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Mönchengladbach: Regiolekt macht Platt platt

Mönchengladbach : Regiolekt macht Platt platt

„Jott“ oder „Gott“, „et“ oder „es“ – wieviel Dialekt sprechen die Jugendlichen in Rheydt? Dieser Frage ging Dr. Georg Cornelissen gemeinsam mit den Oberstufenschülern des Gymnasiums an der Gartenstraße nach.

Mundartfreunde sehen es wahrscheinlich genau so: „Rheydter Deutsch und Mönchengladbacher Platt sterben aus“, sagt Dr. Georg Cornelissen. Warum das so ist, wollte der Leiter der Sprachabteilung im Amt für Rheinische Landeskunde in Bonn bei einem Workshop von den Elft- und Zwölftklässlern des Gymnasiums an der Gartenstraße erfahren. Mit ihnen traf er sich in der schuleigenen Aula unter dem Motto „Wie spricht der Niederrhein? – Zwischen Platt und (schlechtem) Deutsch“.

„Wie spricht der Niederrhein?“

Nicole Derwahl (17) ist anscheinend eine Ausnahme. Sie spricht nämlich ab und zu noch Platt, „mit meiner Mutter oder meiner Oma“, erzählte sie während des Workshops. „Aber nicht mit meinen Freundinnen“, betonte sie. Kein Wunder, denn „das klingt einfach furchtbar“, beantwortete eine Mitschülerin Dr. Cornelissens Frage danach, warum fast keiner der rund 120 anwesenden Gymnasiasten Platt spricht. Ein Drittel der Oberstufenschüler stimmte ihr per Handzeichen zu. Zu Beginn des Workshops machte der Leiter der Sprachabteilung ein Dialekt-Quiz mit der Gruppe. „Wer weiß, was eine Schuffel ist?“, wollte er unter anderem wissen. Nur ein Schüler kannte das Wort, das ein Gartengerät zum Unkraut Ausmachen bezeichnet. Eine Platt-Tonbandaufnahme aus dem Jahr 1977 verstanden nur wenige Gymnasiasten, und das brachte Dr. Cornelissen zu der Frage: „Warum haben Sie denn nie Platt gelernt?“. „Weil es einem nichts bringt“, antwortete ein Schüler, den ein Freund bestärkte: „Da stimme ich voll und ganz zu“.

Die Chancen für eine blühende Platt-Zukunft stehen also schlecht. Das heißt aber nicht, dass sich die Rheydter Jugendlichen nur auf Hochdeutsch unterhalten. Sondern im Regiolekt, sagte der Experte. „Regiolekt ist Platt, dass man versteht“, erklärte er. Zum Beispiel „guck mal da“ statt der hochdeutschen Variante „schau mal dort“. Oder „dat“ und „wat“ an Stelle von „das“ und „was“.

Doch auch der Regiolekt könne bald aussterben, sagte Dr. Cornelissen. Weil immer mehr Menschen Hochdeutsch sprächen. Der Grund: „Wir neigen dazu, Menschen anhand ihrer Sprache zu bewerten“. Und je gewählter die Sprache, desto positiver könnte die Bewertung des Gegenüber ausfallen.

„Das Ziel des Workshops ist, dass die Jugendlichen darüber nachdenken, wie sie Sprache bewerten und wie sie selbst sprechen“, sagte Cornelissen in einer Pause.

Außerdem sind die Schüler für den Wissenschaftler Forschungsobjekte. „Ich möchte erfahren, welches Sprachbild sie haben“, sagte er. Darum ließ er die Gymnasiasten Fragebögen ausfüllen, um ihre Gewohnheiten zu erkunden. Sagen sie „Jummi“ oder „Gummi“? „Haste“ oder „bissken“?. Die Ergebnisse würden in sein nächstes Buch einfließen, kündigte Cornelissen an.

(RP)