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Mönchengladbach: Philosophische Hochburg für drei Tage

Mönchengladbach : Philosophische Hochburg für drei Tage

Vom 15. bis 17. Dezember besuchen Philosophen von internationalem Renommee die Stadt. Mönchengladbach ist Gastgeber eines Symposiums zu seinem 1993 verstorbenen Ehrenbürger, dem jüdischen Philosophen Hans Jonas.

Als der Bonner Philosophie-Professor Dr. Christoph Horn (50) bei einem Besuch der New School for Social Research in New York seinem Kollegen Dmitri Nikulin begegnete, kamen die beiden ins Gespräch über Hannah Arendt. Die jüdische Schriftstellerin hatte die letzten acht Jahre ihres Lebens, von 1967 bis 1975, eine Professur an der New School for Social Research inne. Genau an jenem Institut, an dem auch Hans Jonas (1903-1993) gelehrt hat, und zwar in den Jahren zwischen 1955 und 1976. Nikulin schlug seinem Kollegen Horn vor, eine wissenschaftliche Tagung über Hans Jonas zu organisieren. "Erst haben wir sondiert, ob ein Symposium in New York möglich ist, dann schlug ich vor, das Treffen in Deutschland abzuhalten", erzählt Horn.

Neben Nikulin und Horn stieg auch Cinzia Arruzza (ebenfalls von der New School) in die Organisation ein. "Ich hatte die Idee, das Symposium in Hans Jonas' Geburtsstadt auf die Beine zu stellen", fährt der Philosophie-Professor fort. Dr. Ralf Seidel, Vorsitzender der Hans-Jonas-Gesellschaft in Mönchengladbach, stellte den Kontakt zur Stadtverwaltung her.

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Hans Jonas, der 1993 starb, war 1987 zum Ehrenbürger der Stadt Mönchengladbach ernannt geworden. Durch sein Hauptwerk "Das Prinzip Verantwortung" ist seine philosophische Handschrift weiten Kreisen gut bekannt. Seidel: "Wir begrüßen es, in einem hochkarätig besetzten Symposium unsere Stadt in die aktuelle Hans-Jonas-Forschung einzubinden." Durch die wissenschaftliche Veranstaltung dürfte also die Reputation Mönchengladbachs, das zwar eine Fachhochschule, aber keine Universität besitzt, in entsprechenden Kreisen wachsen. Immerhin lehrt mit Prof. Gunzelin Schmid Noerr ein Experte der Lehre Max Horkheimers und der Frankfurter Schule in Gladbach.

Kulturdezernent Dr. Gert Fischer sorgte dafür, dass die Tagung im Haus Erholung stattfinden kann. Und so werden vom 15. bis 17. Dezember 13 prominente Philosophen ihre Gedanken und Forschungsergebnisse über "Hans Jonas und die klassische Philosophie" im Haus Erholung in Vorträgen darlegen.

Die Referenten haben Christoph Horn und Dmitri Nikulin gemeinsam ausgewählt. "Wir haben darauf geschaut, dass Schwerpunkte gesetzt werden, die noch nicht allgemein bekannt sind", erläutert Horn. "Die Bereiche Zukunfts- und Verantwortungsethik, das Leib-Seele-Problem oder die Ökologie werden nicht die führende Rolle spielen", informiert Horn. Vielmehr sollen die Fachvorträge sich den philosophisch-historischen Bezügen bei Hans Jonas widmen.

Zu den Organisatoren des Symposiums gehören neben der New School for Social Research die Universitäten Bonn und Köln und die Università La Sapienza in Rom. Die älteste Referentin ist mit 85 Jahren die jüdische Philosophin Ágnes Heller aus dem ungarischen Budapest; sie übernahm im Jahr 1986 den Lehrstuhl für Philosophie an der New School for Social Research und hat Hans Jonas persönlich gekannt. Heller hält den Festvortrag "Hans Jonas über die Bedeutung des Phänomens des Lebens" am Dienstag, 16. Dezember, um 19.30 Uhr. Daran schließt sich ein Empfang mit Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners an. Ralf Seidel empfiehlt "sehr die Teilnahme an diesem Festvortrag".

"Das Symposium ist ein Geschenk an die Stadt", urteilt Seidel (73), der ehemalige Leiter der Rheinischen Kliniken (heute: LVR-Klinik) in Mönchengladbach. Er hoffe auf eine möglichst rege Beteiligung der Öffentlichkeit, wenn Mönchengladbach kurz vor Weihnachten für die Dauer von drei Tagen zu einer Hochburg der Philosophie in Deutschland werde.

(RP)