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Serie Denkanstoss: Nur wer losgeht, kann ankommen

Serie Denkanstoss : Nur wer losgeht, kann ankommen

Viele Vorsätze sind sieben Wochen nach Jahresbeginn wieder über Bord geworfen. Für unseren Autor ist das kein Grund, an sich zu zweifeln. Seiner Meinung nach müsse man es immer wieder versuchen.

In der siebten Woche des Jahres 2017 befinden wir uns nun. Was haben wir schon alles erlebt? Und was hatten wir uns alles vorgenommen? Gute Vorsätze. Welche haben wir schon über Bord geworfen und welchen sind wir noch treu?

Die freie Zeit liegt lange zurück. Vielleicht zehren manche von einem schönen Winterurlaub im Schnee oder in sonnigen Gefilden. Andere finden Erfüllung und Entspannung im Karneval oder freuen sich, dass es mit der Borussia wieder aufwärts geht.

Und doch hat uns der normale Trott wieder, fällt es uns schwer, darin etwas Schönes, Befreiendes, Beglückendes sehen zu können. Der Alltag kann gnadenlos sein. Dabei kann Bewährtes auch Stütze und Halt sein, Struktur geben.

Bisweilen tut es gut, zu neuen Ufern aufzubrechen, sich neue Ziele zu setzen. Manch einer braucht dazu Hilfe wie "Fit für zehn", ein anderer hat genug Selbstdisziplin. Beides beruht aber auf Freiwilligkeit.

Doch manche, vielleicht sogar viele werden resigniert feststellen: Meine Kraft, mein Durchhaltewillen haben nicht ausgereicht. Und das schon nach sieben Wochen. Dabei fängt die Aktion "Sieben Wochen ohne" ja erst am Aschermittwoch an.

Es kann aber auch sein, dass ich vor einer unfreiwilligen Herausforderung stehe, etwas auf mich zukommt, mit dem ich nicht gerechnet habe, das mich aus der Bahn wirft: eine schlimme Diagnose, ein erzwungener Arbeitsplatzwechsel, eine Trennung in der Partnerschaft. Etwas, das den Berg so groß erscheinen lässt, dass ich ihn niemals erklimmen kann.

Für alle die möchte ich die Geschichte der Bärenraupe nacherzählen, die ursprünglich von Rudolf Otto Wiemer stammt:

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. 20 Autos in der Minute. Fünf Laster. Ein Schlepper. Sogar eine Kutsche. Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist, weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Rollern. Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar. Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber.

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Sie geht los, geht los auf Stummelfüßen. Zwanzig Autos in der Minute. Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik. Fünf Laster. Ein Schlepper. Eine Kutsche.

Sie geht los und geht und geht und geht. Und kommt an.

DER AUTOR DES HEUTIGEN DENKANSTOSSES IST EVANGELISCHER PFARRER IN HARDT.

(RP)