1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Prozess: 25-Jähriger stach im Wahn auf Halbbruder ein

Mönchengladbach : Prozess: 25-Jähriger stach im Wahn auf Halbbruder ein

Laut Gutachten leidet der Angeklagte an einer paranoid-halluzinatorischen Psychose durch extremen Cannabis-Konsum.

"Ich weiß, was ich getan habe", sagte der Mönchengladbacher am 13. August bei seiner Festnahme. Kurz zuvor hatte er seinen vier Jahre älteren Halbbruder mit einem Messer im Gartenhaus niedergestochen und schwer verletzt. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich der 25-Jährige seit gestern vor der 7. Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten. Dort schilderte der Angeklagte, immer wieder mit den Tränen kämpfend, wie er sich an dem Augusttag 2016 mit einem Messer, das eine 17 Zentimeter langen Klinge hatte, im Gartenhaus der Eltern auf den Halbbruder gestürzt hatte. "Ich litt wie so oft unter Halluzinationen. Sie wollten mit mir kämpfen und ins Gartenhaus kommen. Dann kam mein Bruder herein. Ich griff ihn an. Er lief davon." Schreiend und weinend sei er auch weggerannt. Dann sei er zurückgekommen und habe sich von einem Polizeibeamten festnehmen lassen. "Ich möchte keine Gefahr mehr für andere sein. Ich schäme mich", beteuerte er im Gerichtssaal. Zugleich gab er zu, sieben Jahre lang täglich Cannabis konsumiert zu haben. Inzwischen rauche er nur noch normale Zigaretten und bekomme in der Psychiatrie Medikamente.

Der Halbbruder des Angeklagten bestätigte dessen Geständnis. Er sei damals kaum im Gartenhaus angekommen, da sei er von dem Bruder attackiert worden. "Was soll das? Was machst du?", habe er gerufen. "Seine Augen waren eiskalt", erinnerte sich das Opfer, noch immer entsetzt. Es sei ihm dann gelungen, in die Küche zu entkommen. Im Krankenhaus wurde der inzwischen Bewusstlose operiert.

Die Mutter und der Stiefvater des Angeklagten erinnerten sich in ihren Zeugenaussagen, dass sich der 25-Jährige vor etwa anderthalb Jahren auffällig verändert habe. Er habe sich in sein Zimmer zurückgezogen und sei oft schwer ansprechbar gewesen. Verbal sei er oft aggressiv gewesen, aber nicht mit körperlicher Gewalt aufgefallen, so der Stiefvater.

"Er hat uns angepöbelt. Ich habe ihn zum Psychologen geschickt", erinnerte sich die Mutter des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Schuldunfähigkeit des Messerstechers aus. Laut Gutachten leidet er an einer paranoid-halluzinatorischen Psychose.

Der Prozess wird am Dienstag, 7. Februar, fortgesetzt.

(RP)