Raser-Prozess in Mönchengladbach: Rennfahrer belastet als Zeuge die Angeklagten

Raser-Prozess in Mönchengladbach : Rennfahrer belastet als Zeuge die Angeklagten

Von einem „Beschleunigungsrennen“ sprach ein Zeuge vor Gericht über die Geschehnisse vom Juni 2017, als ein Fußgänger auf der Fliethstraße bei einem mutmaßlich illegalen Autorennen getötet wurde. Die Angeklagten streiten dies ab. Zwei Beifahrer verweigerten die Aussage.

„Das war ganz klar ein Beschleunigungsrennen“, sagte der 54-Jährige. Er sagte am Mittwoch als Zeuge im Prozess um ein mögliches illegales Autorennen aus, bei dem im Juni 2017 ein Fußgänger auf der Fliehtstraße getötet wurde. Seit Montag müssen sich zwei Männer wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs vor Gericht verantworten. Der 29-jährige Schwalmtaler, der den Unfallwagen fuhr, in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung, ein 26-Jähriger aus Willich wegen Unfallflucht.

In der Tatnacht hielt der Zeuge an einer Ampel an der Korschenbroicher Straße neben einem Golf. Bis zur nächsten Ampel seien beide in normalem Tempo gefahren, mussten dort erneut halten. Als die nächste Ampel auf Grün sprang, seien mindestens drei Autos „wie bei einer Explosion“ rechts an ihm vorbei  geschossen, zwei davon von rechts auf die Geradeaus-Spur gewechselt. Alle hätten „richtig Gas gegeben“, er schätze das Tempo auf rund 100 Kilometer pro Stunde und anhand der Rücklichter, dass zwei Autos etwa mit gleicher Geschwindigkeit gefahren seien. Befragt zu seiner Verwendung des Begriffs „Beschleunigungsrennen“ erläutert der Zeuge, er kenne diesen sehr gut, da er Mitglied in einem Audi-Club sei und selber legale Rennen fahre.

In seiner Aussage bestritt der 26-Jährige aus Willich, an einem Rennen teilgenommen zu haben. Er sei am Tatabend mit zwei Freunden unterwegs gewesen. An der Ausfahrt eines Schnellrestaurants habe er an dem Stoppschild gehalten, woraufhin der Fahrer eines schwarzen Autos hinter ihm die Lichthupe betätigt und mit beiden Händen wütend auf das Lenkrad geschlagen habe. Dies sei wohl der Mit-Angeklagte gewesen. Beim Abbiegen auf die Straße habe dieser ihn geschnitten und überholt. An einer Ampel habe er selbst sich rechts eingeordnet, dann aber beschlossen, einen anderen Heimweg zu nehmen. Bei Grün sei er schnell angefahren, um die Spur zu wechseln, habe jedoch kein anderes Auto geschnitten.

Kurze Zeit danach habe er auf der rechten Seite Scheinwerfer aufblitzen sehen und die Spur gewechselt, um das Auto auf die Straße einbiegen zu lassen. Im Rückspiegel habe er dann gesehen, wie hinter ihm ein dunkles Auto angeschossen gekommen sei. Er sei dann wieder in die rechte Spur gewechselt, der andere Wagen habe ihn links überholt. Dabei habe er einen Mann bemerkt, der leicht torkelnd über die Straße ging, und kurz darauf von dem anderen Wagen erfasst wurde. Er sei erst weiter- und später zurückgefahren, um zu helfen, sei dann aber wieder weg, weil er durcheinander gewesen sei. Laut Staatsanwaltschaft stellte er sich zwei Tage danach der Polizei.

Auch der Bruder des Unfallfahrers sagte aus: Es habe kein Rennen gegeben, aber er sei überrascht gewesen, dass sein Bruder an der Ampel plötzlich so beschleunigte. Als sein Bruder zu einem Überholvorgang ansetzte, sei das Auto vor ihnen auf ihre Spur gewechselt, und der Bruder sei diesem ausgewichen. Dann habe er im Lichtkegel einen Mann gesehen und gerufen: „Da ist jemand.“ Unmittelbar danach sei es zum Aufprall gekommen.

Zur Verwunderung der Kammer verweigerten gestern beide Beifahrer des Willichers die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten. Dies werde nun geprüft, und beide für einen der kommenden Termine neu geladen.

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