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Mönchengladbach: Ohne Führerschein unterwegs: Richter greift durch

Mönchengladbach : Ohne Führerschein unterwegs: Richter greift durch

Am 2. April gegen zehn Uhr fiel der Fahrer eines auffälligen Lkw an der Hohenzollernstraße der Polizei auf. Bald war klar, dass der Mann ohne Fahrerlaubnis unterwegs war. Deshalb musste der Mönchengladbacher(41) gestern vor Gericht erscheinen. "Sie sind doch gerichtserfahren", hielt der Richter dem 41-Jährigen vor, der aus dem Kosovo stammt. Schließlich war der Angeklagte erst einen Tag zuvor am Mönchengladbacher Amtsgericht von einer Kollegin ebenfalls wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten verurteilt worden.

Aber an dem Apriltag an der Hohenzollernstraße sei er nicht mit dem Lkw gefahren, da habe er das Fahrzeug einem Bekannten geliehen, ließ der Angeklagte von seinem Verteidiger erklären. Im übrigen habe er das Fahrzeug inzwischen verschrotten lassen, sagte er. Dagegen war sich ein 50-jähriger Polizist in seiner Zeugenaussage völlig sicher: "Das war der Angeklagte. Ich hab ihn eindeutig erkannt und als Fahrer identifiziert." Der Angeklagte sei schon des öfteren wegen Fahrens ohne Erlaubnis aufgefallen. "Und der Bekannte des Angeklagten, der das Fahrzeug gefahren haben soll, ist mir völlig unbekannt", erklärte der Polizeibeamte in einer überzeugenden Zeugenaussage.

Anschließend betrat der Bekannte des Angeklagten, ein 45 Jahre alter Rentner, den Gerichtssaal. "Ja, ich hab' das Fahrzeug benutzt. Und nicht nur einmal. Aber ob es an dem Tag war, das weiß ich nicht mehr", gab der Zeuge freimütig zu. Es war also wieder alles offen.

Doch dann verlas der Richter das aufschlussreiche Vorstrafenregister des Kosovaren. Danach war er bereits sieben Mal wegen Fahrens ohne Erlaubnis verurteilt worden. Dieses Mal forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von acht Monaten mit Bewährung und mit dem Hinweis, dass das Fahrzeug inzwischen verschrottet worden sei. Das sah der Richter allerdings ganz anders. Er verurteilte den uneinsichtigen Angeklagten zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe - ohne Bewährung.

Die Aussage des Polizeibeamten sei völlig überzeugend gewesen, hieß es in der Urteilsbegründung. Schließlich habe sich der Angeklagte niemals darum gekümmert, dass man in Deutschland nicht ohne Fahrerlaubnis im Auto unterwegs sein dürfe.

(RP)