Mönchengladbach: Rat will gegen Baumarkt hinter dem Hauptbahnhof stimmen

Mönchengladbach: Rat will gegen Baumarkt hinter dem Hauptbahnhof stimmen

CDU, FDP und Grüne glauben nicht, dass die Stadt Mönchengladbach Schadenersatz zahlen muss. Darum sprechen sie sich gegen einen Hornbach in der City Ost aus.

Überraschende Wende im Streit um die Zukunft des großen Geländes hinter dem Gladbacher Bahnhof: Nun werden auch die Grünen gegen den Vorschlag der Verwaltung stimmen, an der Breitenbachstraße einen großen Hornbach-Baumarkt mit Drive-In zu genehmigen. CDU und FDP hatten schon länger ihre Bedenken geäußert.

"Wenn wir bei erstbester Gelegenheit einknicken und die Empfehlungen des Masterplans ignorieren, wird am Ende von der Idee des Plans in der Stadt wenig zu sehen sein", sagte der grüne Fraktionssprecher Karl Sasserath der RP. Auch der überdeutliche Hinweis der Verwaltung, die Stadt und eventuell einzelne Ratsmitglieder müssten eventuell Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen, falls sie die Genehmigung nicht erteilt, vermag die Grünen nicht umzustimmen. "Die Argumentation grenzt an Nötigung. Das lassen wir nicht mit uns machen", sagt Sasserath.

Die CDU sieht das ganz ähnlich und wird ebenfalls nicht zustimmen. "Wir werden jetzt nicht für die Verwaltung in die Bresche springen, die es einmal mehr selbst nicht geschafft hat, eine gütliche Einigung mit einem Investor zu erzielen", sagte Hans-Wilhelm Reiners, designierter Oberbürgermeister-Kandidat der CDU. Es gehe allein darum, den Schwarzen Peter an die Politik weiterzureichen. Auch die FDP attackiert die Verwaltung. "Wir haben zu der geplanten Baumarkt-Ansiedlung eine Reihe von Fragen. Das Vorgehen der Bauverwaltung verstehen wir auch bei diesem Thema nicht", so der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Anno Jansen-Winkeln.

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Das Areal hinter dem Hauptbahnhof gehört der Bahn-Tochter Aurelis. Die hatte dort ein großes Fachmarktzentrum bauen wollen. Das hätte aber dem Einzelhandelskonzept widersprochen, das regelt, wo in der Stadt Händler was verkaufen dürfen. Dann bat Aurelis um die Genehmigung für einen Baumarkt. Parallel wurde der Masterplan von Sir Nicholas Grimshaw fertig. In dem hat die City Ost eine zentrale Bedeutung — und zwar als hochwertiger Bürostandort mit viel Wasser und Grünfläche. Darum hat sich der Verein MG 3.0, der den Masterplan finanziert hat und jetzt auch zu seiner Umsetzung beitragen will, deutlich gegen den Baumarkt an dieser Stelle ausgesprochen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Lothar Beine kann die Einschätzung der anderen Parteien überhaupt nicht nachvollziehen. "Wenn die trotz des völlig eindeutigen Rechtsgutachtens gegen den Vorschlag stimmen wollen, werde ich namentliche Abstimmung beantragen. Dann kann es am Ende entscheidend sein zu wissen, wer das wissentlich mitgetragen hat", so Beine. Bei CDU, FDP und Grünen sieht man das vergleichsweise gelassen. Sie glauben, dass Aurelis im Zweifel nicht klagen wird, sondern um eine einvernehmliche Lösung bemüht ist. Das habe sich gerade erst wieder gezeigt, als die Stadt ein Grundstück von Aurelis benötigte, um die Breitenbachstraße ausbauen zu können. Dieses Geschäft sei unter zeitlichem Druck problemlos und ohne jede Bedingung vonstatten gegangen. Hätte sich Aurelis quer gestellt, wäre aus dem für das Verkehrskonzept für die Gladbacher Innenstadt wichtigen Ausbau der Breitenbachstraße nichts geworden.

"Am Ende geht es auch um die Frage, was uns die Entwicklung an dieser Stelle wert ist", sagt Jansen-Winkeln. Hans-Wilhelm Reiners wundert sich, dass ein möglicher Kaufpreis in der Vorlage der Verwaltung auftaucht. Tatsächlich ist dort davon die Rede, dass das Areal einen Wert von 12,7 Millionen Euro hat. Das Grundstück des benachbarten Roller-Markts hat die Entwicklungsgesellschaft der Stadt gerade für knapp zehn Millionen Euro gekauft.

(RP)
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