Mönchengladbach: Prozess: Wegen versuchter Erpressung verurteilt

Mönchengladbach : Prozess: Wegen versuchter Erpressung verurteilt

Wegen Hehlerei und versuchter schwerer Erpressung hat die Erste Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts gestern einen Wuppertaler (21) zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Hintergrund des ungewöhnlichen Verfahrens ist ein nächtlicher Raubüberfall vom 30. November 2013 in Giesenkirchen. Das Opfer der versuchten Erpressung, eine 63-jährige Kauffrau, war damals, als sie mit ihrem Fahrzeug vor der Haustür ankam, von zwei maskierten Männern überfallen worden. Im Gerichtssaal hatte die 63-Jährige überzeugend geschildert, wie ihr die unbekannten Männer unter anderem die Handtasche, einen Laptop und eine Reisetasche weggenommen hatten. "Geben Sie endlich die Handtasche her", habe einer der Täter geschrien. Bereits im Dezember war sie dann angerufen worden: "Ich habe Ihren Laptop gekauft. Da sind intime Bilder drauf. Was ist es Ihnen wert, wenn ich die Fotos nicht Ihrem Ehemann zeige?", habe der Anrufer gefragt und 10 000 Euro gefordert. Angeblich sollten die Videos sexuelle Handlungen mit ihrem Ex-Lebensgefährten zeigen. Doch die Kauffrau informierte ihren Ehemann. Und der rief die Polizei. Es kam zu keiner Geldübergabe.

Bereits bei der Polizei hatte der Angeklagte die versuchte Erpressung zugegeben. Den Laptop mit den Videoclips und intimen Bildern habe er damals von einem Unbekannten für 100 Euro gekauft. Mit dem Raubüberfall habe er jedoch nichts zu tun, so der 21-Jährige im Verfahren vor der Ersten Strafkammer. Eine Beteiligung am Raubüberfall auf die 63-jährige Kauffrau konnte ihm in einem tagelangen Prozess nicht nachgewiesen werden. Allerdings saß der 21-Jährige nicht zum ersten Mal auf einer Anklagebank. Er war wegen schweren Raubes vorbestraft und hatte bereits eine viereinhalbjährige Jugendstrafe verbüßt, als er kurz danach den von Räubern gestohlenen Laptop erwarb und versuchte, die 63-Jährige zu erpressen. Diesmal wurde der Wuppertaler allerdings als Erwachsener und nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt. Der junge Mann nahm das Urteil emotionslos entgegen.

(RP)
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