des Sängers. "Ich freue mich, dass mir diese Aufgabe übertragen wurde", sagt Heinrich, "denn es ist keineswegs selbstverständlich, dass ein Opernsänger diese Rolle bekommt. Oft machen das Schauspieler." Kein Zufall also, dass die Theaterbesucher und RP-Leser in der zurückliegenden Spielzeit dem Tenor einen Theater-Oscar zuerkannten. Die spezifische Singweise im Musical hat sich Heinrich im Lauf der Zeit angeeignet. "Am meisten bei mir selbst" aber sei er in der Operette, gesteht er. Seine Glanzrolle in diesem Genre ist der Baron Zsupan in "Gräfin Mariza". "Diese Rolle hat mir unglaublich Spaß gemacht", sagt Heinrich.

"My Fair Lady" ist gerade wieder in den Mönchengladbacher Spielplan zurückgekehrt. Die nächsten Vorstellungen im Stadttheater sind morgen, 28. September, 4. und 19. Oktober. Es gibt noch Karten.

(RP)