Mönchengladbach: Plumper Playboy und pfiffige Frauen

Mönchengladbach : Plumper Playboy und pfiffige Frauen

Das Premierenpublikum feiert Andreas Baeslers Inszenierung der komischen Spieloper "Die lustigen Weiber von Windsor". Alexander Steinitz sorgt am Dirigierpult für süffige, stimmungssichere Ausgestaltung der Partitur.

Ein Schwerenöter vor dem Herrn, das ist dieser John Falstaff. Selbst im Urlaub im mittelmäßigen mallorquinischen Hotel Windsor macht er gleich zwei Damen wilde Avancen. Sein Pech: Die Frauen Fluth und Reich sind befreundet, zeigen einander Falstaffs gleichlautende Liebesbriefe — und machen sich einen Spaß daraus, den rundlichen Graukopf nach Strich und Faden zu veräppeln. Nebenbei schafft es Frau Fluth auch, ihren Ehemann von seiner krankhaften Eifersucht zu kurieren. Was Frau Reich ebenso wenig gelingt wie deren Ehemann: ihrer Tochter einen Bräutigam zuzuschanzen, sie ziehen da nicht an einem Strang. Am Ende triumphiert die bockige Anna in Otto Nicolais komischer Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" und kriegt den Mann, den sie liebt. Alles gut.

So läuft es auch bei der in die 1980er-Jahre gebeamten Inszenierung Andreas Baeslers, der die Handlung auf der Deutschen liebste Urlaubsinsel verlegt. Eine Herausforderung für Bühnenbildner Harald B. Thor und Kostümdesignerin Tanja Hofmann: Haarscharf jonglieren sie am Rande der visuellen Überfrachtung mit knatschbunten, witzigen, tolldreisten Bildern, die dieser Aufführung flottes Tempo und punktgenaues Timing verschaffen. Einige Längen sind in der Drei-Stunden-Oper eh durch die Partitur programmiert. Aber es passiert so viel auf der Szene — einer aufwendig hergerichteten Hotellobby mit echtem Pool im Hintergrund —, dass die irrwitzige Schnitzeljagd um erotische Erfüllung, Eifersucht, Verliebtheit und Rachsucht dem Zuschauer kaum eine Verschnaufpause lässt. Statt im Wäschekorb landet der Schürzenjäger in einem rollbaren Wäschewagen, und der romantische Eichbaum des Jägers Herne ist durch die Hotelbar ersetzt.

Der musikalische Genuss kommt bei all der vitalen Spiellust nicht zu kurz. Die Balladen, Duette, Arien sowie die entstaubten Dialoge unterfüttern die Niederrheinischen Sinfoniker stets stilsicher, prägnant und hüllen die Solistenstimmen wohlig ein. Dies weiß etwa Neuzugang Sophie Witte (Sopran) zu nutzen, deren püppchenhafter Anna gleichwohl eine durch den Saal tragende, exzellente Klangentfaltung eignet. Debra Hays (Frau Fluth) verfügt über gewohnt brillante Ausdrucksvielfalt und spielt ihre Rolle ganz schön kess. Körperlich besonders agil charakterisiert Susanne Seefing die spöttelnde Frau Reich. Hayk Dèinyan gibt den naiven, aber trinkfesten Playboy so anrührend, dass man am Ende Mitleid mit dem Gepiesackten haben kann. Sein Lied "Als Büblein klein" nach der Vorlage des Narrensongs aus Shakespeares "Was ihr wollt" intoniert der Bass sonor einschmeichelnd.

Damit kann schon aufgrund der Stimmlage der Tenor Michael Sieman als verliebter Fenton noch besser punkten, nicht nur bei seiner Angebeteten Anna. Persiflage der Darstellung überlagert bei Markus Heinrich als Junker Spärlich und bei Gereon Grundmann (Dr. Cajus) die gesangliche Wirkung. Mit solider, verlässlicher Tongebung stattet Bariton Andrew Nolen seinen Herrn Reich aus. Tobias Scharfenberger darf noch mehr zuspitzen, weil er die Rolle des eifersüchtigen Cholerikers voll auszuspielen hat. Temperamentvoll agiert auch der famos geführte Chor des Theaters. Auch ihn fand das Publikum sehr lustig.

(RP)
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