Mönchengladbach: Puffkohlen: "Diese Anlage ist grenzwertig"

Mönchengladbach : Puffkohlen: "Diese Anlage ist grenzwertig"

Vom zuvor so schwülen Sommertag ist nicht mehr viel geblieben. Immerhin regnet es noch nicht an diesem Abend. So werden die Spieler der DJK/VfL Giesenkirchen wenigstens nicht nass. Und der Rasenplatz hält die 44 Fußballer-Beine samt angeschraubten Stollen unter den Schuhen aus. Das ist nicht immer so auf dem Grün der Sportanlage Puffkohlen in Giesenkirchen.

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p class="text">Der Platz, auf dem die Männer spielen, sieht arg ramponiert aus. Der Fünfmeterraum des Torhüters gleicht einem schlecht geplanten Sandkasten. Auf dem anderen Rasen, der mit rot-weißem Band abgesperrt ist, durchzieht ein aufgeschütteter grüner Haufen den Strafraum. "Da braucht man fast eine Leiter, um reinzukommen", sagt Helmut Bauer und lacht. Doch er meint es ernst.

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p class="text">Wenn einer den Sportplatz kennt, dann er. 63 Jahre ist Bauer alt, und "seit meiner Geburt immer hier". Das bedingt schon die Wohnlage Bauers. Sein Garten grenzt direkt an den Sportplatz. "Ich habe mir sogar ein Törchen in den Zaun gebaut, damit ich schneller am Platz bin." So wie heute. Während des Trainingsspielchens schauen 50 Menschen zu. Es sind die Freundinnen der Spieler, ein paar Kinder, die aber eher mit dem Fahrrad ein paar Runden um den gesperrten Platz drehen, und einige Rentner. Sie lehnen an den verrosteten Stangen, die noch ein bisschen was von ihrem ursprünglichen Grün haben, und beobachten die Einheit. Wie Helmut Bauer sind sie häufiger hier, mindestens einmal pro Woche. Doch selbst wenn es nach ihnen, den so genannten Alteingesessenen geht, ist die komplette Anlage bald ein Wohngebiet.

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p class="text">"Schauen Sie sich den Platz doch mal an”, sagt Helmut Bauer. Er meint es nicht böse, aber er hofft auf eine schönere Zukunft für die Jugendspieler des Vereins. Und zwar auf einer modernen Anlage.

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p class="text">Dass am Puffkohlen weiter Fußball gespielt wird, will wohl auch die Spaziergängerin nicht, die in den abendlichen Stunden noch ihren Hund auf der Straße am Sportplatz Gassi führt. In Gedanken versunken erschrickt sie, als wie aus heiterem Himmel ein Fußballer hinter den Bäumen "Drauf, Basti” ruft. "Gut so, weiter Junge”, schreit ein Mitspieler.

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p class="text">Es ist, wie man es sich rund um einen Sportplatz vorstellt. Laut. Und das mitten in einem Wohngebiet, wo der Ball auch schon einmal im zuvor mühevoll aufbereiteten Kleingarten landet.

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p class="text">Wenigstens sind es nur die Fußballer, die zu der Tageszeit, zu der in den Nachbarhäusern die Tagesschau über den Fernseher flimmert, Krach machen. Andere Sportler sind kaum da. Die Weitsprunganlage ist so leer wie die Schulbibliothek in den Sommerferien. Dass es einen Abwurfkreis für Kugelstoßer gibt, dürfte angesichts der grünen Pflänzchen, die sich ihren Weg durch den Stein bahnen, für viele eine Neuigkeit sein.

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p class="text">"Diese Anlage ist grenzwertig", sagt Siggi Moossen (61), der Fußball-Abteilungsleiter in Giesenkirchen. "Die neue Anlage wäre ein Quantensprung, auch für unsere anderen Freizeitsportler."

Die lassen sich an diesem Abend gar nicht auf dem Gelände blicken. Zwar wissen Moossen und Friedhelm Königsmark, der Vorsitzende des Gesamtvereins, um die Tradition der Anlage Puffkohlen, die es schon vor dem 2.Weltkrieg gegeben hat. "Aber wir stehen in der Verantwortung für viele Jugendliche", sagt der 53-Jährige, der neben Moossen steht und immer wieder einen Blick auf das Geschehen auf dem Spielfeld, auf dem er selbst vor mehr als 30 Jahren schon gespielt hat, wirft. "Diese Anlage hat schon ein gewisses Flair", sagt Königsmark, nickt ein paar mal und kehrt schließlich doch zurück zum Gespräch. "Aber das wird die neue Anlage auch eines Tages haben."

(RP)
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