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Mönchengladbach: Omas Wohnküche weckt Kunst-Behagen

Mönchengladbach : Omas Wohnküche weckt Kunst-Behagen

Mit der spektakulären Rauminstallation eines ungenannten Künstlers startet die Galerie Börgmann morgen in ein zehnteiliges, bis ins nächste Jahr reichendes Projekt. Außerdem sind spannende Arbeiten von sechs Künstlern zu sehen.

Jochen Börgmann hat Medienvertreter zur Vorbesichtigung seiner jüngsten Ausstellung in seine Galerie an der Wallstraße 7 eingeladen. Bevor ich eintrete, blicke ich, eine von Neugier angestachelte alte Gewohnheit, durchs Schaufenster im Erdgeschoss des betagten, aufwendig renovierten Hauses. Und gerate ins Staunen. Der erste Eindruck von draußen: Hier ist eine hochbetagte Person eingezogen, die ihre mindestens 60 Jahre alte Küche im Hauptschauraum der Galerie aufgestellt hat. Das muss ich aus der Nähe sehen und klingle eilig. Herr Börgmann öffnet die Tür. Neugierig schiebe ich die bunten Bänder über dem türlosen Eingang zur Seite. Nanu! Ist Gregor Schneider, der fleißige Raum-Veränderer, hier am Werk gewesen?

Nein, der Rheydter Künstler war es gewiss nicht, denn seine Räume sind düster, spielen mit Phobien, auch mit Klaustrophobie, mit bedrängenden Gefühlen. Hier dagegen stehe ich in einer anheimelnden Küche, wie sie meine Großmutter (Jahrgang 1904) wohl nach dem Zweiten Weltkrieg noch gehabt haben könnte. Beschreiben wir die Möblierung einfach:

Linkerhand steht ein dunkelbrauner, abgewetzter Buffetschrank, darüber befindet sich ein Hängeschrank, offensichtlich aus gemeinsamer Bauserie stammend. Ein Markenkühlschrank aus der Zeit um 1965, ein noch älterer Gasherd, auf der Anrichte ein Rowenta-Toastapparat (der noch funktioniert!), links hinten eine vorsintflutlich anmutende Spüle. Die Wanduhr in dieser Wohnküche allerdings scheint jüngeren Datums, könnte aus den 1990er-Jahren stammen. "So ist es", bestätigt der Galerist, "in einer Wohnküche geht im Lauf der Zeit ja manches kaputt und wird durch neuere Geräte ersetzt." Künstliche Blumen ruhen in Töpfen, manierlich-spießbürgerlich arrangiert auf einem nachträglich eingebauten Fensterbrett.

Um den Blick von außen nicht allzu sehr zu behindern, sind die altmodisch arrangierten Gardinen auf geringe Flächenmaße begrenzt. "Noch nie haben so viele Menschen vor unserem Fenster gestanden", freut sich Börgmann. Mehrfach hätten Passanten, nachdem sie den an der Scheibe klebenden Zettel mit dem Hinweis "Junge Kätzchen zu verkaufen" gelesen hatten, geklingelt und sich danach erkundigt. Dann musste der Galerist ihnen schmunzelnd sagen, dass auch dieser Hinweis - ebenso wie der Küchenkalender und die Kinderzeichnungen an einer Wand der Küche - Bestandteil einer aufwendigen Raum-Installation sind. Die Gegenstände stammen von Flohmärkten oder sind Internet-Schnäppchen.

Wer den sonst leeren Schauraum in maximaler Verwandlung gestaltet hat, bleibt Börgmanns Geheimnis. "Der Künstler wird erst genannt, wenn der Katalog über die gesamte zehnteilige Kunstaktion fertig ist", sagt der Galerist. Die antiquierte Wohnküche ist die Pilot-Installation, neun weitere "maximale Umgestaltungen des Raumes werden folgen", informiert Jochen Börgmann.

Wer morgen um 20 Uhr zur Vernissage kommt, darf nicht nur auf den sechs alten, rot gepolsterten Küchenstühlen am artig mit Kaffee-Service gedeckten Speisetisch Platz nehmen. Es werden auch Toasts mit Ersatzlachs, hartgekochtem Ei und Zwiebelringen gereicht. "Das ist eine typische Speise aus jener Zeit, in welche die Wohnküche passt."

Börgmann verbindet das spektakuläre Environment mit einer neuen Ausstellung von sechs Künstlern der Galerie, welche in den anderen Räumen ihre sehr sehenswerten Arbeiten zeigen: Vertreten sind dort Fabian Seyd, Alexandra Baumgartner, Henning Kles, Roger Wardin, Axel Anklam und Jan Muche.

Eröffnung Freitag, 30. Januar, 20 Uhr, Wallstraße 7

(RP)