Mönchengladbach: Pistolenschüsse nach Messerattacke

Mönchengladbach : Pistolenschüsse nach Messerattacke

Vor neun Jahren tötete Serdar G. in Rheydt den 17-jährigen Bräutigam seiner 15-jährigen Schwester. Jetzt sorgt der junge Türke erneut für Schlagzeilen. In Köln soll er durch ein Fenster mehrere Pistolenschüsse in eine türkische Gaststätte abgefeuert haben. Gestern ging er in U-Haft.

In Mönchengladbach sorgte der Fall vor neun Jahren für Aufsehen: Ein Mord als eine Frage der Ehre? Serdar G. tötete den Freund seiner Schwester auf offener Straße. Er zog ein Messer aus der Hosentasche und versetzte seinem Opfer einen tödlichen Stich in den Bauch.

Jetzt wurde Serdar G. erneut von der Polizei festgenommen. Der Vorwurf diesmal: Der mittlerweile 26-Jährige soll am 10. Dezember 2006 in Köln in eine türkische Gaststätte geschossen haben. Er hatte dabei in Richtung Theke gezielt und mehrere Gäste nur knapp verfehlt. Anschließend war er geflüchtet. Er kam bis nach Griechenland. Bei seinem Einreiseversuch klickten die Handschellen aufgrund eines internationalen Haftbefehls. Mittwochabend wurde der Mann am Flughafen Thessaloniki an die deutsche Polizei übergeben. Seit gestern sitzt er in Haft.

Zur Rettung der Ehre

Zum Motiv der jüngsten Tat ist noch nichts bekannt, wie die Polizei in Köln mitteilte. In Rheydt aber wollte der junge Türke, der mit seiner Familie bis zum Tattag in Mönchengladbach lebte und hier die Hauptschule besuchte, offenbar die Ehre seiner Familie retten. So wurde es auf jeden Fall später vor Gericht dargestellt. Seine Schwester hatte mit ihrem 17-jährigen Freund heimlich ein intimes Verhältnis angefangen. Als die Eltern davon erfuhren, wurde eine Hochzeit arrangiert. Doch die sollte nie stattfinden. Am 8. August 1998 lockte der Bruder den Bräutigam aus seiner Wohnung an der Zedernstraße und stach mit einem Messer zu. Das schwerverletzte Opfer schleppte sich noch ein paar Meter weiter und brach vor einer Pizzeria an der Ecke Wateler Straße/ Akazienstraße zusammen. Trotz Notoperation starb der junge Türke eine Stunde später im Elisabeth-Krankenhaus an inneren und äußeren Verletzungen.

Serdar G. flüchtete. Jahrelang fahndete die Polizei nach ihm. Erst im Januar 2001 gelang es, den nun 19-Jährigen festzunehmen. Serdar G. war in Mettmann aufgefallen, wo er mit falschen Papieren unterwegs war. Wegen Totschlags wurde der junge Türke damals zu fünf Jahren Haft verurteilt. Doch kurze Zeit später gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis. Dann wurde er in Köln festgenommen. Nach der Haftstrafe wurde er in die Türkei abgeschoben. Doch offenbar war Serdar G. später mit falschen Personalpapieren wieder nach Deutschland eingereist.

Auch bei seiner Festnahme in Griechenland hatte er sich mit falschen Papieren ausweisen wollen. Zur Tat in Köln hat Serdar laut Kölner Polizei noch keine Angaben machen wollen.

(RP)
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