Mönchengladbacher Ehrenamtler stinksauer Unbekannte stehlen Rettungsbox samt Rehkitz

Mönchengladbach · Um das Jungtier zu sichern, während das Feld gemäht wird, verstauten die Rehkitzretter es in einer Box. Doch die wurde entwendet – wahrscheinlich mit dem Tier, das deshalb kaum Überlebenschancen hat.

 Eine solche Box – hier bei einer Rettung im Vorjahr – wurde den Ehrenamtlern entwendet. (Archivfoto)

Eine solche Box – hier bei einer Rettung im Vorjahr – wurde den Ehrenamtlern entwendet. (Archivfoto)

Foto: Rehkitzrettung MG

Das Team der Mönchengladbacher Rehkitzrettung ist stinksauer. Und enttäuscht. Denn vergangenen Freitag, 7. Juni, haben Unbekannte eine Rettungsbox für Kitze gestohlen – samt Sicherungsgurte und Tier. „Wir alle sind sprachlos. Dass ab und an Kisten geöffnet werden, ist die eine Sache. Aber das ist eine ganz andere Nummer“, sagt Walter Coenen, Obmann Rehkitzrettung bei der Kreisjägerschaft Mönchengladbach. „Was geht in den Köpfen mancher Menschen vor?“, fragt Coenen, der sich sicher ist, dass jemand die Kiste mitgenommen haben muss. Denn er habe noch eine gute Stunde das Gebiet abgesucht, aber weder das Kitz noch das Material finden können.

Der Sachschaden ist dabei das eine. Immerhin fehlen die Kisten und die Gurte nun bei den Rettungseinsätzen der kommenden Wochen. Schlimmer ist jedoch, dass das Kitz wahrscheinlich dehydriert und deshalb gestorben ist, wenn es keine Muttermilch bekommen hat.

Der Vorfall ereignete sich am Freitag zwischen 7 und 9.15 Uhr auf der Straße Saarhof (Odenkirchen West). Im sozialen Netzwerk Facebook hat die Rehkitzrettung MG den Diebstahl öffentlich gemacht. Dort bittet sie auch um Zeugenhinweise. Vielleicht habe jemand einen Menschen gesehen, der die giftgrünen Boxen mit gekreuzten leuchtend-orangen Sicherungsgurten weggetragen oder entfernt hat. Eventuell sei in der Zeit auch ein Tierarzt oder eine Tierklinik befragt worden, was mit einem gefundenen Kitz gemacht werden sollte. „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht“, betont die Rehkitzrettung in ihrem Beitrag.

Fotos von Einsätzen der Rehkitzrettung Mönchengladbach - Rehkitze vor Mähtod bewahrt
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Unterwegs mit Mönchengladbachs Rehkitzrettern

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Foto: Rehkitzrettung MG

So arbeitet die Rehkitzrettung Mönchengladbach

Die etwa 50 ehrenamtlichen Helfer sind seit April im Einsatz. Sie suchen in Absprache mit Landwirten und Revierpächtern Felder ab, bevor diese gemäht werden. Unter Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkamera können Rehkitze und anderes Niederwild (zum Beispiel junge Hasen) sowie Gelege (etwa von Fasanen) ausfindig gemacht und dann gesichert werden. Nötig ist das, damit die Tiere nicht dem Mähwerk zum Opfer fallen.

Obmann Coenen erklärt, dass es verschiedene Möglichkeiten zur Sicherung gibt. Sehr junge Kitze, die ohnehin noch nicht sonderlich mobil sind, können zum Beispiel in ein Nachbarfeld (sollte eines vorhanden sein) gelegt werden. Da findet die Ricke – also das Muttertier– das Junge auch. Tiere, die schon besser auf den Beinen sind, werden aber für wenige Stunden – bis die Fläche gemäht ist – in Boxen gesichert. Zu groß ist die Gefahr, dass sie einfach wieder in das Feld laufen. Die Landwirte werden in solchen Fällen auch informiert, damit sie vorsichtig fahren (weil die Ricke eventuell auf der Suche ist), und weil eine Box an einem sicheren Ort platziert ist. Meist ebenfalls in einem Feld.

Und dennoch passiert es laut Coenen regelmäßig, dass die Boxen geöffnet werden – aus Neugierde oder Unwissenheit, wie er vermutet. „Das ist ein Problem, dass alle Rehkitzrettungen haben“, sagt er. Eine Lösung – mit Ausnahme von weiterer Aufklärungsarbeit – habe er nicht. Aus der Erfahrung anderer wisse er, dass Schilder an den Boxen die Neugierde von Passanten sogar noch steigern.

Rehkitzrettung für Coenen quasi ein „Fulltime-Job“

Die Mönchengladbacher Rehkitzrettung ist noch bis Ende Juli im Einsatz, schätzt Teamleiter Coenen. Für eine Kontrolle sind bisher 1100 Hektar Fläche, aufgeteilt auf 604 Felder, angemeldet worden. Knapp die Hälfte haben die Ehrenamtler schon abgearbeitet. Wegen des Wetters mussten manche Felder aber doppelt kontrolliert werden. Das passiert zum Beispiel dann, wenn nachträglich starker Regen eingesetzt und der Landwirt sich deshalb gegen eine Mahd entschieden hat.

Die Rehkitzretter haben bis zu vier Drohnen im Einsatz. Ein Team, das gemeinsam die Flächen kontrolliert, besteht aus sechs Personen. Zwei bis vier Teams rücken gleichzeitig aus – je nach Bedarf. Walter Coenen koordiniert die Termine mit den Landwirten und macht die Routenplanung für die Teams. Mehrere Stunden täglich dauert das, sagt er: „Theoretisch ist das ein Fulltime-Job.“ In der Praxis sind er, der in der Regel eine Drohne fliegt, und seine Mitstreiter aber morgens als Rehkitzretter aktiv, und dann geht es in das normale Berufsleben. Die Ehrenamtler, die ab 4.30 Uhr im Feld sind, haben also schon viele lange Tage hinter und noch viele weitere vor sich. Alles zum Schutz der Tiere.

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