Mönchengladbach: Pflippen laufen die Spieler weg

Mönchengladbach: Pflippen laufen die Spieler weg

Es herrscht Zwist im Lager der Gladbacher Spielerberater. Die Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski, Paul Freier und David Odonkor verlassen Norbert Pflippen und wechseln ausgerechnet zu seinem Zögling Kon Schramm.

Norbert Pflippen musste ersteinmal für ein paar Tage raus. In einem Beduinenzelt im Oman will sich der 59-Jährige bis zum Wochenende von seinem Job als Spielerberater erholen. Und von einer "menschlichen Enttäuschung". Am 31. Dezember bekam er Post von Kon Schramm, der seit fast fünf Jahren in Pflippens Gladbacher Agentur "Ans Sport" arbeitet. Schramm kündigte fristlos. Auch Andreas Stops, seit 2001 bei Pflippen angestellt, schickte die Kündigung. Nicht nur das: Schramm nahm einige namhafte Klienten mit: die Nationalspieler Lukas Podolski, David Odonkor und Paul Freier. Ein harter Schlag für "Ans Sport". Immerhin erreichte Pflippen, der vor fast 30 Jahren einer der ersten Spielerberater Deutschlands war, eine gute Nachricht: "Torsten Frings rief mich an und sagte: ,Pflippi, ich bleibe bei dir." berichtet Pflippen. Auch Borusse Eugen Polanski bleibt.

Trotz des personellen Aderlasses — aktuell sind nur noch Pflippen selbst, seine Frau Ans und seine Assistentin Ute Kraus übrig — "existiert Ans Sport weiter", betont Pflippens Anwalt Klaus-Jürgen Michaeli. "Norbert Pflippen wird sich neu organisieren und strukturieren." Im Übrigen sei die Trennung von Kon Schramm auch von Ans Sport ausgegangen, so Michaeli. "Kon Schramm sollte vom Angestellten zum freien Mitarbeiter werden. Danach kam seine Kündigung." Kon Schramm selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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Pflippen, der am Sonntag seinen 60. Geburtstag in Dubai feiert, musste schon früher den Verlust enger Mitarbeiter hinnehmen. Nach dem Abgang von Alfred Kamps wechselte 2000 Gerd vom Bruch, der Torsten Frings zu Pflippen geholt hatte, zur norwegischen Agentur ISM, seit 2003 ist der frühere Trainer selbstständig. 2001 ging Jörg Neblung. In beiden Fällen wechselten auch Spieler. "Beraterverträge sind jederzeit kündbar", erklärt Klaus-Jürgen Michaeli. Er glaubt, dass Schramm Probleme bekommen könnte: "Er ist kein von der Fifa lizensierter Berater. Und die Vereine im DFB haben sich geeinigt, nicht mit Beratern, die nicht von der Fifa lizensiert sind, zusammen zu arbeiten." Dagegen spricht indes die Praxis. Ein Branchenkenner glaubt, dass "fast die Hälfte der rund 1000 Spielerberater keine Lizenz haben". Und wenn eine Mannschaft ein Super-Talent haben wolle "fragt keiner nach einem offiziellen DFB-Papier". Also tummeln sich Immobilienmakler oder Geschäftemacher in dem lukrativen Millionenmarkt. Knapp zehn Prozent der Jahresgage eines Profis streichen die Berater als Prämie ein. Und der Kampf um die Talente beginnt früh. "Die schauen sich schon bei Jugendspielen um", sagt Borussia-Sprecher Markus Aretz. Im Lizenzspielerkader hätten fast alle professionelle Berater, so Aretz. Nur um die Geschäfte von Oliver Kirch kümmert sich dessen Vater.

(RP)
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