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Mönchengladbach: OB Bude als "Hobbymensch" beim politischen Couchgespräch

Mönchengladbach : OB Bude als "Hobbymensch" beim politischen Couchgespräch

Norbert Bude ist ein Profi. Schon seit Jahren ist der Oberbürgermeister Berufspolitiker. Dementsprechend selten gelingt es Außenstehenden, einen Blick hinter die Fassade zu werfen. Jedes Wort wägt er für gewöhnlich sorgfältig, jede Geste scheint zigmal erprobt. Wer aber ist der Mensch hinter der Fassade, der Mensch außer Dienst? 15 Jugendliche und junge Erwachsene erhaschten jetzt im Lesecafé an der Citykirche einen Blick auf den "Hobbymenschen" Norbert Bude, wie er sich selbst in der dritten Person bezeichnet.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hatte zu einem seiner "Politischen Couchgespräch" eingeladen. Zum ersten Mal überhaupt in Mönchengladbach. "Wir haben uns gefragt: Warum sollen wir dann nicht gleich den Chef einladen?", sagte Peter Maxein, Referent für Jugendpolitik beim BDKJ, und schmunzelte. Und der "Chef" hatte ohne Zögern zugesagt. Nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Freude und "alter Verbundenheit zur Verbandsarbeit" diskutierte der Oberbürgermeister über zweieinhalb Stunden mit den Gästen. Eile war ihm nicht anzumerken – trotz regelmäßiger 14-Stunden-Tage und Sieben-Tage-Wochen.

"Mein Vater hat damals, nachdem er aus Schlesien vertrieben worden ist, die Pfadfinderarbeit in Odenkirchen mit aufgebaut", erzählte Bude. "Daher gibt es noch heute das geflügelte Wort über mich: Zuerst war ich im Sommerlager, erst danach lernte ich Laufen." Bei den Pfadfindern, so Bude, habe er die wichtigsten Lektionen erhalten: das Leben und Arbeiten im Team, das Führen von und den Umgang mit Menschen und den Stellenwert der Internationalität. "Dort lernte ich auch, wie wichtig es ist, sich einzubringen. Jeder kann etwas bewegen, kann helfen. Es ist schlichtweg falsch zu sagen: Man kann eh nichts tun – mit diesem Satz schützt man nur seine eigene Bequemlichkeit."

Mit Günter Netzer Geburtstag

Nicht nur erfuhren die Gäste, dass Bude am gleichen Tag wie Günter Netzer Geburtstag hat, sondern auch, dass der SPD-Mann aus einem christdemokratischen Elternhaus kommt. Noch heute ist sein Vater Mitglied der CDU. "Er ist aber trotzdem ziemlich stolz auf mich. Die Mitgliedschaft in der SPD hatte er schnell akzeptiert." Selbst sein persönliches Erfolgsrezept verriet Bude. "Es sind die unmittelbaren Mitarbeiter, die den Unterschied machen. Ich muss mich auf sie verlassen können, teilweise blind." Eine der wichtigsten Personen in seinem Leben sei daher sein Chauffeur. Nicht allein wegen dessen Fahrkünste. "Das Auto ist mein zweites Büro. Oft führe ich wichtige Gespräche am Telefon. Ich muss wissen, dass kein Wort von dort nach draußen dringt." Auch über Schul- und Finanzpolitik wurde gesprochen. In Sekundenschnelle saß im Sessel dann wieder der Profi, der Mann, der seine Worte abwägt und seine Gesten kalkuliert.

(fae)