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Peter Schlipköter von der MGMG - Der Mann, der die Promis nach Mönchengladbach holt

Interview Peter Schlipköter : „Schröder war unkompliziert, Westwood spontan“

Peter Schlipköter ist Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Mönchengladbach und auch zuständig für die Veranstaltungen des Initiativkreises. Er verrät, wie er Promis nach Mönchengladbach lockt, kennt ihre Vorlieben und sagt, wen er noch gerne in der Stadt hätte.

Die nächsten Stars, die Sie nach Mönchengladbach holen, sind Laura Dekker, die Weltumseglerin, Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und Deutschlands bekanntester Showmaster Thomas Gottschalk.  Er kommt  am 26. März 2020 in die Kaiser-Friedrich-Halle. Hat Gottschalk eigentlich Starallüren?

Schlipköter Nein, gar nicht. Er kommt allein und übernachtet in Mönchengladbach. Wir haben ihm die Übernachtung in einem Düsseldorfer 5-Sterne-Hotel freigestellt, aber er hat sich für das Dorint entschieden. Dort bringen wir die meisten der Gäste unter, die keine besondere Sicherheitsstufe haben, denn die Wege sind kurz, und sie können sich zwischen Proben, Soundcheck und Auftritt noch einmal ausruhen.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Promis aus? Warum zum Beispiel Gottschalk?

Schlipköter Wir laden Menschen ein, die etwas Besonderes getan, die auf bestimmten Gebieten Pionierarbeit geleistet haben. Dazu gehören natürlich die Nobelpreisträger, aber auch Pioniere wie Laura Dekker oder Jane Goodall. Außerdem sollte immer einer dabei sein, der ein breites Publikum anspricht. Das ist in diesem Jahr Thomas Gottschalk. Er ist in Deutschland bekannter als die Bundeskanzlerin und hat in seiner Branche neue Maßstäbe gesetzt. Er wird mit Dunja Hayali über sein Leben, seine Karriere, Höhen und Tiefen sprechen. Wir sind sehr froh, dass er kommt, denn solche relativ kleinen Veranstaltungen macht er eigentlich nicht. Die Karten fanden reißenden Absatz, wir hatten schon einen Tag nach der Ankündigung 85 Prozent der Karten verkauft.

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Mönchengladbach ist nicht Berlin oder München. Wie überredet man internationale Prominenz, nach Mönchengladbach zu kommen?

Schlipköter Man braucht Zeit, ein gutes Netzwerk und einen guten Ruf. Beim Dalai Lama haben wir vier bis fünf Jahre gebraucht, um ihn in die Stadt zu holen. Wir waren bei seinen Veranstaltungen, haben Kontakt zur Deutschlandvertretung aufgenommen und zur internationalen Repräsentanz. Dann konnten wir die Unterlagen schicken, und schließlich hat es geklappt. Und die Veranstaltung war einfach toll. Wichtig ist oft der persönliche Kontakt. Die Gäste müssen sicher sein, dass sie gut behandelt werden, nicht für Werbezwecke missbraucht werden und Ähnliches.  Bei Vivienne Westwood war ich in London und habe ihr auch das Programm erklärt einschließlich des Treffens mit den Studenten. Das hat sie überzeugt. Auch zu Laura Dekker sind wir hingefahren und haben sie auf dem Boot getroffen, auf dem sie mit Partner und Kind lebt. Zu Kailash Satyarthi, dem Friedensnobelpreisträger von 2014, bin ich nach Berlin gefahren, als er auftrat, habe ihn angesprochen und den Kontakt gemacht. Herta Müller habe ich auf einer Veranstaltung in Münster angesprochen.

Spielt Geld eine Rolle?

Schlipköter Eine sehr untergeordnete. Der Rahmen der Veranstaltung, das Programm auch für den eventuell mitreisenden Partner, der persönliche Kontakt sind wichtiger. Für die Ehefrau eines Chemienobelpreisträgers mit Kunstinteresse haben wir eine persönliche Führung durch das Museum Abteiberg organisiert, das hat ihren Mann trotz Terminschwierigkeiten überzeugt.

Stellen die Promis viele Forderungen an das Umfeld? Welche waren besonders schwierig?

Schlipköter Schwierig war der Radrennfahrer Jens Voigt oder auch Extremsportler Felix Baumgartner, recht einfach dagegen der Dalai Lama. Da hatte sein Umfeld Forderungen gestellt, er war nur verwundert darüber. Er brauche einen Ruheraum, hatte man uns gesagt. Wir haben daraufhin ein Riesenwohnmobil auf den Flughafen gestellt, damit er sich zurückziehen konnte. Er wollte das gar nicht. Stattdessen haben wir gemeinsam in der Halle gegessen. Gerhard Schröder war auch sehr unkompliziert, Vivienne Westwood sehr spontan, aber auf sehr angenehme Weise. Sie wollte vor einem Interview mit dem WDR unbedingt Spargel essen und war so begeistert, dass sie noch eine zweite Portion bestellt hat. Es wurde zeitlich ein bisschen knapp, aber letztendlich hat alles gepasst.

Gibt es Wünsche, die Sie nicht erfüllen?

Schlipköter Wir raten ab, aber wenn der Gast es unbedingt will, setzen wir es um. Zum Beispiel bestand Bertrand Piccard auf Fragen aus dem Publikum. Wir hatten davon abgeraten, aber er wollte es unbedingt. Live-Fragen lassen sich aber kaum steuern, und so gab es einen Fragesteller, dem wir zum Schluss das Mikro abnehmen mussten. Die Fragen waren einfach unpassend.

Wie ist überhaupt die Idee der Nobelpreisträger-Reihe entstanden?

Schlipköter Es gab im Fernsehen eine Reihe namens „Stille Stars“, die Frank Elstner moderierte und in der Nobelpreisträger vorgestellt wurden. Das wollte ich gern auf die Bühne bringen. Als ich nach Mönchengladbach kam, brachte ich schon ein paar Erfahrungen und ein Netzwerk mit. Es gab Bedenken, man glaubte nicht, Nobelpreisträger in die Stadt holen zu können. Aber es hat geklappt.

Wie entscheiden Sie, wer als nächster kommt? Wie ist der Initiativkreis beteiligt? Bringen die Mitglieder auch ihr persönliches Netzwerk ein?

Schlipköter Ja, definitiv. Viele Mitglieder des Initiativkreises verfügen ja über internationale Netzwerke. Bei Tony Cragg konnten wir zum Beispiel darauf zurückgreifen. Es gibt immer zwei Sitzungen des Initiativkreises im Jahr, wo das kommende Programm besprochen und auch die Schirmherrschaft festgelegt wird.

Gibt es manchmal bei der Schirmherrschaft Probleme, weil mehrere Mitglieder interessiert sind?

Schlipköter Man einigt sich. Wenn einer zurücktritt, hat er beim nächsten Mal die Wahl. Als Michail Gorbatschow kam, gab es zum Beispiel zwei Interessenten für die Schirmherrschaft. Derjenige, der nicht zum Zuge kam, konnte dann die Schirmherrschaft für den Dalai Lama übernehmen.

Welcher Promi hat Sie am meisten überrascht?

Schlipköter Ich glaube, das war Kofi Annan. Er war ein großer Gentleman, ein richtiger Herr. Als ich ihm morgens den Pressespiegel brachte, lud er mich zum Frühstück ein. Wir haben uns unterhalten, er erzählte vom Einsatz der Friedensnobelpreisträger in Krisengebieten, wo mit der Waffe auf dem Tisch verhandelt wird. Seine Persönlichkeit hat mich sehr beeindruckt.

Welche Veranstaltung war die größte Herausforderung?

Schlipköter Schwierig war es zum Beispiel, als Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Veranstaltung eine Woche vorher um einen Tag verschob, weil er in Berlin Bundeskanzlerin Merkel treffen konnte. Wir mussten alles umlegen: Moderator, Band, Übersetzer. Die Gäste mussten natürlich auch informiert werden. Aber es hat geklappt.

Wen möchten Sie noch in die Stadt holen? Würden Sie zum Beispiel Peter Handke einladen, der ja sehr kontrovers diskutiert wird? Oder Greta Thunberg?

Schlipköter Warum nicht Handke? Die Kontroverse würde uns nicht davon abhalten. Bei Greta Thunberg hätte ich eher das Problem, nicht zu wissen, ob man sich nicht für eine PR-Kampagne einspannen lässt. Außerdem haben unsere Veranstaltungen zwei Jahre Vorlauf. Wir planen jetzt 2021.

Wer wäre denn noch ein Wunschkandidat?

Schlipköter Malala, die junge Friedensnobelpreisträgerin aus Afghanistan zum Beispiel. Sie studiert in London, aber es ist sehr schwer, an sie heranzukommen. Bei den Künstlern wäre es Christo und Ai Weiwei. Mit Ai Weiwei sind wir im Gespräch.