Mönchengladbach: Rätseln über Plakette für Elektroautos

Mönchengladbach : Rätseln über Plakette für Elektroautos

Sylvia Zanders Wagen stößt weder Feinstaub noch Kohlendioxid aus. Trotzdem sollte sie für ihr Elektroauto eine Umweltplakette kaufen.

Sylvia Zanders ist Maklerin und beruflich viel im Stadtgebiet unterwegs. Das Elektroauto ist für sie perfekt: preiswert im Energieverbrauch und umweltfreundlich. Als sie hörte, dass in Mönchengladbach zum 1. Januar eine Umweltzone eingerichtet wird, fragte sie eigentlich nur pro forma bei Dekra nach, ob sie eine Umweltplakette brauche.

Die Antwort hat sie überrascht: Ja, Elektroautos müssen eine grüne Umweltplakette haben. "Der Mann von Dekra hat dann noch einmal beim Straßenverkehrsamt nachgefragt. Aber auch dort hieß es: Eine Umweltplakette muss sein", berichtet Sylvia Zanders. Als Grund wurde ihr genannt, dass Politessen nicht immer Elektroautos von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren unterscheiden können.

Elektro steht auch drauf

"Quatsch" findet das Sylvia Zanders. Sie traut den Mönchengladbacher Politessen durchaus zu, dass sie Elektroautos als solche auch erkennen. In ihrem italienischen Auto ist übrigens nicht nur "Elektro" drin, es steht auch deutlich drauf. "Außerdem hat mein Auto keinen Auspuff", sagt die Maklerin.

In Mönchengladbach will man sich nun in den Städten mit Umweltzonen umhören, wie sie zu der Fragestellung "Brauchen Elektroautos eine grüne Plakette?" stehen. Denn rechtlich gibt es darauf noch keine Antwort. "Wir werden erst einmal auf eine Umweltplakette für diese Autos verzichten", wie Wolfgang Speen, Leiter der städtischen Pressestelle, sagt. Die Auskunft des Dekra-Mannes nannte Speen ein "Missverständnis".

Trotzdem: Ganz ausgeschlossen ist es nicht, dass in Mönchengladbach eine grüne Umweltplakette für Elektroautos doch noch Pflicht wird. In anderen Städten wird damit argumentiert, dass man von Politessen nicht verlangen könne, dass sie sich bei jedem Fahrzeug ohne Plakette unter das Auto legen, um zu prüfen, ob da ein Auspuff ist oder nicht. Ist einer da, wird ein 40-Euro-Knöllchen fällig, ist keine da, bleibt der Kniefall folgenfrei.

Sylvia Zanders weigert sich eine Umweltplakette zu kaufen. Dabei geht es ihr nicht um die fünf bis zehn Euro, die dafür bezahlt werden müssen. Ihr geht es um das Prinzip. "Die Plaketten geben Auskunft über den Schadstoffausstoß. Mein Auto ist aber völlig immissionsfrei", sagt sie. Im Internet hat sie sich jetzt eine Spaßplakette gekauft: Sie ist blau und trägt die Zahl 5. "Wenn schon eine Plakette, dann eine, die sich von den anderen unterscheidet", findet Sylvia Zanders. Tatsächlich haben Umweltverbände schon vor zwei Jahren eine weiße Plakette für Elektroautos gefordert.

(RP/rl/top/anch)