Mönchengladbach: Ohrfeige für den Wimbledonsieger

Mönchengladbach : Ohrfeige für den Wimbledonsieger

Wie weit diese Ohrfeigen geholfen haben, Cyril Suk auf seinen sehr erfolgreichen Weg zu bringen, bleibt hypothetisch. Fakt ist jedenfalls, dass Lore Schillings sie dem damals 16-jährigen Tschechen und seinem Doppelpartner Martin Strelba verpasst hat, kaum dass sie nach einer haushohen Niederlage beim Jugendturnier am Bunten Garten das Haus der Schillings an der Erzbergerstraße betreten hatten. "Das ist dafür, dass ihr so lustlos gespielt habt", hat Lore Schillings den beiden gesagt. Cyril hat darauf sofort seinen Vater in Prag angerufen – den Präsidenten des Tennisverbandes der damaligen CSSR. Doch Suk senior hat dem Filius nach kurzer Rücksprache mit Lore Schillings ebenfalls den Kopf gewaschen. "Ich habe Cyril mal erklärt, was Doppelspielen bedeutet", erzählt die Gladbacherin.

Aus Cyril Suk wurde einer der weltbesten Doppel- und Mixedspieler. Er holte sich unter anderem fünf Grand-Slam-Titel; 2003 wurde er Kapitän des tschechischen Daviscup-Teams. Und zwischen Cyril Suk und dem Ehepaar Karl-Ernst und Eleonore Schillings entstand eine recht enge Freundschaft. "Bei seiner Hochzeit war ich Trauzeugin. Heute noch bekomme ich jedes Jahr eine Karte", erzählt sie.

Cyril Suk hat wie die anderen tschechischen Jungs, die zwischen 1981 und 88 zum Jugendturnier nach Gladbach kamen, bei den Schillings gewohnt. Wie schon vorher die Mädchen bei Regina Peters oder der spätere Tennis-Weltstar Ivan Lendl bei den Amedicks. Denn in den ersten Jahrzehnten dieses Turniers wurden die ausländischen Gäste entweder in der Jugendherberge oder bei Mitgliedern der TG Rot-Weiß untergebracht. Besonders zwischen den Tschechoslowaken und den Gladbacher Familien entstand so manche Freundschaft.

"Ich bin in die Tschechoslowakei gefahren, weil die Eltern der Mädchen mich kennenlernen wollten", erzählt Regina Peters. Lore Schillings war dreimal dort, und sie besuchte ihre "Schützlinge" später auch, wenn sie auf anderen Turnieren jenseits des Eisernen Vorhangs spielten. "Und wenn die Tschechen in Düsseldorf beim Nations-Cup, antraten, war jeden Abend Treffpunkt hier bei uns."

Anfangs kamen die jungen Spieler mit ihrem Kapitän Walter Rampas nach zum Teil fast zwanzigstündiger Bahnfahrt aus ihrer Heimat in Gladbach an. "Oft hatten die Mädchen gerade mal ein T-Shirt dabei", erzählt Regina Peters. Dann ist sie erst einmal losgegangen und hat ihnen was Ordentliches zum Anziehen gekauft. "Wenn sie kamen, habe ich erst einmal in ihren Taschen geguckt, was sie brauchten. Und wenn sie heimfuhren, hatten sie vollgepackte Koffer und Taschen dabei", so Lore Schillings.

"Später kamen die Spieler der CSSR direkt aus Wimbledon hierhin", erzählt sie. "Doch sie sagten immer, Mönchengladbach sei das schönste Turnier, auch, weil sie hier so umsorgt wurden. Zunächst wollten sie gar nicht ins Hotel, doch später bestand der Deutsche Tennisbund darauf, dass alle Spieler im selben Hotel wohnten. Nicht nur ich habe das sehr bedauert."

(RP)