Mönchengladbach: Ost und West im Tanz gespiegelt

Mönchengladbach : Ost und West im Tanz gespiegelt

Ballettchef Robert North stellt in seinem neuen Ballettabend im Theater Szenen aus Amerika und Russland gegenüber. Kapellmeister Andreas Fellner leitet die Aufführung mit den Niederrheinischen Sinfonikern.

Der Amerikaner Robert North ist in der Welt weit herumgekommen. Daher weiß der erfahrene Ballettdirektor des Theaters Krefeld/Mönchengladbach nicht nur mit Kulturen und Weltanschauungen der westlichen Hemisphäre umzugehen.

So lässt North in seinem neuen Ballettabend "Souvenirs aus West und Ost" das Ballettensemble zwar im ersten Teil Szenen aus New York zur Musik von George Gershwin tanzen. "Zu Gershwins Concerto in F", so North, "passen Geschichten, die fröhlich, leichtfüßig, romantisch oder einfach funny sind." Geschichten von jungen Menschen, die gern feiern und sich verlieben.

Ähnliches gilt für Szenen, die North auf der Karibikinsel Kuba verortet. "Ich war als Junge 1953 zum ersten Mal auf Kuba, mein Vater hat dort drei Jahre gearbeitet, meine Schwester ist auf Kuba geboren", erzählt er. Dazu spielen die Niederrheinischen Sinfoniker Gershwins Cuban Overture. Passt.

Im zweiten Teil des Doppelabends präsentiert der Chefchoreograf Souvenirs aus Russland. Seit den 1990er-Jahren hat North das Land, unter anderem seine Balletthochburgen Moskau und St. Petersburg, mehrfach bereist. Dass die daraus resultierenden Inspirationen nicht allein zu Tanzstücken mit heiterer, temperamentgeladener Stimmung führten, liegt auf der Hand. Denn North blickt auch auf die Zeit der Revolution, den Beton-Kommunismus unter Diktator Stalin und die Tauwetter-Ära danach zurück. "Ich habe dafür Musik von Dmitri Schostakowitsch ausgewählt", erklärt er.

"Dieser große Komponist verfügte über eine enorme stilistische Bandbreite", sagt Kapellmeister Andreas Fellner, der die Vorstellungen leitet. Fellner erwähnt, dass Schostakowitsch in seiner Jugend als Unterhaltungspianist in den Kinos von St. Petersburg unterwegs war, dass er sich später aber vermehrt Tragischem widmete. "Das Spektrum reicht von volkstümlicher bis hin zu abstrakter Musik wie seinem Requiem für Streicher", sagt Fellner. So sehr der Kapellmeister sich freut, dass die Ballettfreunde wieder einen Tanzabend mit Livemusik des Gemeinschaftsorchesters erleben können, weiß er doch auch: "Wir Musiker müssen uns den Tänzern unterordnen."

Eine herausragende Partie am Flügel gehört dem Hauspianisten André Parfenov. In den Hauptrollen tanzen Elisa Rossignoli, Alessandro Borghesani, Raphael Peter (als Schostakowitsch) und Irene van Dijk. Der Ausstattungschef Udo Hesse kümmert sich um das Bühnenbild und ist zuständig für die Kostüme.

Premiere: Sonntag, 3. Juni, 19.30 Uhr, Theater; Vorstellungen: 5., 8. 15., 16., 22 Juni; weitere im Juli.; Karten sind erhältlich unter der Telefonnummer 02166 6151-100 und auf www.theater-kr-mg.de.

(ri-)
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