Mönchengladbach: Prozess um brutale Entführung

Mönchengladbach : Prozess um brutale Entführung

Erpresserischen Menschenraub, Geiselnahme, schweren Raub und gefährliche Körperverletzung wirft der Staatsanwalt fünf Männern vor. Das Quintett soll einen Odenkirchener gequält und Schutzgeld verlangt haben.

Was die Anklage den fünf Männern (20, 21, 22, 30 und 31 Jahre alt) vorwirft, klingt wie eine italienische Mafia-Geschichte. Die Mönchengladbacher, alle türkischer Herkunft, sollen in wechselnder Tatbeteiligung den Bruder eines Odenkirchener Kiosk-Besitzers Anfang Februar 2010 entführt, geschlagen, auf übelste Weise bedroht und erpresst haben. Davon ist die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft überzeugt.

Faustschlag ins Gesicht

Am 1. Februar vergangenen Jahres war der Bruder des Kiosk-Betreibers auf der Duvenstraße in Rheydt mit einem Pkw unterwegs. Er wollte die Tageseinnahmen aus der Imbissstube seines Bruders in den Nachttresor der Bank einwerfen. Drei der Angeklagten zwangen ihn mit zwei Fahrzeugen zum Halten, so das Ermittlungsergebnis.

Der 31-jährige Gladbacher soll ihn sofort mit einem Kopfstoß und einem Faustschlag ins Gesicht traktiert haben. Zwei der Männer bedrohten das Opfer mit einer Pistole und zwangen es, seinen Wagen zu parken und in ein Fahrzeug der Angeklagten umzusteigen. Der gefesselte Mann wurde stundenlang herumgefahren, mit einer Pistole ins Gesicht geschlagen und mit einer Rasierklinge bedroht, so die Anklage. Sein Mobiltelefon und 340 Euro musste das Opfer hergeben. Sie seien von der Mafia und würden ihn vergewaltigen, sollen die Angeklagten dem Opfer angedroht haben.

Schließlich sollen die Angeklagten das Opfer in einem weiteren Fahrzeug zur Autobahn A 61 gefahren haben. Auf dieser Fahrt habe der 31-Jährige dem Bruder des Kioskbesitzers die Pistole in den Mund gesteckt. Am Ende soll er den völlig verängstigten Mann aufgefordert haben, Deutschland zu verlassen.

Der Bruder möge ihm die Imbissstube in Odenkirchen übergeben. Bekäme er den Kiosk nicht, soll der älteste Angeklagte schließlich ein wöchentliches Schutzgeld von 500 Euro verlangt haben, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Das Opfer versprach, die Forderungen zu erfüllen und wurde zu seinem Fahrzeug zurückgebracht. Aber der Mann ging sofort zur Polizei und erstattete Anzeige.

Das Opfer wurde im Februar durch multiple Prellungen verletzt. Seitdem leide es unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der Prozess beginnt nächste Woche vor der Ersten Jugendkammer des Mönchengladbacher Landgerichts. Motiv für die brutale Tat ist offenbar ein Streit um die Besitzverhältnisse an dem Imbisslokal in Odenkirchen. Der 31-jährige Angeklagte soll sich als Käufer präsentiert und 3000 Euro angezahlt haben. Als er den vollen Kaufpreis nicht zahlen konnte, wurde der Imbiss vermutlich an einen anderen Interessenten verkauft. Neun Zeugen sind zur Verhandlung geladen.

(RP/rl)
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