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Mönchengladbach: Ohne Gage musizieren für ukrainische Kinder

Mönchengladbach : Ohne Gage musizieren für ukrainische Kinder

Mit einem Benefizkonzert wollen Mitglieder der Sinfoniker und des Opernstudios Niederrhein Witwen und Waisen in der Ukraine helfen.

In ihrer Heimat, der Ukraine, tobt ein Krieg. Der hat nicht erst mit den Abspaltungsversuchen der östlichen Regionen um Donezk und Luhansk begonnen, sondern bereits im November 2013. Er gipfelte in dem "Massenmord", den der inzwischen amtsenthobene Staatspräsident Wiktor Janukowytsch im Februar dieses Jahres auf dem Majdan in Kiew veranlasste. Die Formulierung "Massenmord" wählt Tanja Cherepashchuk mit Bedacht. "Es war noch schlimmer, als die Medien in Deutschland darüber berichtet haben", sagt die in Odessa geborene Ukrainerin, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt. "Wir wissen bis heute nicht, wie viele Menschen damals gestorben sind, die Leichen wurden umgehend mit Lkw abtransportiert", sagt die 33-Jährige.

Als Mitglied im neu gegründeten Verein "Euro-Majdan NRW" möchte die Geigerin, die seit der Spielzeit 2010/11 an einem Pult der zweiten Geigen bei den Niederrheinischen Sinfonikern musiziert, notleidenden Menschen in ihrer Heimat helfen. Und deshalb hat sie zusammen mit Kollegen und Kolleginnen aus dem Orchester ein Benefizkonzert initiiert. "Wir spielen am nächsten Sonntag, dem 5. Oktober, um 12 Uhr in der evangelischen Hauptkirche am Marktplatz in Rheydt", verkündet Tanja Cherepashchuk.

Der Erlös des im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst geplanten Benefizkonzerts soll Müttern und Kindern in der Ukraine zugute kommen, deren Väter im Kampf gegen die von russischen Truppen unterstützten Rebellen im Osten des Landes gefallen sind. "Die Hilfe wird auf offiziellem Weg zu den Betroffenen gebracht", verspricht die Musikerin. Dazu wurde enge Zusammenarbeit mit einem Militärhospital in Czernowitz (West-Ukraine) vereinbart. Und einzelne Witwen werden von Vereinsmitgliedern persönlich besucht und erhalten dann die Spenden vor Ort ausgehändigt. Tanja Cherepashchuk nennt ein Beispiel: "Einem Jungen hatte sein Vater versprochen, dass er zum Geburtstag ein Fahrrad bekommt. Dann wurde der Vater, ein Soldat, getötet. Nun wird also jemand von uns dem Jungen ein Fahrrad direkt nach Hause bringen."

Tanja Cherepashchuk, 1981 in Odessa geboren, bestand mit sechs Jahren die Aufnahmeprüfung an der Spezialmusikschule Stolarski, die auch David Oistrach besucht hatte. Später wechselte sie an die Musikhochschule in Odessa. 2004 ging sie nach Deutschland, um an der Kölner Musikhochschule ihr Konzertexamen abzulegen. Danach gewann sie einen Vorspielwettbewerb am Theater Mönchengladbach und ist seit 2010 nun hier im Engagement.

Ihre Kunst "verschenken" am 5. Oktober neben Tanja Cherepashchuk: das Vitus-Quartett (Chisato Yamamoto, Johanna Brinkmann, Richard Weitz, Raffaele Franchini), außerdem Fabian Kircher, Reinhard Groll, Natascha Krumik, Lorena Nitsch, Renate Groll, Dominik Lang, Birgitta Küsters, Dilyana Slavova, Martin Börner, Wiltrud Last, Elke Höppner und Georg Paltz. Amelie Müller (Sopran), Neumitglied im Opernstudio Niederrhein, singt Schuberts Lied "Der Hirt auf dem Felsen". Am Klavier begleiten Jan-Paul Reinke und Yurgos Ziavras.

Nun hofft die Initiatorin auf regen Besuch der Rheydter Hauptkirche - und auf große Spendenbereitschaft.

(RP)