Mönchengladbach: Parfenov-Duo begeistert Publikum

Mönchengladbach: Parfenov-Duo begeistert Publikum

Das fünfte Schlosskonzert lieferte auch unkonventionelle Kompositionen.

Mitunter erschließt sich nicht gleich, ob ein kerniger Slogan wörtlich oder im übertragenen Sinn gemeint ist. Dann kann es zu bösen Missverständnissen kommen. Nicht so beim Parfenov-Duo, das beim fünften Schlosskonzert ein begeistertes Publikum fand. Da lässt sich gar nichts falsch verstehen. Dessen Motto "Der Komponist auf der Bühne, wird nämlich gleichermaßen im wörtlichen wie im übertragenen Sinn realisiert.

André Parfenov ist im Hauptberuf nicht nur Repetitor und Solopianist für alle Sparten am Theater Krefeld/Mönchengladbach, er ist auch Komponist und Arrangeur. Da lag es auf der Hand, dass er und seine Violin-Partnerin Iuliana Münch auch Kompositionen von Parfenov vorstellten. Dazu gehörten fröhliche wie "Erfolg und Blamage eines Installateurs", aber auch der aus einem tieftraurigen Anlass entstandene "Pilotentango". Der stammt aus Parfenovs Ballett "Verlorene Kinder", das dem Tod von Kindern bei einer Flugzeugkatastrophe gewidmet ist. Auch im übertragenen Sinn holte das Duo Komponisten auf die Bühne. In verschiedenen Zeiten wirkten Corelli und Rachmaninow sowohl als Komponisten wie als Virtuosen. Aus Corellis beliebter "La Folia" fertigte Rachmaninow romantisch-virtuose Klavier-Variationen. Parfenov kombinierte Corellis Violin- mit Rachmaninows Klavierfassung und setzte eine eigene Einleitung für Violine Solo voran.

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In manchmal etwas zu lang geratenen, immer aber locker-unterhaltsamen Erläuterungen machten Münch und Parfenov deutlich, dass ihnen gerade der unkonventionelle Umgang mit den Klassikern Freude macht, also mit Bearbeitung und Improvisation zu musizieren. Was hätte wohl Beethoven zur jazzigen Verwandlung des Schlusssatzes seiner ersten Sinfonie gesagt? Vielleicht hätte ihm die Verwandlung durch Parfenovs souveränen Auftritt als Jazz-Pianist ja so gut gefallen wie dem Publikum im Rittersaal. Befürchtungen, beide Künstler hätten über dem Variieren und Improvisieren womöglich das exakte Spielen nach Noten verlernt, erwiesen sich als völlig haltlos.

Die Zugabe stammte noch aus Parfenovs Studentenzeit. Mit der "Zahnarzt-Polka" war es ihm seinerzeit gelungen, für eine aufwendige Behandlung mit einer Komposition statt mit nicht vorhandenem Geld zu bezahlen. Die Urschrift schmückt seitdem die Praxis des Zahnarztes.

(-tr)