Mönchengladbach: Prozess um Messerattacke im Drogenmilieu

Mönchengladbach : Prozess um Messerattacke im Drogenmilieu

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich seit Freitag ein Gladbacher vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Bereits zu Prozessbeginn gab der Angeklagte zu, am 11. Februar in Rheydt an der Hauptstraße mit einem Klappmesser auf einen Mann (40) eingestochen zu haben.

Streit um Ladegerät

Der 26-Jährige hatte dem Opfer tags zuvor "auf der Platte" in der Nähe des Cityparkhauses ein Handy verkauft, aber ohne das Ladegerät. Am 11. Februar sollte der Käufer das Akkuladegerät erhalten.

Der Handykäufer sei ihm in der Nähe des Cityparkhauses entgegengekommen und habe nach dem Ladegerät gefragt, so der Angeklagte. Erst, als ihn seine Begleiterin aufforderte, habe er im Rucksack nachgesehen.

Der Käufer sei immer aggressiver geworden. "Da habe ich das Ladegerät aus dem Rucksack geholt und dem anderen vor die Füße geworfen", gab der Angeklagte ohne weiteres zu. "Der fing an zu schubsen, da nahm ich das Messer und stach zu", erinnerte sich der 26-Jährige. Er habe weder Blut noch eine Stichwunde gesehen.

Als das Opfer rief: "Der hat mich abgestochen", sei er losgelaufen. Zunächst floh er mit einem Taxi nach Krefeld, wurde aber am nächsten Tag in Mönchengladbach von der Polizei festgenommen. Das Klappmesser hatte er in einem Gebüsch versteckt.

Das Opfer hatte zunächst versucht, den Täter zu verfolgen, war aber schließlich mit einer lebensgefährlichen Bauchverletzung am Cityparkhaus zusammengebrochen. Gäste aus einem Café hatten die Polizei verständigt. Der 40-Jährige konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Der Angeklagte, der sich selbst als heroinabhängig bezeichnet, hatte in seinem Geständnis eine jahrelange Drogenkarriere geschildert. Bereits als 15-Jähriger fing er mit Cannabis an. Später kamen Pillen, Amphetamine, Kokain und schließlich Heroin dazu.

Auch am Tattag habe er Pillen genommen. Der 26-Jährige kann weder einen Schulabschluss noch eine Ausbildung vorweisen. "Bis heute habe ich nichts gemacht, nur Drogen verkauft", gestand er im Gerichtssaal. "Ich wollte den Handykäufer nicht treffen. Es sollte nur eine Drohgebärde sein", beteuerte der 26-Jährige.

Der Angeklagte habe sich zunächst geweigert, ihm das Ladegerät zu geben, so das Opfer gestern: "Ich merkte einen Druck, als ich mich nach dem Ladegerät bückte. Dann hielt ich mir die Hände an meinen Bauch". Er sei zusammengebrochen und erst auf der Intensivstation wieder wach geworden, erinnerte sich der 40-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.

(RP)