Mönchengladbach: RAS-Werft expandiert am Flughafen

Mönchengladbach: RAS-Werft expandiert am Flughafen

Für mehrere Millionen Euro errichtet Rheinland Air Service einen zweiten Hangar für die Instandsetzung und Wartung von Flugzeugen. Bis Frühjahr soll der Bau fertig sein. Dutzende zusätzliche Arbeitsplätze entstehen am Airport dadurch.

Die Nummernschilder auf dem Parkplatz der Flugzeugwerft RAS (Rheinland Air Service) am Airport sind vor allem eines: gelb. Die Autos der Mitarbeiter, die an diesem Abend noch vor der Halle stehen, stammen in erster Linie aus den Niederlanden und Großbritannien. Der Eindruck täuscht einerseits etwas: "Unsere Fremdarbeiter, die branchenüblich alle paar Monate weiterziehen, arbeiten im Schnitt etwas länger als die Festangestellten", sagt Hangar-Manager Gerald Scholz. Auf der anderen Seite ist der Eindruck dann aber doch nicht so verzerrt: Bei RAS arbeitet eine ziemlich internationale Truppe. "Wir haben Iren, Briten, Niederländer, Polen, Kroaten, Ungarn, Griechen und Rumänen", zählt Scholz auf.

Der Hangar der RAS-Werft ist 4000 Quadratmeter groß, zwölf Meter hoch und mit modernster Technik ausgestattet. Direkt daneben sollen noch in dieser Woche die vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung einer zweiten, noch etwas größeren Halle beginnen. Bild unten links: zwei in Wartung befindliche Jets der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus Regional. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Und diese Truppe arbeitet vor allem eines — erfolgreich. Das gilt für alle Geschäftsfelder: die Wartung und Instandsetzung von Flugzeugen, den Handel mit Propellermaschinen (3,5 Millionen Euro für eine Turboprop übrig?), den Verkauf von Ersatzteilen (dafür werden auszuschlachtende Maschinen schon mal per Tieflader aus Griechenland angekarrt), das Betanken (in Gladbach, Weeze und Frankfurt-Hahn) sowie die Betreuung von Crews und Passagieren, während die Flieger wieder startklar gemacht werden. Daher setzt die Firma jetzt ihre seit Jahren gehegten Expansionspläne um. Schon in dieser Woche soll es mit den vorbereitenden Arbeiten für den Bau eines zweiten Hangars neben dem bisherigen 4000-Quadratmeter-Bau losgehen.

Der Hangar der RAS-Werft ist 4000 Quadratmeter groß, zwölf Meter hoch und mit modernster Technik ausgestattet. Direkt daneben sollen noch in dieser Woche die vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung einer zweiten, noch etwas größeren Halle beginnen. Bild unten links: zwei in Wartung befindliche Jets der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus Regional. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Mehrere Millionen Euro werden investiert, für Rohbau, Boden mit Fußbodenheizung und die hochmoderne Innenausstattung — von der Starkstromleitung bis zu den Druckluftaggregaten. Über 4300 weitere Quadratmeter wird die zweite Halle im Frühjahr 2014, wenn sie bereits fertiggestellt sein soll, verfügen — mehr als eine Verdoppelung der bisherigen Kapazitäten. Und das wird auch mit Dutzenden neuen Arbeitsplätzen einhergehen. 140 sind es bisher, rund drei Viertel davon fest angestellt. Damit ist RAS das größte Unternehmen am Flughafen, wo es insgesamt rund 380 Arbeitsplätze gibt. "Als ich vor 25 Jahren bei RAS anfing, waren es 15 — inklusive Putzfrau", erinnert sich Scholz. Gegründet wurde RAS seinerzeit auch als kleine Fluggesellschaft. Die Flugsparte wurde jedoch 1996 an die damalige LTU verkauft.

Foto: Ilgner Detlef (ilg)
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Und dreieinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass das Unternehmen — aus Unmut über eine ausbleibende Verlängerung der Startbahn, die mit ihren 1200 Metern nach wie vor beispielsweise zu kurz ist für Maschinen vom Boeing 737 — damit drohte, seine neue Halle statt in Gladbach in Weeze zu bauen. Daraus wurde nichts, expandiert wird nun doch am Stammsitz. Und das ist aus vielen Gründen eine sehr gute Nachricht für den Wirtschaftsstandort Mönchengladbach. Nicht zuletzt, weil bei RAS aktuell 16 junge Leute zu Fluggerätmechanikern ausgebildet werden. "Wegen des doppelten Abijahrgangs sind es im ersten Lehrjahr sogar zwei mehr als sonst", so Scholz.

Vor der RAS-Halle stehen an diesem Abend Flugzeuge aus (fast) aller Welt: aus Italien (Air Dolomiti), Marokko (Royal Air Maroc), sogar aus den USA (American Eagle). Ist ein bestimmtes Pensum von Flugstunden absolviert, müssen die Jets gewartet werden — in unterschiedlichem Umfang. Dabei hat sich die RAS im Laufe der Jahre einen exzellenten Ruf erworben. "Europaweit gibt es vielleicht sieben, acht Mitbewerber in dieser Branche", sagt Scholz.

Manche Checks lassen sich übers Wochenende abwickeln, andere nehmen hingegen zwei bis drei Wochen in Anspruch. Zwei Maschinen vom Typ ATR 42 und 72 der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus parken an diesem Abend in der Halle, an ihnen wird kräftig gewerkelt. Die ATR 72 — mit bis zu 74 Sitzplätzen — ist der größte Flugzeugtyp, den RAS derzeit warten kann. Das schlagkräftigste Element der Mannschaft sei jedoch ihre Flexibilität, sagt Scholz. "Ruft ein Kunde heute an und benötigt uns irgendwo auf der Welt, ist schon am Abend ein Team unterwegs."

(RP)
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