Ralph Schneemann: Ohne Baumarkt bleibt die City Ost Brachland

Ralph Schneemann: Ohne Baumarkt bleibt die City Ost Brachland

Der Leiter der Aurelis-Projektentwicklung spricht über die City Ost und erklärt, warum Gladbach keine Büros verträgt.

Herr Schneemann, seit wann laufen Ihre Planungen für die City Ost?

Schneemann Seit einem kooperativen Gutachterverfahren im Oktober 2000. Darauf aufbauend wurde dann ein Rahmenplan erarbeitet, der von den damals politischen Verantwortlichen als verbindliches Leitbild verabschiedet worden ist.

Sieht dieser Rahmenplan vor, auf dem rund 74 000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ein Fachmarktzentrum zu errichten?

Schneemann Das ist richtig. Wir haben den von uns beauftragten Gutachter damals gefragt, was an der Stelle umsetzbar ist: Wohnen, Büro oder Handel. Einstimmige Meinung war die Stärkung des Einzelhandels durch ein Fachmarktzentrum.

Und das hat die Stadt zu dem Zeitpunkt auch so gesehen?

Schneemann Ja. Wir hatten damals sehr intensive Gespräche und verfolgten dasselbe Ziel — nämlich den Rahmenplan Fachmarkt umzusetzen. Das Projekt hat 2010 allerdings eine wesentlich höhere Dynamik bekommen.

Warum?

Schneemann 2007 haben wir einen Gesellschafterwechsel erfahren. Seitdem können wir Konzepte auch eigenwirtschaftlich umsetzen. Vor diesem Hintergrund haben wir der Stadt im Januar 2010 ein komplett neues Planungskonzept für ein gemischtes Fachmarktzentrum mit einem Baumarkt, weiteren Fachmärkten und einem Business-Hotel vorgelegt. Außerdem haben wir ein Grundstück erworben, einen bestehenden Erbbaurechtsvertrag aufgehoben und entsprechend entschädigt.

Was hat sich seitdem auf dem Grundstück getan?

Schneemann Viel. Wir haben die bestehende Altlast mit dem Gaswerk saniert, den Ausbau der Breitenbachstraße berücksichtigt und die aufstehenden Gebäude abgerissen. Im Dezember 2011 haben wir einen Bebauungsplanentwurf mit notwendigen Fachgutachten vorgelegt. Dafür haben wir bereits rund 1,5 Millionen Euro investiert.

Und Nutzer für die Fläche gab es auch schon?

Schneemann Ja. Mit der Firma Hornbach hatten wir schon einen Mietvertrag endverhandelt. Mit der Firma Decathlon, die einen Sporthandelfachmarkt auf dem Gelände errichten wollte, waren wir uns ebenfalls einig, was die betriebswirtschaftlichen Eckpunkte eines Verkaufs betrifft. Man hätte die Vertragswerke innerhalb von vier Wochen fixieren können. Das Grundstück an B&B-Hotel war bereits im Jahr 2010 verkauft. Wir hatten also ein Konzept, das allen Anforderungen gerecht wurde — und haben daraufhin im September 2012 eine Bauvoranfrage bei der Stadt Mönchengladbach eingereicht.

Und dann setzten CDU, FDP, Grüne und Linke Ihre Pläne mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes außer Kraft. Denn der Masterplan sieht für den Bereich hochwertigen Bürobau und einen Grüngürtel statt eines Fachmarktzentrums vor. Wie hart hat Sie diese Entscheidung getroffen?

Schneemann Für uns war das eine herbe Enttäuschung. Wir haben mehr als zehn Jahre an diesem Projekt gearbeitet, sind diverse Kompromisse eingegangen, haben Investitionen getätigt, auf die Stadt Rücksicht genommen. Und dann entscheiden die Verantwortlichen, auf einer sieben Hektar großen Fläche einen Büropark zu errichten. An einem Standort, der nach unserer Recherche überhaupt nicht dafür geeignet ist.

Inwiefern?

Schneemann Weil Gladbach in dieser Dimension keine Büros verträgt. Der Markt hier besteht zu 70 bis 80 Prozent aus Eigennutzern, die Nachfrage von Mietern nach Büroflächen ist sehr gering. Ein Bahndamm mit einem Möbeldiscounter und weiteren Fachmärkten in unmittelbarer Nähe ist nicht gerade der Wunschstandort für einen Büromieter. Und wenn der Markt danach schreien würde, müsste uns die Fläche doch schon längst von deutschlandweit tätigen Projektentwicklungsunternehmen im Büromarkt aus der Hand gerissen werden.

Sie halten also nichts von den Plänen der Stadt?

Schneemann Nein. Wenn an dieser Stelle ein Büropark machbar wäre, hätten wir das mit Sicherheit realisiert, weil für uns und jeden anderen Projektentwickler die Entwicklung von Büroflächen grundsätzlich unter allen Optionen die betriebswirtschaftlich sinnvollste Lösung darstellt. Wir entwickeln aber keine Pläne, nur weil sie auf dem Papier eine Wertigkeit darstellen.

Sind Sie denn überrascht, dass ausgerechnet die wirtschaftsfreundlichen Parteien von CDU und FDP ihre Pläne für die City Ost torpedieren?

Schneemann Natürlich sind wir sehr enttäuscht über die Entscheidung. Welche politischen Beweggründe dahinter stecken, möchte ich aber nicht beurteilen. Es ist allerdings schade, dass hier nicht wirklich sachdienlich darüber nachgedacht wird, was an dem Standort funktioniert. Wir sind davon überzeugt, dass es sinnvoller ist, die City Ost, die man seit zehn Jahren in Richtung Fachhandel entwickelt hat, zu komplettieren.

Haben Sie deshalb im Dezember 2012 auch eine Untätigkeitsklage gegen die Stadt beim Verwaltungsgericht Düsseldorf eingereicht?

Schneemann Ja, schließlich müssen wir unsere unternehmerischen Interessen wahren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt auf unseren Antrag auf Bauvorentscheid für die Errichtung eines Baumarktes nicht reagiert.

Wann rechnen Sie mit einem Verhandlungstermin?

Schneemann Im Frühsommer.

Ist es realistisch, dass die Firmen so lange warten können?

Schneemann Das müssen wir jetzt abwarten. Doch auch Unternehmen wie Hornbach und Decathlon merken natürlich, dass wir so richtig nicht mehr weiterkommen. Sollten die Nutzer wegfallen, fangen wir jedenfalls wieder bei Null an.

Was würde das für die Fläche bedeuten?

Schneemann Im schlimmsten Falle Stillstandsmanagement. Die Fläche würde dann über Jahre brachliegen.

Und wenn eine Fachmarktnutzung ausgeschlossen würde?

Schneemann Dann müssten wir die Fläche ebenfalls liegenlassen, in der Hoffnung, dass der politisch verfolgte Masterplan zur Realisierung käme. Bis das Areal mit Bürogebäuden gefüllt wäre, würden mindestens 20 bis 30 Jahre vergehen. Das hat ein Kurz-Gutachten ergeben. Schneller ginge es nur, wenn ein großer Investor käme. Den wir aber nicht sehen.

Und wie steht es um die Pläne der Stadt, auf dem Areal einen Grünstreifen mit großzügiger Wasserfläche zu errichten?

Schneemann Das kann unserer Meinung nach nicht gelingen. Viele Kommunen haben ja jetzt schon Probleme, die städtische Infrastruktur und Grünflächen zu pflegen und zu erhalten. Zumal eine Wasserfläche je nach Ausgestaltung mit extrem hohen Kosten in der Herstellung und in der Erhaltung verbunden ist.

Wie wirkt sich die Absage auf das Image der Stadt aus?

Schneemann Auf keinen Fall förderlich. Sehen Sie: Da gibt es eine langfristige Planungsphase, ein fertiges Konzept und Nutzer, die zum Bestand passen, und auf einmal will das niemand mehr wissen. Und die Frage ist natürlich auch, inwiefern man sich in der heutigen Zeit noch erlauben kann, spontan von abgestimmten Planungskonzepten abzuweichen.

DIETER WEBER, GABI PETERS UND JASMIN MAUS FÜHRTEN DAS GESPRÄCH.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Masterplan: Gladbach soll grüner werden

(RP/ac)
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