Parteien in Mönchengladbach: Mitgliederzahlen steigen

Mitgliederzahlen : Mehr Mönchengladbacher treten Parteien bei

Die Mitgliederzahlen der Kreisverbände sind bei fast allen relevanten Parteien gestiegen. Nur bei einer nahm die Zahl ab.

Mönchengladbach Immer mehr Mönchengladbacher treten in die Parteien in der Stadt ein. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion unter CDU, SPD, Grünen, FDP, Linken und AfD. Demnach sind bei allen Parteien die Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren gewachsen – außer bei der CDU. Die bleibt aber mit 1412 zum Stichtag 31. Dezember 2018 nach wie vor die Partei mit den meisten Mitgliedern in Mönchengladbach.

Zusammengerechnet kommen die sechs Parteien zum Stichtag Ende 2018 auf insgesamt knapp 3000 Mitglieder. Im Vergleich zum Jahr 2016 sind das rund 150 mehr, und das obwohl die CDU in diesen zwei Jahren rund 100 Mitglieder in Mönchengladbach verloren hat, sei es durch Austritt oder Tod. Und die Zahlen der meisten Parteien sind 2019 weiter gestiegen.

Die Mitgliederstärke ist für die Parteien vor allem in Hinblick auf die kommenden Wahlkämpfe wichtig: Am 26. Mai ist Europawahl und im Herbst 2020 ist Kommunalwahl. Einerseits bringen sie den Parteien Legitimation, zeigen also, dass ihre Positionen für einen gewissen Teil der Gesellschaft unterstützenswert sind. Und auch wenn nicht jedes Mitglied immer aktiv ist, so vergrößert sich durch einen höhere Mitgliedzahl meist auch das Team, mit dem die Parteien vor Ort Wahlkampf führen können, also an Ständen oder Haustüren mit Bürgern ins Gespräch kommen oder Wahlplakate aufhängen. „Das persönliche Gespräch ist das wichtigste ,Werbemittel’ der SPD“, sagt auch der Mönchengladbacher SPD-Geschäftsführer Hans Smolenaers.

Mitgliederzahlen der Parteien in Mönchengladbach von 2016 bis 2018. Foto: RP / eigene Recherche

Mitglieder bringen aber auch wichtiges Geld in die Kassen. Der Beitrag orientiert sich bei fast allen Parteien am Nettoeinkommen des Mitglieds, die Grünen etwa verlangen ein Prozent davon, auch die AfD gibt diesen Wert als Richtwert aus, die FDP gibt diesen mit 0,5 Prozent des Bruttoeinkommens an. Bei der SPD beginnt die Monatsbeitrag bei fünf Euro für Nettoeinkommen unter 1000 Euro und steigt dann wie bei vielen Partein in Stufen an.

Wie auch im Bund sind es eher die kleineren Parteien, die 2019 weiter wachsen, die Volksparteien CDU und SPD berichten in Mönchengladbach von sinkenden Zahlen in den ersten Monaten diesen Jahres. Die Grünen, die in diesem Jahr auch in Mönchengladbach weiter auf Wachstumskurs sind, zeigen sich zufrieden mit der Entwicklung: „Die Grünen wachsen stetig und gewinnen dabei merklich an engagierten Mitgliedern mit Energie, neuen Ideen und frischen Ansätzen“, sagt Thomas Diehl. Er erklärt den Zuwachs über die Themenschwerpunkte seiner Partei. „Klima, Artenschutz, Plastikmüll, Gesundheit, Ernährung und Gerechtigkeit sind Themen, die zur Zeit sehr viele Menschen interessieren.“

Auch die FDP berichtet von weiterem Wachstum in den ersten Monaten diesen Jahres. „Bürgerinnen und Bürger sehen die Notwendigkeit eines liberalen Regulativs. Die Probleme, die große Koalition im Bund, aber auch in der Stadt zum Teil selbst erzeugt, schrecken die Bürger eher ab und bringen sie dazu, sich selbst zu engagieren“, glaubt Sylvia Laufenberg, FDP-Geschäftsführerin in Mönchengladbach.

Bei der Linken Mönchengladbach geht man von mehr politisch interessierten, jungen Menschen in der Stadt aus. Rund 40 Prozent der Neu-Mitglieder seien unter 35 Jahren alt, heißt es von der Partei. Viele Mitglieder habe man auch durch Präsenz auf öffentlichen Veranstaltungen gewonnen, etwa auf Straßenfesten, Frühstückstreffs, Themen-Veranstaltungen, Stammtischen oder Filmvorführungen.

Bei CDU und SPD sind die Mönchengladbacher Verbände hingegen nicht so gut gestimmt. Die SPD hatte in den vergangenen Jahren viel Bewegung in ihrer Mitgliederstatistik, einerseits ausgelöst durch den Hype um Martin Schulz, andererseits vor rund einem Jahr, als die SPD ihre Mitglieder über eine Beteiligung an einer möglichen großen Koalition in Berlin abstimmen lassen wollte. Zu diesem Zeitpunkt nutzten viele die Möglichkeit, noch schnell in die Partei einzutreten, um ein Stimmrecht in dieser Frage zu erlangen. Inzwischen verzeichnet die SPD auch in Mönchengladbach einen leichten Rückgang ihrer Mitgliederzahl. Auch die AfD erklärt ihre schwankende Mitgliederzahl durch den Einfluss der Partei auf bundespolitischer Ebene.

Die CDU beruft sich darauf, dass es seit wenigen Jahren einen Mitgliederbeauftragten in jedem Kreisverband gibt, so auch in Mönchengladbach. Gebracht hat das anscheinend bisher wenig, die Zahlen bewegten sich in den vergangenen Jahren „proportional zu der Mitgliederzahl der Bundespartei“, wie Kreisgeschäftsführerin Tanja Jordans mitteilt, also: nach unten. In den kommenden Wochen will der Mönchengladbacher Verband gegensteuern: Der Kreisvorstand will dann Strategien zur Mitgliedergewinnung erarbeiten.

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