Mönchengladbach: Pro Jahr essen Gladbacher 2480 Tonnen Schokolade

Mönchengladbach: Pro Jahr essen Gladbacher 2480 Tonnen Schokolade

103 Sattelschlepper voll mit Schokolade: So groß ist der Hunger auf Süßes in Mönchengladbach pro Jahr. Von der Tafel über die Praline bis zum Riegel: 2480 Tonnen Schokolade aßen die Menschen hier zuletzt rein statistisch - das sind gut 9,5 Kilo pro Kopf, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) berechnet hat. Beim Käse waren es 6370 Tonnen - 24,5 Kilo pro Einwohner. Und beim Bier wurden 271.000 Hektoliter im Jahr getrunken (104 Liter pro Kopf).

Rund 1.600 Arbeitsplätze hängen in Mönchengladbach laut Arbeitsagentur an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. "Die Branche ist aber nicht nur regional ein Schwergewicht. Nimmt man den Umsatz, ist sie der drittgrößte Industriezweig in Deutschland - ein Großteil der Produktion geht in den Export - und schafft es damit auf die internationalen Teller", sagt Manja Wiesner von der NGG Krefeld-Neuss. So seien Hersteller aus der Region auch regelmäßig auf der Grünen Woche - der weltgrößten Agrar- und Verbrauchermesse - in Berlin präsent.

Neue Food-Trends wie gluten- oder laktosefreies Essen seien eine Herausforderung auch für die heimische Ernährungswirtschaft, so Wiesner. Die sei gut aufgestellt und belege bei Produktions- und Hygienestandards weltweit einen Spitzenplatz. "Kaum irgendwo ist die Lebensmittelsicherheit höher als bei uns", sagt die Geschäftsführerin der NGG Krefeld-Neuss.

Eine Voraussetzung für gutes Essen und Trinken sei jedoch, dass dieses fair produziert werde - angefangen vom Anbau der Zutaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung. Dazu hat die NGG eine lebensmittelpolitische Initiative gestartet. "Gute Ernährung und gute Arbeit gehören zusammen. Hygiene unter Zeitdruck - das kann zum Beispiel nicht gut gehen."

Mit Sorge sieht die NGG den Trend zur Verramschung: "Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft", kritisiert Wiesner. Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen. Verbraucher sollten deshalb nicht nur auf den günstigsten Preis achten: "Gute Lebensmittel sollten beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken."

(angr)