Redaktionsgespräch mit Katrin Hoppen: Der Frauentag müsste Familientag heißen

Redaktionsgespräch mit Katrin Hoppen : Der Frauentag müsste Familientag heißen

Unternehmerin Katrin Hoppen spricht über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie familienfreundliche Arbeitszeitmodelle für Männer und Frauen. Und sie erklärt, warum solche Angebote auch ökonomisch sinnvoll sind.

Noch immer verdienen Frauen viel weniger als gleich qualifizierte Männer. Auch bei der Altersversorgung sind sie schlechter gestellt. Der Grund liegt oft in einem Bruch der Erwerbsbiografie: Wenn Frauen Kinder bekomme, pausieren sie während der Familienphase. Steigen sie anschließend wieder in den Beruf ein, dann meist auf einer niedrigeren Stufe als männliche Kollegen. Frau Hoppen, am Mittwoch wird der 108. Internationale Frauentag gefeiert. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Katrin Hoppen Der Internationale Frauentag hat seine ursprüngliche Funktion verloren, und das ist gut so. In einem Jahrhundert wurde viel erreicht. Schließlich braucht heute keine Frau mehr die Unterschrift ihres Ehemanns unter ihren Arbeitsvertrag oder etwas Ähnliches. Nötig ist der Frauentag insofern, als es heute darum geht, Werte zu bewahren, sich bewusst zu machen, was geschaffen wurde. Ganz persönlich habe ich übrigens schöne Erinnerungen an den Frauentag. Er war in der DDR, wo ich aufgewachsen bin, Feiertag, und mein Vater hat meiner Mutter und uns beiden Schwestern immer Pralinen geschenkt. Trotzdem wäre ich heute dafür statt des Frauentages lieber einen Internationalen Familientag zu begehen.

Wieso das?

Hoppen Weil auch die Männer berücksichtigt werden müssen. Auch für sie sind familienfreundliche Arbeitszeitmodelle wichtig. Wenn die Männer nicht berücksichtigt werden, leiden auch die Frauen darunter.

Die Firma Hoppen Innenausbau ist ein Familienunternehmen mit 17 Mitarbeitern. Setzen Sie denn familienfreundliche Modelle um?

Hoppen Ja, wenn unsere Mitarbeiter aus familiären Gründen andere Arbeitszeiten brauchen, dann wird das besprochen und individuell umgesetzt. Einer unserer Mitarbeiter hat vier Kinder und hat seine Stundenzahl reduziert, damit auch seine Frau Teilzeit arbeiten kann. Ein anderer macht alle 14 Tage freitags früher Schluss und kommt montags später, damit er besser seinen Sohn betreuen kann, der mit der Mutter in eine weiter entfernte Stadt gezogen ist. Und ein dritter Mitarbeiter ist zum zweiten Mal Vater geworden und jetzt drei Jahre im Erziehungsurlaub.

Bei Ihren männlichen Mitarbeitern scheint das gut zu funktionieren. Wie sieht es bei den Frauen aus? Sie legen seit vielen Jahren einen Schwerpunkt darauf, Wiedereinsteigerinnen einzustellen. Warum?

Hoppen Das hat auch persönliche Gründe. Ich bin - wie gesagt - in der DDR aufgewachsen, und dort war die Kinderbetreuung kein Problem. Das hat sich auch in den neuen Bundesländern fortgesetzt. Als ich hierher kam, war das ein Kulturschock. Ich kam aus Warnemünde, hatte dort nach Ausbildung und Studium in der Geschäftsführung eines großen Hotels gearbeitet und bin hier, als das erste Kind kam, erst einmal zu Hause geblieben. Während dieser Zeit habe ich an der Handwerkskammer Düsseldorf den Abschluss zur Fachwirtin des Handwerks gemacht und bin dann in die Firma eingestiegen. Beim zweiten Kind war klar, dass auch ich etwas ändern musste, um Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen. Ich habe dann Frauen für Büro- und Buchhaltertätigkeiten gesucht. Frauen mit kleinen Kindern waren willkommen, sie konnten Teilzeit arbeiten und sollten sich gegenseitig ergänzen und vertreten können. Das hat wunderbar funktioniert. Ich habe sehr qualifizierte Mitarbeiterinnen bekommen, das Büro war immer besetzt, es gab praktisch keine Ausfälle.

Viele Arbeitgeber scheuen davor zurück, befürchten Ausfallzeiten, weil zum Beispiel die Kinder krank werden oder zu geringes Engagement. Können Sie das verstehen?

Hoppen Ich kann nachvollziehen, dass Unternehmer Probleme befürchten, aber so etwas kann man im Bewerbungsgespräch ja auch ansprechen. Beispielsweise die Frage der Betreuung: Gibt es jemanden, der auch mal einspringen und sich um das Kind kümmern kann? Das lässt sich im Vorfeld klären. Und meistens funktioniert es. Wir haben die Wiedereinsteigerinnen auch nicht eingestellt, um ein soziales Projekt zu initiieren. Wir hatten ein Problem, haben nach einer Win-Win-Lösung gesucht, und es hat geklappt. Und weil wir unseren Mitarbeitern - allen, nicht nur den Frauen - bei den Arbeitszeitmodellen entgegen kommen, ist das Betriebsklima gut und die Motivation hoch.

Sie waren im Netzwerk W aktiv, einem befristeten Programm für Wiedereinsteigerinnen. Welches Fazit ziehen Sie persönlich?

Hoppen In diesem Projekt ist es gelungen, arbeitsmarkt- und bildungspolitische Akteure unserer Stadt auf der einen Seite und Unternehmer auf der anderen Seite in einen konstruktiven Dialog zu bringen. Es gab Informationsveranstaltungen und einen Katalog mit konkreten Hilfsangeboten und Adressen für Wiedereinsteigerinnen. Außerdem gab es Informationsangebote für Unternehmer. Zur Abschlussveranstaltung, die im Haus Erholung stattfand und als Kontaktbörse angelegt war, trafen dreihundert Teilnehmerinnen auf 45 Firmen. Der Bedarf ist da. Ein erfolgreiches Projekt und eins, das nachhaltig zur Sensibilisierung beigetragen hat.

Haben große Unternehmen es leichter, Wiedereinsteigerinnen zu beschäftigen oder familienfreundliche Arbeitszeitmodelle umzusetzen?

Hoppen Das ist in kleinen Unternehmen genauso leicht, aber viele Unternehmer wissen es nicht, Flexibilität beginnt im Kopf.

Skandinavien ist uns bei diesen Themen weit voraus, die Unternehmen dort profitieren davon. Warum tut sich die Wirtschaft in Deutschland so schwer mit familienfreundlichen Modellen, obwohl es Untersuchungen gibt, die belegen, dass so etwas auch ökonomisch sinnvoll ist?

Hoppen Darüber wundere ich mich auch. Ich finde es logisch: Je besser die Teams gemischt sind mit Frauen und Männern, Jüngeren und Älteren, desto größer ist im Allgemeinen der Erfolg. Man profitiert voneinander und davon profitiert wiederum die Firma.

Haben Sie noch einen Rat an Frauen in der Familienphase?

Hoppen Sie sollten unbedingt dran bleiben. Je länger man aus dem Beruf raus ist, desto schwerer ist der Wiedereinstieg. Die Arbeitswelt verändert sich sehr rasch.

DENISA RICHTERS UND ANGELA RIETDORF FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

(RP)
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