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Mönchengladbach: Oberem — die nächste Generation

Mönchengladbach : Oberem — die nächste Generation

Er stellt in Sitzungen die unangenehmen Fragen und nimmt den Finger erst aus der Wunde, wenn er eine befriedigende Antwort hat. Sein Name: Oberem. Klaus Oberem. Der Sohn des FWG-Gründers macht Politik im Geiste seines Vaters Erich – und stößt dabei auf Widerstände.

Er stellt in Sitzungen die unangenehmen Fragen und nimmt den Finger erst aus der Wunde, wenn er eine befriedigende Antwort hat. Sein Name: Oberem. Klaus Oberem. Der Sohn des FWG-Gründers macht Politik im Geiste seines Vaters Erich — und stößt dabei auf Widerstände.

Unlängst ließ in einer Sportausschussitzung Dezernent Dr. Gert Fischer den FWG-Vertreter Klaus Oberem wissen: "Genau dasselbe bemeckert ihr Vater auch immer." Daraufhin antwortete der 43-Jährige: "Mein Vater bemeckert nichts. Der bemängelt höchstens. Das ist ein Unterschied." Man weiß nicht, wer beim gemeinsamen Erzählen mehr Freude an dieser Geschichte hat: der 43-jährige Junior oder der 72-jährige Altvordere. Fest steht: Der Name ist Programm. Und wird es, wenn der Eindruck nicht täuscht, wohl noch eine ganze Weile bleiben.

22 Tagesordnungspunkte

Klaus Oberems Antwort auf die Frage, warum er sich mittlerweile in drei Ausschüssen einbringt und dabei Verwaltung und den anderen Ausschussmitgliedern ähnlich gut vorbereitet gegenübertritt wie sein Vater, ist ganz schlicht: "Die Situation in der Stadt ist so dramatisch, da kann man sich nicht einfach raushalten", sagt Klaus Oberem. Und je tiefer er einsteigt, desto weniger hat er den Eindruck, dass es richtig ist, sich herauszuhalten — weil das schon viele andere tun.

Zum Beispiel im Vergabeausschuss. Da kommt der Polit-Neuling aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. 22 Tagesordnungspunkte werden da schon mal in 19 Minuten abgehandelt. Dabei geht es in dieser Zeit um Millionen. Oberem fragt nach. Sind die Feuerwehrwagen wirklich nötig? Warum müssen für die Vermesser 40 000 Euro teure Geräte angeschafft werden? Warum muss für den Auftrag nun das Doppelte vom ursprünglich kalkulierten Preis gezahlt werden? Die anderen Ausschussmitglieder wollen nicht mal die Fragen hören. "Da heißt es immer: Wir können hier keine fachlichen Diskussionen führen", sagt Klaus Oberem. Bloß: Woanders wird über die Positionen auch nicht geredet. Im Haushalt sind solche Einzelfragen kaum aufzufinden.

Klaus Oberem ist — noch — freundlicher und verbindlicher, als sein Vater dies ist, der in Sitzungen gerne auch austeilt — und besonders gerne gegen die Verwaltung. "Ich bin kein Besserwisser. Ich will die Dinge halt nur verstehen. Dann stimme ich auch gern zu", sagt der 43-Jährige. Doch Antworten bekommt er oft nicht. Zumindest nicht im ersten Schritt. Was nichts macht, weil auch Oberem junior sich nicht abwimmeln lässt. Drei Mal ist jetzt schon im Vergabeausschuss über die Anschaffung von Kommandowagen geredet werden. Alle anderen Fraktionen wollten abnicken. Inzwischen hat die Feuerwehr — als Folge der Nachfragen der FWG — ihre eigene Vorlage zurückgezogen. Die fehlenden Antworten sollen demnächst im zuständigen Umweltausschuss gegeben werden.

Wo Oberem junior, der als Geschäftsleiter eines Holz- und Eisenwarengroßhandels weiß, wie ein Unternehmen wirtschaften muss, verwundert den Kopf schüttelt, wird Oberem senior wütend. "Das hälst Du doch im Kopf nicht aus", sagt der 72-Jährige bei manchen Details, die sein Sohn berichtet. Zum Beispiel diesem hier: Auf die Frage, warum man bei der Renovierung der Gesamtschule Neuwerk ein Architekturbüro und nicht die eigenen Ingenieure mit der Planung beauftrage, hieß es lapidar: Damit übernehme das beauftragte Büro auch die Verantwortung für die Maßnahme. "Das heißt im Klartext: Die Ingenieure der Stadt trauen sich nicht, Entscheidungen zu treffen", sagt Erich Oberem.

Söhne, die ihren erfolgreichen Vätern folgen, haben es nicht immer leicht. "Klar, die Fußstapfen sind sehr groß", sagt Klaus Oberem. Andererseits: "Der Name öffnet Türen. Man nimmt mich wahrscheinlich ernster als andere Neulinge." Erich Oberem hat schon vor längerem angekündigt, sich nach und nach aus der ersten Reihe zurückzuziehen. Den Fraktionsvorsitz hat er bereits abgegeben. Doch mancher dürfte sich zu früh gefreut haben auf Politik ohne Oberem. Es sieht ganz danach aus, dass auch Klaus Oberem seinen Weg machen wird. Davon scheint auch der Vater auszugehen. "Der Junge macht das erstaunlich gut", sagt er und lächelt freundlich. Mancher wird das als Drohung empfinden.

(RP)