Mensch Gladbach: Rathaus, öffne dich!

Mensch Gladbach: Rathaus, öffne dich!

Die Spitze der Stadtverwaltung will sich vielleicht doch nicht mehr aus der Aufzeichnung der Ratssitzungen schneiden lassen. Wir finden: Ein überfälliger Schritt! Schließlich ist es eine öffentliche Sitzung im Haus der Bürgerschaft.

Kennen Sie das? Im Trubel des Alltags gerät manchmal sogar Selbstverständliches in Vergessenheit. Nach dem Motto: Man weiß etwas eigentlich - aber macht es trotzdem anders. Weil man es gerade nicht auf dem Schirm hat. Und es ist ja nicht bös' gemeint! Dieses Muster ist nur allzu menschlich. Und manchmal gerät eben in Vergessenheit, dass Politiker und Wahlbeamte auch nur Menschen sind, die einfach mal etwas vergessen.

Zum Beispiel, was so alles in der Gemeindeordnung steht. Zum Beispiel, dass die Verwaltung der Gemeinde ausschließlich durch den Willen der Bürgerschaft bestimmt wird. Die allerdings muss nicht selbst die Arbeit im Rathaus machen, sondern wählt Ratsmitglieder und den Oberbürgermeister, die den Willen der Bürgerschaft vertreten. So sieht es eine repräsentative Demokratie wie unsere vor.

An dieser Stelle stoppen wir mal den Ausflug in die dröge Welt der Kommunalparagrafen und tauchen in das zutiefst Menschliche. Den Karneval. Der ist jetzt vorbei, Askese hat die Völlerei abgelöst. Das ist auch gut so. Dennoch treibt uns eines seit einigen Tagen um. Es gab nämlich einen Rathaus-Sturm ohne Rathaus. Nein, ganz so war es nicht. Die Narren, konkret das Prinzenpaar, durften den Balkon des Rathauses stürmen, dort vom Oberbürgermeister symbolisch den Schlüssel für sein Haus entgegennehmen und das Gebäude rasch wieder verlassen. Er machte währenddessen übrigens mit seiner Gattin den Abflug - in einer Gondel, die an einem sehr hohen Kran-Arm hing. Das war nicht nur spontan und witzig, auch mutig. Respekt dafür von einer Höhenängstlichen! Die närrische Feier im Rathaus fiel jedenfalls aus, der OB lud die kommunalen und jecken VIPs stattdessen vom Balkon ins Zelt auf dem Marktplatz. Treppauf, treppab trappelten sie, die einen besser, die anderen schlechter zu Fuß. Ein amüsanter Anblick.

Der Sinn des Ganzen erschloss sich uns jedenfalls nicht. Schließlich ist Brauchtum Kulturgut, manche meinen sogar, der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Viele tausende Mönchengladbacher Bürger sind im Karneval engagiert. Sollte sich da das Rathaus als Haus der Bürgerschaft seinen Bürgern nicht öffnen? Zur Begründung hieß es, man wolle Kosten sparen (Was hat eigentlich die Party im Zelt gekostet?) und halte die Feierei der geladenen Narren im Ratssaal nicht für angemessen.

  • Mönchengladbach : Das letzte Mal Rats-TV?

Die Frage nach der Angemessenheit im Ratssaal finden wir wiederum sehr klug. Sie glauben gar nicht, was bei mancher Ratssitzung so los ist ... Davon können Sie sich übrigens selbst ein Bild machen. Die Sitzungen sind öffentlich und werden live im Internet übertragen. Das Rats-TV gibt es einige Tage später auch als Aufzeichnung. Die aber ist bisher eher für Fans des Dadaismus, jener Kunstströmung, die das Irrationale betont. Denn die gesamte Spitze der Stadtverwaltung und auch einige führende Ratsleute lassen sich konsequent herausschneiden. Ähm. Wie aber soll die Bürgerschaft bitteschön so überhaupt wissen, ob die Gewählten ihren Willen auch wirklich vertreten? Paradox.

Nun wird aber zumindest darüber nachgedacht, die ewige Schnibbelei in der Aufzeichnung doch zu beenden und das Rats-TV womöglich sogar effektiver zu bewerben. Höhere Einschaltquote und mehr Transparenz - bravo!

In diesem Sinne: Ihnen ein gut informiertes Nach-Karnevals-Wochenende!

(dr)