1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Prozess um Missbrauch eines schlafenden Opfers

Mönchengladbach : Prozess um Missbrauch eines schlafenden Opfers

Der Angeklagte musste zum ersten Mal überhaupt vor einem Gericht erscheinen. Eine Frau hatte den arbeitslosen Grevenbroicher angezeigt. Der 44-Jährige habe sich am 13. Februar 2012 in seiner Wohnung an ihr vergriffen. Davon sei sie aufgewacht, so die Frau bei der Polizei.

Nach einer alkoholreichen Nacht sei sie auf der Couch des Wohnungsbesitzers eingeschlafen. Dieses Delikt nennt der Gesetzgeber "sexuellen Missbrauch einer widerstandsunfähigen Person".

Der Angeklagte bestritt den Vorwurf nicht. Weil der 44-Jährige an einer Sprachstörung leidet, ließ er das Geständnis von seinem Verteidiger vortragen. "Ich bin mit der Frau seit Jahren befreundet. Vor zwei Jahren hatten wir einmal Sex", hieß es in der Erklärung. Am 13. Februar des vergangenen Jahres trafen sich der Angeklagte, die Freundin und ein Bekannter in der Wohnung des 44-Jährigen.

Zu dritt habe man mehrere Bierflaschen geleert. "Wir waren alle betrunken", so der Grevenbroicher. Die Freundin, die ihm offenbar früher Hoffnungen auf eine sexuelle Beziehung gemacht hatte, sei in der Zwischenzeit auf der Couch eingeschlafen. Der Bekannte hatte bereits die Wohnung verlassen. Dann habe er in die offen stehende Hose der schlafenden Frau gefasst und sexuelle Handlungen vorgenommen, gab der 44-Jährige zu. Die Frau wachte auf, schrie ihn an und verließ die Wohnung, so das Geständnis.

Nach der Anzeige war das Opfer von der Polizei nicht mehr erreichbar. Wahrscheinlich sei die Frau obdachlos und im Rauschgift-Milieu bekannt, so der polizeiliche Hinweis. Der Gerichtsverhandlung war die Frau nun ebenfalls ferngeblieben. Das wertete das Gericht als "wenig Interesse an der Strafverfolgung".

Bereits bei der Polizei hatte der Angeklagte zugegeben: "Ich muss weniger trinken". Am Ende verurteilte das Gericht den 44-Jährigen, dessen Register keine Vorstrafe enthält, zu sechs Monaten Freiheitsstrafe — mit Bewährung. Das ist die Mindeststrafe für eine solche Tat. Der Grevenbroicher akzeptierte das Urteil sofort.

(RP/ac/top/ape)