Mönchengladbach: Osteoporose: Zahnärzte ins Boot holen

Mönchengladbach: Osteoporose: Zahnärzte ins Boot holen

Jürgen Zitzen drängt darauf, dass Onkologen, Orthopäden und Zahnärzte bei Krebs- und Osteoporosetherapie zusammenarbeiten. Vor allem dann, wenn Bisphosphonate eingesetzt werden. Der Zahnarzt hat eine Fortbildung organisiert.

Bisphosphonate sind sehr wirkungsvolle Medikamente. Sie werden in der Krebs- und Osteoporosetherapie eingesetzt und verhindern den Knochenabbau, indem sie die entsprechenden Körperzellen hemmen. In der Krebstherapie werden sie besonders bei bösartigen Tumoren im Knochenmark verwendet, aber auch bei den Krebsarten, die vornehmlich am Knochen Metastasen produzieren wie Brust- oder Prostatakrebs. Der Nachteil: Ihr Einsatz kann zu einem bedrohlichen und schwer zu stoppenden Abbau der Kieferknochen führen. Die Einbindung der Zahnärzte in die Behandlung von Osteoporose- und Krebspatienten ist also überaus sinnvoll.

Die Verwendung der Wirkstoffgruppe der Bisphosphonate in der Osteoporosebehandlung nimmt zu. Das ist durchaus verständlich, denn in der älter werdenden Bevölkerung wächst auch die Zahl der vom Knochenabbau Betroffenen. Schätzungsweise jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 50 Jahre leidet unter Osteoporose. Mit der Krankheit ist nicht zu spaßen: Wenn sie in höherem Alter zum gefürchteten Oberschenkelhalsbruch führt, kann das sogar tödlich enden.

Mit der Zahl der Behandlungen steigt aber auch die Zahl derer, die von den Nebenwirkungen der Medikamente betroffen sind. "Meine Nachfrage in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Krankenhauses Bethesda ergab, dass allein dort in den letzten Jahren viele hundert Patienten mit mehr oder weniger schweren Nebenwirkungen operiert werden mussten", sagt der Mönchengladbacher Zahnarzt Jürgen Zitzen, Vorsitzender der Zahnärzteinitiative Mönchengladbach, die jetzt zu einer interdisziplinären Fortbildung zum Thema Bisphosphonate eingeladen hatte. "Waren es vor sechs Jahren noch drei bis vier Fälle im Monat, so sind es jetzt etwa vier bis fünf Fälle in der Woche, Tendenz steigend."

Die Bisphosphonate können beispielsweise zu Nekrosen im Kieferknochen führen, und zwar dann, wenn es durch Zahnentfernungen, Parodontitis oder Druckstellen zu freiliegenden Knochen im Gesichtsbereich kommt. Beim gesunden Patienten bekämpft das Immunsystem die in den Knochen eindringenden Bakterien und dämmt die Entzündung ein. Bei durch Bisphosphonate verändertem Knochen fehlt diese Abwehrreaktion allerdings, der Körper kann der Infektion nichts mehr entgegensetzen.

In ganz ausgeprägten Fällen liegt dann der abgestorbene Knochen großflächig frei und hat keine schützende Schleimhaut mehr. Deshalb sollte der Zahnarzt immer mit ins Boot geholt werden, wenn eine solche Behandlung geplant wird. "Die Entzündungsherde sollten vorher ausgeräumt sein", sagt Zitzen. In regelmäßigen Abständen wird dann später kontrolliert, um Symptome frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Den Zahnärzten ist es deshalb wichtig, die Kommunikation zwischen den Fachrichtungen zu verbessern. "Die Kooperation mit den Onkologen funktioniert bereits sehr gut", sagt Zitzen, der sich auch in der Zahnärztekammer Nordrhein engagiert. "Es wäre aber wichtig, mit allen Fachrichtungen interdisziplinär zusammenzuarbeiten, um die Nebenwirkungsrate zu senken." Bei der Fortbildungsveranstaltung haben sich die anwesenden Ärzte auf einen "Laufzettel" verständigt, der die Kommunikation verbessern soll und auch schon deutlich nachgefragt wird.

(RP)