Mönchengladbach: Ökostrom: NEW setzt auf Kampfpreise

Mönchengladbach : Ökostrom: NEW setzt auf Kampfpreise

Biogas und Windräder: Sie sind in Mönchengladbach nicht besonders gut gelitten. Trotzdem will die NEW noch stärker in erneuerbare Energie-Projekte investieren. Und bietet ihren Kunden jetzt auch zwei Ökostrom-Tarife an.

Die in Wanlo geplante Biogas-Anlage scheiterte am Widerstand von Bürgern und Politikern. Den vier Windrädern, die am Buchholzer Wald und am Hardter Wald im Gespräch sind, droht das Aus, bevor überhaupt ein Bauantrag gestellt ist. An der Kamphausener Höhe formieren sich die Gegner, die mehr als 160 Meter hohe Windmühlen verhindern wollen, die auf Jüchener Gebiet entstehen sollen. Und selbst für das bald leerstehende JHQ-Gelände in Rheindahlen, das auch als Standort für Windkraftanlagen in der Diskussion ist, winken die ersten Gladbacher Politiker bereits ab: Angeblich ist hier der Abstand zur Wohnbebauung zu klein. Erneuerbare Energie-Projekte haben es schwer in der Stadt. Nur die Bürger-Solargenossenschaft bildet da eine rühmliche Ausnahme.

Und trotzdem wächst die Nachfrage von Mönchengladbachern, die dem typischen NEW-Normalstrom mit einem hohen Anteil aus fossilen Energieträgern und Kernkraft die rote Karte zeigen. Sie wollen Ökostrom und damit ganz auf Stein- und Braunkohle, Erdgas und Kernenergie verzichten. NEW-Vorstand Frank Kindervatter geht davon aus, dass zehn Prozent der 170 000 NEW-Stromkunden in Mönchengladbach auf ein entsprechendes Angebot zurückgreifen wollen — mit steigender Tendenz.

Deshalb bietet der Versorger jetzt zwei Ökostrom-Produkte an. Der umweltfreundliche "Blauer-Himmel-Strom" wird in Wasserkraftwerken erzeugt. "NEWstrom öko plus" kommt aus erneuerbaren Energie-Projekten: Biomasse, Photovoltaik, Windkraft. Weil pro Kilowattstunde hier 0,25 Cent in den Ausbau regenerativer Anlagen der NEW fließen, ist dies das Angebot, das den NEW-Machern sehr am Herzen liegt — obwohl die Umsetzung wegen der Proteste von Bürgern und Politikern zumindest auf Gladbacher Gebiet schwierig ist. "Die Wertschöpfung soll hier in der Region liegen. Aber es wird sehr schwierig, unsere Vorhaben umzusetzen, wenn alle anderen Projekte über viele Jahre scheitern sollten", sagt Kindervatter. Immerhin will die NEW über ihre NEW Re rund 100 Millionen Euro investieren, "und dieses Geld", so Kindervatter, "wollen wir nicht irgendwo lassen". Derzeit sucht die 2008 gegründete NEW Re, die ihren Sitz in Viersen hat, nach weiteren geeigneten Flächen für die Energiewende — auch in Mönchengladbach. Trotz dieser Hürden können Ökostrom-Interessierte ab sofort die neuen Angebote in Anspruch nehmen. Die NEW bedient sich dabei zweier streng kontrollierter Gütesiegel, um ihren Kunden garantieren zu können, dass sie echten Ökostrom bekommen. Das Besondere an den beiden Tarifen: Sie sind, so die NEW, preiswerter als die anderer renommierter Ökostrom-Anbieter. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3400 Kilowattstunden zahlt 985 Euro (Blauer Himmel) und 973 Euro (NEWstrom öko plus). "Das ist bei beiden Tarifen etwas weniger, als sie der bekannte Anbieter Lichtblick beim Ökostrom macht", sagt Ralf Poll, Geschäftsführer der NEW Niederrhein Energie und Wasser GmbH.

Aber: Gegenüber dem herkömmlichen NEW-Strommix-Angebot ist Ökostrom auch etwas teurer.

(RP/ac)
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