Polizei widerlegt Gerüchte zum Hooligan-Tod

Leichenfund in Mönchengladbach : Hooligan-Tod: Polizei widerlegt Gerüchte

Noch nie hat die Mönchengladbacher Polizei so viele Kommentare bekommen wie zu der Pressemitteilung vom Selbstmord von Marcel K. Im Netz kursieren viele Verschwörungstheorien. Wir beantworten häufig gestellte Fragen.

Der Tod des 32-jährigen Hooligans Marcel K. sorgt auch nach Bekanntgabe der Todesursache noch für viel Aufregung. Vor allem in rechtsextremen Kreisen kursieren nach dem mutmaßlichen Selbstmord die wildesten Verschwörungstheorien.

„Hier wird ein politischer Mord vertuscht, und die Lügenpresse hilft dabei“, heißt es da zum Beispiel. Oder auch: „Marcel K. soll sich also selbst mit mehreren Stichen das Leben genommen haben? Und diesen Müll wollt ihr der Öffentlichkeit nach dem Quatsch mit dem Herzinfarkt (die ermittelte Todesursache nach einer Auseinandersetzung zwischen Afghanen und Deutschen in Köthen, Anm. d. Red.) ernsthaft erzählen? Das ist unglaublich!“

Auch auf der Facebook-Seite der Mönchengladbacher Polizei wird das Obduktionsergebnis angezweifelt. Über 1600 Kommentare gab es alleine bis Donnerstagabend zur offiziellen Pressemitteilung. So viele wie noch nie. Weil das Gutachten so oft mit dem Wort „Lüge“ in Verbindung gebracht wurde, sah sich auch die Polizei zu einer Stellungnahme genötigt: „Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Die achten auch wir. Manchmal müssen wir Sie auch ‚ertragen‘ – wie bei einer enorm hohen Dichte an Rechtsmedizinern und Todesermittlern wie momentan hier.“

Am Freitag wurden in einer Presskonferenz die wichtigsten Fragen beantwortet. Hier eine Zusammenfassung.


Was geschah am vergangenen Mittwoch?
Die von einem Passanten alarmierte Polizei fand den leblosen Körper von Marcel K. gegen 17.30 Uhr auf der Treppenanlage gegenüber vom Museum Abteiberg auf dem Bauch liegend in einer riesigen Blutlache. Der Leichnam wies mehrere Messerstiche an den Armen und am Oberkörper auf. Neben ihm fand die Polizei Packungsreste von Antidepressiva, die schmerzlindernd wirken. Marcel K. hatte den Bereich gegen 15.30 Uhr betreten. Vorher hatte er die Wohnung seiner Mönchengladbacher Freundin verlassen. Um 17.10 Uhr wurde er von einem Passanten, einem Arzt, gefunden. Da war Marcel K. bereits tot. Der 32-Jährige aus Bremen sei psychisch krank gewesen, habe an einer Depression gelitten. Einen Tag zuvor sei er noch wegen Angstzuständen bei einem Arzt gewesen, sagt ErmittlerThiel.


Kann sich jemand mit mehreren Messerstichen selbst töten?
„Das klingt seltsam, ist aber so“, sagte Chefermittler Ingo Thiel gestern in einer Pressekonferenz. Es sei aber nicht ungewöhnlich, dass jemand mit Selbstmordabsicht es zunächst einmal mit „Probierschnitten“ versuche. Solche habe man auch am Handgelenk von Marcel K. gefunden. Todesursache seien letztendlich nicht die Schnitte gewesen, sondern Verbluten.


Haben die Anwohner nichts gesehen?
Thiel geht davon aus, dass der Arzt der Erste war, der Marcel K. entdeckt hatte. Im Restaurant habe niemand etwas mitgekommen.


Warum wurden keine Bilder aus den Überwachungskameras ausgewertet?
Das wurde sehr wohl gemacht, aber nicht sofort, weil der Hausbesitzer zunächst nicht erreichbar war. Die Bilder aus der Überwachungskamera zeigen zwar nicht den Suizid selbst, wohl aber, wer den Bereich betreten hat. Laut Thiel waren es im fraglichen Zeitraum nur Marcel K. und der Arzt. „Wir haben uns auch noch einmal vergewissert, ob ein anderer Zugang möglich ist“, berichtete Thiel. Dies sei aber nicht der Fall.


Wurde das Tatmesser gefunden, und wo lag es?
Das Klappmesser mit einer etwa zwölf Zentimeter langen Klinge lag unter dem Leichnam.


Warum kommt jemand von Bremen nach Mönchengladbach, um sich hier umzubringen?
In Mönchengladbach wohnt die Freundin von Marcel K. Offenbar fühlte sich der bekannte Hooligan in seiner Heimatstadt verfolgt und bedroht.


Konnte die Freundin von Marcel K. schon vernommen werden?
Sie ist zurzeit in Bremen. Am vergangenen Mittwoch war sie aber am „Tatort“ erschienen, weil sie Marcel K. gesucht hatte, wohl aus Sorge, dass er sich etwas antun könnte. Bei der Polizei soll sie nach der Todesnachricht gesagt haben, dass „sie sich so etwas gedacht habe“.

Mehr von RP ONLINE