Mönchengladbach: Piep-Show im Internet

Mönchengladbach: Piep-Show im Internet

In Kooperation mit zwei Schulen und der Justizvollzugsanstalt Willich entwickelt die Hochschule Niederrhein spezielle Nistkästen. Sie sollen die Beobachtung des Brutvorgangs im Internet ermöglichen. Ein Prototyp soll auf den Campus.

Im Garten von Claus Brell stehen zwei interaktive Meisenkästen. Wenn die Tiere am Einstiegsloch das Vogelhäuschen begutachten, kann der Professor der Hochschule Niederrhein das auf seinem Computer hautnah und live miterleben. "Im Moment inspizieren die Meisen den Kasten noch. Sie prüfen, ob er spechtsicher ist und wie tragfähig die Äste in der Nähe sind. Die Behausung darf schließlich nicht von Eichhörnchen oder Wieseln erreichbar sein", sagt Brell, der am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften Wirtschaftsinformatik lehrt. Der Professor hofft, dass im Frühjahr die ersten Meisen einziehen und das Leben und Brutverhalten der Tiere via Internet zu sehen ist. Und das soll nicht nur der Dozent live anschauen können, der bereits für seine besonderen Lehrveranstaltungen ausgezeichnet wurde, sondern viele Natur- und auch IT-Interessierte.

In Kooperation mit der Bischöflichen Marienschule in Mönchengladbach, der Astrid-Lindgren-Schule in Willich und der Justizvollzugsanstalt in Willich entwickelt die Hochschule Niederrhein gerade Bausätze für diese besonderen Nistkästen. Gefördert wird das Projekt von der Heinz-Sielmann-Stiftung. Auch die Telekom hat zusätzliche Mittel als Spende bereitgestellt.

Frank Jansen, stellvertretender Werkdienstleiter der Justizvollzugsanstalt in Willich-Anrath, freut sich, dass die JVA einen Beitrag zu dem Projekt leisten kann: "Es ist wichtig, dass unsere Inhaftierten während der Haftzeit etwas Sinnvolles tun und lernen. Dazu haben wir eine Schreinerwerkstatt, in der wir die Prototypen für das Hochschulprojekt erstellen können." Über die Internetadresse Knastladen.de werden die Produkte der Vollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen vertrieben. Und im Angebot soll demnächst auch der moderne Meisenkasten sein, der auch dem Naturschutz dient.

Professor Claus Brell mit dem neuen Hightech-Nistkasten. Foto: Hochschule
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Die Software für die internetgestützte Beobachtung wurde in mehreren Semesterarbeiten von Wirtschaftsinformatik-Studenten der Hochschule entwickelt. "Das Projekt hat neben dem praktischen Bausatz noch zwei weitere positive Aspekte für Hochschullehre und Transfer", sagt Claus Brell. "Die Studierenden lernen an einem lebensnahen Praxisbeispiel Programmierung im Umfeld des Internet-of-Things. Außerdem profitieren die Schüler durch die praxisorientierten Raspberry-Pi-Workshops."

Raspberry Pis sind Minicomputer, und die stecken in den besonderen Meisenkästen. Sie sind außerdem mit W-Lan, Temperatursensoren, Infrarotbeleuchtung, Kamera, UMTS-Datenverbindung und zusätzlicher Messelektronik sowie einer autarken Energieversorgung ausgestattet. Weitere Prototypen gehen in den nächsten Wochen in die Natur. Ein digitaler Meistenkasten soll zum Beispiel schon bald auf dem Campus aufgebaut werden. Claus Brell will ihn am Girls Day vorführen, um so jungen Frauen die MINT-Themen schmackhaft zu machen. Seine Erfahrung: "Temperatursteuerung und -überwachung für Industriegeräte findet manchmal wenig Resonanz bei Leuten. In unseren Nistkasten geschieht nichts anderes. Aber hier lässt es sich viel besser transportieren."

(gap)
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