Mönchengladbach: Prozess um Postraub wird ausgesetzt

Mönchengladbach : Prozess um Postraub wird ausgesetzt

Es hat sich herausgestellt, dass in der Verhandlung um einen Postraub vor zehn Jahren in Mönchengladbach und später in Ulm zahlreiche Ermittlungsakten fehlen. Deshalb hat die Erste Strafkammer den Prozess ausgesetzt.

Der Angeklagte, ein 37-jähriger Albaner, kam am Dienstag nach acht Monaten Untersuchungshaft auf freien Fuß. Den Beweisantrag dazu hatte dessen Verteidiger Gerd Meister gestellt. Und das Gericht war seinem Antrag gefolgt. Die Staatsanwältin war allerdings anderer Ansicht.

Tatsächlich wirft die Staatsanwaltschaft dem Albaner vor, sich in den Jahren 2001 und 2003 als Mitglied einer Bande in Mönchengladbach-Pongs und in Ulm an zwei bewaffneten Überfällen auf Postfilialen beteiligt zu haben. Damals hatte die Polizei die Sonderkommission "EK Post" gebildet. Der jetzt angeklagte Lkw-Fahrer war jahrelang mit Europäischem Haftbefehl gesucht worden. Aber erst am 17. Januar wurde er an einem albanisch-griechischen Grenzübergang festgenommen. Am 15. Februar lieferten ihn die griechischen Behörden aus.

Kontakte zu den Tätern

An den Raubtaten sei er nicht beteiligt gewesen, hatte der Angeklagte durch eine Dolmetscherin erklären lassen. Kontakte zu den Tätern gab er zu. Dass er bereits 1990 als Flüchtling in Deutschland aufgenommen wurde, hatte der 37-Jährige dagegen bereitwillig berichtet. Er war damals in Mönchengladbach gelandet. Seit 2002 habe er wieder in Albanien gelebt und dort auch geheiratet.

Offenbar sieht ihn die Anklagebehörde durch DNA-Analysen überführt. Vor allem im Pongser Fall soll er DNA-Spuren im Fluchtauto und einen Fingerabdruck am Tatort hinterlassen haben. Mit zwei unbekannten Komplizen soll der 37-Jährige am 2. August 2001 die Filiale in Pongs überfallen haben. Einer der Mittäter soll die Kassiererin mit einem Messer bedroht und Geld gefordert haben. Eine Kundin und die Kassiererin seien mit Kabelbindern gefesselt worden, was die Frauen in ihren Zeugenaussagen bestätigt haben.

Eindeutig wiedererkannt wurde der Angeklagte allerdings nicht. Die Kundin meinte in der gestrigen Verhandlung: "Er könnte es gewesen sein". Mit der Pistole sei sie nicht bedroht worden. Mit einer Beute von 35 772 D-Mark und Postwertzeichen für 10 783 D-Mark soll die Bande damals aus Mönchengladbach geflüchtet sein. Das Gericht bezog sich gestern vor allem auf fehlende Akten aus dem Ulmer Fall. Eine Abtrennung des Ulmer Falles, wie von der Staatsanwältin gefordert, komme nicht in Frage.

(RP/rl)
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