Mönchengladbach: Poesie auf 2500 Fluss-Kilometern

Mönchengladbach : Poesie auf 2500 Fluss-Kilometern

Der Schriftsteller Peter Josef Dickers liest Passagieren auf Schiffsreisen vor.

Die schiffbare Route von der Drei-Flüsse-Stadt Passau bis zum Schwarzen Meer kennt Peter Josef Dickers inzwischen sehr gut. "Neun Mal bin ich in den vergangenen Jahren auf Flusskreuzfahrt die Donau hinab gereist", erzählt der 76-jährige Gladbacher. Dickers hat, wie er gesteht, die Donau, nach der Wolga Europas längster Fluss (2845 Meter ab Quellgebiet Breg im Schwarzwald), "lieb gewonnen". Zuletzt war er im April 16 Tage mit dem Kreuzfahrtschiff "Arosa Mia" unterwegs bis ins breite Delta des Stroms, der auf seiner Reise zehn Staaten durchmisst und unzählige geschichtliche Episoden in Erinnerung ruft.

Das Besondere für den ehemaligen katholischen Priester dabei ist, dass er nicht nur als Tourist unterwegs ist, sondern als "Lektor", der an Bord täglich rund eine Stunde lang Texte in der Lounge unter Deck vorträgt. "Das kann Prosa sein, das können Gedichte sein, sowohl Selbstverfasstes als auch Texte anderer Autoren", erklärt Dickers. Nicht als eine Art literarischer Reiseführer versteht er seine Tätigkeit, sondern eher als "Anregung zum Nachdenken, zur Reflexion". Das können auch historische Betrachtungen und Sagen sein - angefangen von den Nibelungen über die Fahrten der Argonauten bis hin zu dem Fischervolk der Lipowaner, die seit Jahrhunderten im Donau-Delta leben. "Die Männer tragen lange Bärte, sie verließen im 17. und 18. Jahrhundert ihre russische Heimat und kamen hierher, um der religiösen Verfolgung im Zarenreich zu entkommen", weiß Dickers. Er resümiert: "Im Laufe ihrer Geschichte sind sie wie die Fische geworden: Sie schlängeln sich durch." Fast so wie die Donau, die sich im Delta dreistromig ins Schwarze Meer ergießt.

Natürlich kennt Peter Josef Dickers auch die Städte, durch die oder an denen vorbei die Donau fließt: Wien, Budapest, Novi Sad, Belgrad, Bukarest. Ehrfurcht prägt die Schlussfolgerungen des 76-Jährigen daraus: "Dieser einzigartige Strom verbindet Völker und Religionen, Mittel- und Osteuropa, Ost- und Westkirche, und ihn säumen viele architektonische Zeugnisse der Osmanenherrschaft."

Stärker noch als die Ausflüge in die Donaustädte faszinierten Dickers die "guten Gespräche nach meinen Lesungen. Da haben mir manche Passagiere vertrauensvoll ihre ganze Lebensgeschichte erzählt."

(RP)