Mönchengladbach: Raus aus meinem Haus

Mönchengladbach: Raus aus meinem Haus

In einer TV-Show hatte Serap Frentzen die Chance auf 100.000 Euro. Das Geld wollte sie unter anderem in die Obdachlosenhilfe stecken.

Auf dem Esstisch schlafen, im Bikini duschen und zwei Kartoffeln zum Abendbrot essen: Wenn 100 Menschen in einem Einfamilienhaus für vier Personen leben, wird der Alltag kompliziert. Die Mönchengladbacherin Serap Frentzen ist eine von 100 Kandidaten der Pro-Sieben-Show "Get the Fuck out of my House". Das Preisgeld von 100.000 Euro wollte die 42-Jährige gewinnen, aber nicht für sich selbst behalten.

Die Stylistin engagiert sich in der Flüchtlings- und Obdachlosenhilfe. Jeden dritten Samstag im Monat steht sie mit einer Gruppe Ehrenamtlichen auf dem Platz der Republik, direkt am Ein- und Ausgang des Hauptbahnhofs. Dort verteilt Serap Frentzen Kleidung, Duschgel und Shampoo an Menschen, die auf der Straße leben. Das brauche sie, als Ausgleich zu ihrem Glamour-Beruf. "Ich mag hübsche Menschen, aber das Aussehen ist mir egal", sagt die Mutter einer 15-jährigen Tochter.

Den ein oder anderen Hygieneartikel mehr hätte Frentzen auch gerne in das TV-Haus genommen. Doch die Regeln waren streng: Eine Box mit Kleidung für vier Tage, ein paar Schuhe und einen Kulturbeutel, der maximal einen Liter fasst, durften die Kandidaten mitbringen. Zudem waren pro Kandidat zwei Schachteln Zigaretten erlaubt. Serap Frentzen raucht nicht, die Zigaretten hatte sie trotzdem dabei - zum Tauschen. Vier Wochen lang musste der- oder diejenige im Haus aushalten, um die Show zu gewinnen. Keine Handys und kein Kontakt zur Außenwelt. Gedreht wurde die Sendung bereits vergangenes Jahr, aktuell wird sie wöchentlich ausgestrahlt.

"Dafür bist du viel zu pingelig", hatte ihr Ehemann gesagt, als er von den Plänen erfuhr. "Du rennst spätestens nach zwei Stunden schreiend raus." Auch Freunde und Verwandte haben Serap Frentzen nicht für voll genommen. "Ich hab allen gesagt, dass ich als Letzte einziehe, und das Haus auch als Letzte wieder verlassen werde", sagt die Frau vom Niederrhein, deren Familienwurzeln bis in die Türkei reichen.

Gerne hätte Serap Frentzen das Geld in die ehrenamtlichen Projekte in ihrer Heimatstadt gesteckt und beispielsweise einen Großeinkauf beim Drogeriemarkt gemacht. Gerne hätte sie einen Teil des Gewinns an eine türkische Tierschutzorganisation gespendet, die sich um Straßenhunde kümmert. Gerne hätte sie die Kraft gehabt, um die vier Wochen im Show-Haus zu überstehen.

Doch am vergangenen Donnerstag konnten Zuschauer im Fernsehen sehen, wie Serap Frentzen nach sieben Tagen im Haus ihre Kiste packte. "Es ging nicht mehr", sagt sie. "Sieben Nächte habe ich auf dem Tisch oder auf dem Fließenboden geschlafen, meinen Poncho als Schlafdecke benutzt." Nach einer Woche hätte sie nicht mehr gewusst, wie sie sich hinlegen soll. Rücken, Hüfte, Nacken - alles hätte ihr wehgetan. Hinzu kam dann noch das Heimweh.

"Das Geld hätte ich natürlich gerne mitgenommen", sagt Serap Frentzen. "Aber ich habe das Haus nicht mit leeren Händen verlassen: Mir ist wieder bewusst geworden, was wirklich wichtig ist."

(laha)