Mönchengladbach: Prozess: 31-Jähriger verging sich an 13-Jähriger

Mönchengladbach : Prozess: 31-Jähriger verging sich an 13-Jähriger

Der Angeklagte (31), der in einer Mönchengladbacher Behinderteneinrichtung arbeitet, trat vor dem Jugendschöffengericht die Flucht nach vorn an. Der 31-Jährige gab die Vorwürfe der Anklage sofort zu. Und die waren beträchtlich.

Der Mönchengladbacher soll eine 13-Jährige in seiner Wohnung bei mehreren Gelegenheiten sexuell missbraucht haben. Beim Chatten hatten sich die zwei kennengelernt. "Ich bin 29 und du bist erst 13. Aber das muss ja keiner wissen", hatte sich der Erwachsene gemeldet und zugleich nach Sex gefragt.

Die 13-Jährige hatte sich, wie aus den Chatt-Protokollen zu erkennen war, dazu dann auch ohne Weiteres bereiterklärt. "Ich liebe dich, ich mag dich" vernahm der Angeklagte. Bereits beim ersten Besuch in der Wohnung des Mannes kam es zum Oralverkehr. Bereitwillig kam die 13-Jährige auch zu einem zweiten Treffen. Insgesamt soll es vier Kontakte gegeben haben. Aber später zeigte das Mädchen den Gladbacher an.

Der inzwischen 31-Jährige musste zum ersten Mal auf der Anklagebank Platz nehmen. Außer den Missbrauchshandlungen warf ihm die Staatsanwältin noch Besitz von kinderpornografischen Schriften vor. Mit seinem Geständnis bewahrte der Angeklagte am Ende die 13-Jährige vor einem unangenehmen Zeugenauftritt.

Ein psychiatrischer Sachverständiger machte schließlich in seinem Gutachten klar, warum sich der Angeklagte ausgerechnet um Sexualität mit einer 13-Jährigen bemüht hatte. Der ängstliche und unsichere Mann leide an einem Chromosomen-Defekt und sei dadurch krankhaft seelisch gestört. Das mache sich auch in einer sexuellen Funktionsstörung bemerkbar. Außerdem leide der Angeklagte unter einem mangelnden Sprachverständnis und könne nur einfache Arbeiten bewältigen. Der 31-Jährige sei nur eingeschränkt schuldfähig, so der Gutachter. Zugleich war der Sachverständige überzeugt, dass der Angeklagte nicht noch einmal mit einer solchen Tat auffallen würde. Zu dem Missbrauch sei es vor allem gekommen, weil die 13-Jährige so ohne Weiteres auf seine Bitten um Sex eingegangen sei.

Am Ende wertete das Jugendschöffengericht zwei der Missbrauchsfälle als minder schwere Fälle. Das brachte dem geständigen Mönchengladbacher eine Strafe von einem Jahr und sieben Monaten ein, die er aber nicht verbüßen muss. Sie wurde zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings fordert eine Bewährungsauflage von dem 31-Jährigen, dass er umgehend die Praxis eines Psychotherapeuten aufsucht, der seine sexuelle Funktionsstörung behandelt.

(RP)
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