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Mönchengladbach: NSU: Warten auf Verteidiger-Plädoyers

Mönchengladbach : NSU: Warten auf Verteidiger-Plädoyers

Aziz Sariyar vertritt im NSU-Prozess Angehörige des ermordeten Ismail Yasar. Beate Zschäpe hält er für unglaubwürdig.

Der NSU-Prozess zieht sich zäh in die Länge: Auch nach fünf Jahren und mehr als 400 Verhandlungstagen ist kein Urteil gefallen. "Ich hoffe, dass der Prozess bald abgeschlossen werden kann", sagt der Korschenbroicher Rechtsanwalt Aziz Sariyar und betont: "Das ist auch im Interesse meiner Mandanten, die endlich innerlich mit dem Fall abschließen wollen." Der Anwalt vertritt insgesamt sechs Nebenkläger: die in der Türkei lebenden Angehörigen des 2005 ermordeten Ismail Yasar, den Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos mit fünf Schüssen in seinem Nürnberger Döner-Imbiss hingerichtet haben sollen. Mit Beate Zschäpe bildeten beide Täter ein Trio, den Kern des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU).

Angeklagt sind heute Beate Zschäpe und vier Männer, die als Unterstützer der Terrorzelle vor Gericht stehen. Mundlos und Böhnhardt hatten sich 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach erschossen, kurz bevor der NSU aufflog: Insgesamt neun überwiegend rassistisch motivierte Morde, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle sollen auf das Konto der Terrorgruppe gehen, die zwölf Jahre lang weitgehend unerkannt agieren konnte.

"Mich hat es geschockt, wie kaltblütig die Täter vorgegangen sind - und dass sie so fanatisch einer Ideologie folgen konnten, für die sie letztendlich auch ihr eigenes Leben aufgegeben haben", sagt Aziz Sariyar, der seit Beginn als Nebenkläger-Anwalt in den NSU-Prozess involviert ist. "Ich wusste, dass es ein langer und wichtiger Prozess werden würde. Dass er aber so lange dauern würde, hätte ich nicht gedacht", erzählt Sariyar. Er ist einer von 60 Anwälten, die zusammen rund 100 Nebenkläger vertreten.

Der Korschenbroicher Anwalt wagt keine Prognose, wie lange sich der Prozess noch hinziehen könnte. Allerdings merkt er an: "Jetzt wird es wieder spannend." Sariyar verfolgt das Geschehen im Oberlandesgericht München genau, denn die Plädoyers der Verteidiger stehen kurz bevor. "Ich bin gespannt, auf was die Verteidiger von Beate Zschäpe und die der vier anderen Angeklagten plädieren werden", sagt der 49-Jährige, der bei Verkündung wieder in München sein will.

Ihn interessiert auch, wie die Pflicht- und Wahlverteidiger ihre Plädoyers begründen. Als der Mord an Ismail Yasar ( 50) verhandelt wurde, war Sariyar ein Jahr lang fast jede Woche für drei Tage in München - und saß im Gerichtssaal nur wenige Meter entfernt von der Hauptangeklagten Zschäpe. "Auf mich macht sie nicht den Eindruck, als würde sie die Taten bereuen", erzählt er. Sie habe einmal während der Verhandlung Kaubonbons auf ihrem Tisch sortiert. "Sie hat sich nie konkret geäußert. Daher denke ich nicht, dass sie Interesse an der Aufklärung der Taten hat." Auf Sariyar wirke Zschäpe unglaubwürdig: "Im Prozess zeigt sie kaum Regung. Alles, was sie bisher gesagt hat, war Larifari."

Der Rechtsanwalt hat Mühe, seinen Mandaten zu erklären, warum sich der Prozess so lange hinzieht. Auch ihnen ist an einer Verurteilung der Täter gelegen, zumal kurz nach dem Mord an Yasar spekuliert wurde, er sei in Drogengeschäfte verwickelt gewesen. Tatsächlich spielen die Verteidiger der Angeklagten auf Zeit: Immer wieder stellen sie Beweis- und Befangenheitsanträge, was den Eindruck erweckt, als wollten sie das Verfahren verschleppen. "Mich ärgern die Anträge, hinter denen politische Botschaften stecken und die kaum dazu beitragen, im Prozess weiterzukommen", erzählt Sariyar, der gleichwohl Verständnis dafür äußert, dass die Kammer um den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl "auf den letzten Metern" keine Fehler machen will - auch mit Blick auf ein etwaiges Revisionsverfahren.

In seinem Plädoyer schloss sich Aziz Sariyar den Ausführungen der Bundesanwaltschaft an, die für Beate Zschäpe eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert hatte.

(cka)